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Das Wandern ist der Lexi Lust

Lexi ist das Pseudonym einer 20-jährigen Molliserin, die einen Internet-Blog in Jugendsprache führt.

Südostschweiz
Sonntag, 28. Juni 2020, 04:30 Uhr Lexi like
Natur
Ein Fischer auf dem Klöntalersee.
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Ich glaube, es gibt keine Schweizer Eltern, die ihre Kinder nicht mindestens einmal im Jahr mit einer mehr oder weniger spontanen Wanderung überraschen. Und damit nerven.

Schritt für Schritt, Stunde um Stunde in der brütenden Hitze rumstiefeln, bloss damit man am Ende des Tages eine verbrannte Birne und Blasen an den Füssen hat. Den Blick den ganzen Tag auf den Boden gerichtet, sonst würde man ja stolpern, stürzen und den Abhang hinunterrollen, kann man das schöne Bergpanorama gar nicht mehr geniessen. Man marschiert im Gänsemarsch hintereinander, stundenlang, und die Zeit vergeht kaum. Die erste halbe Stunde redete man noch, dann ist alles ausgeredet oder der Atem zum Quasseln fehlt. Stille herrscht, die Bienen summen und die Gedanken schwirren. Bald fallen einem keine Gedanken mehr ein und es wird langweilig.

Kein Wunder sind die Kids nicht gleich Feuer und Flamme.

Erstaunlicherweise scheint Wandern zu den Freizeitbeschäftigungen zu gehören, die ab einem gewissen Alter akut interessant werden. Jahrelang als verhasste Alternative zur Badi angeschaut, erfährt Wandern zeitgleich mit dem Schulabschluss ein unmittelbares Upgrade.

Plötzlich steht ganz Instagram frühmorgens auf, um auf einem Berggipfel zu Frühstücken, und selbst die faulste Couch-Potato schnürt sich die Wanderstiefel. Ob es daran liegt, dass Berge einfach fotogen sind, oder ob die Mittzwanziger-Influenzer-Generation die Zeit in der Natur geniesst, weiss ich nicht.

In Märlitalen aufgewachsen, ist für mich Wandern nicht primär ein Sightseeing-Trip, sondern Sport. Als Wanderung bezeichnet werden darf nur, was über 700 Höhenmeter Anstieg hat und bei dem wenigstens ein bisschen Felsen und paar Steine auf dem Weg zu sehen sind. Ziel ist es, möglichst schnell hochzulaufen und nicht primär besonders gut dabei auszusehen. Während dem Laufen läuft man und läuft der Schweiss. Punkt. Fotos kann man dann auf dem Gipfel schiessen.

«Flachländer und Zürcher Betonspazierer sehen das Ganze etwas anders. Wandertage starten bei denen traditionell am Uetliberg.»

Flachländer und Zürcher Betonspazierer sehen das Ganze etwas anders. Wandertage starten bei denen traditionell am Uetliberg oder so ähnlichen hügelartigen Gebilden. Dafür muss man sich aber eine Hightech-Ausrüstung zulegen, den Treckingrucksack packen und Wanderschuhe montieren, mit denen man sogar über einen Gletscher stapfen könnte. Vielleicht kommt ja auf den 300 Höhenmetern zwischen Parkplatz und Restaurant noch ein Schneefeld dazwischen.

Wie bei allen modernen Sportarten sollte man sich egal für welche Art von Wanderung immer gut vorbereiten. Planung ist schliesslich das A(llermühsamste) und O(hnmächtigste) einer erfolgreichen Expedition. Und wie für alles Moderne gibt es auch für das inzwischen eine Checkliste. In diesem Fall heisst sie PEAK.

P: Provisorisch. Bei einer guten Planung, weiss man ja was kommt. Wie langweilig das wohl wäre?

E: Einer verletzt? Niemand? Gut, denn auf allen vieren kann man jeden Abhang hoch- oder runterkraxeln. Gutes Einschätzen der Kräfte ist überbewertet.

A: Aufrecht. Geht keiner am Stock und kann jeder aufrecht gehen, wird die Ausrüstung zweitrangig.

K: Konsumieren. Bitte keine Drogen und Alkohol, aber solange noch Essen da ist, ist es egal, wie schwierig der Weg und wie müde man ist.

Quelle dafür ist übrigens die Lexilike Eigenerfahrungsstatistik. Und alle seriösen Wanderer wissen, dass bei dieser Checkliste ein bisschen was krumm gelaufen ist.

Schliesslich fehlt mindestens noch das Bikini, das man für den verdienten Sprung in den Klöntalersee mitnehmen sollte.

Lexi ist das Pseudonym einer 20-jährigen Molliserin, die einen Internet-Blog in Jugendsprache führt: http://lexilike.blogspot.ch.

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