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Drücken mehr Studierende die Schulbank?

Viele Schulabgänger sind nach der Matura ratlos darüber, was sie in Zukunft machen möchten. Direkt mit dem Studium beginnen oder ein Zwischenjahr einlegen? Auch Studierende, die einen Bachelorabschluss haben, sind sich nicht immer sicher, wie der nächste Schritt aussieht. Welchen Einfluss könnte Corona dabei haben?

Bettina
Cadotsch
Dienstag, 23. Juni 2020, 04:30 Uhr Nach Coronakrise

Wie weiter nach der Matura? Endlich hat man das Zeugnis in der Hand und alle Türen stehen einem offen. Viele Türen – oft zu viele. Weil diese Situation sehr herausfordernd sein kann, wählen Schulabgänger gerne die Option: «Ich mache mal ein Zwischenjahr und schaue dann weiter.» Das kann ein «work and travel» in der Ferne, ein Sprachaufenthalt in den USA oder ein «Au-pair» Jahr in Frankreich sein.

In diesem Jahr könnte dies coronabedingt anderes aussehen. Viele Grenzen innerhalb von Europa sind zwar wieder offen, die Unsicherheit in der Gesellschaft ist aber immer noch spürbar. Das zeigt sich unter anderem auch an der Ferienplanung. Ausserdem bedingt ein solches Zwischenjahr einiges an Organisation, was in letzter Zeit schwierig war, weil der Fahrplan der Lockerungen der Coronamassnahmen lange sehr unklar war und stets flexibel angepasst werden kann.

Ähnlich unsicher ist die Situation bei Studierenden, die einen Bachelorabschluss haben. So oder so setzen sich die Studierenden mit der Frage auseinander, ob sie direkt den Master ansteuern oder ob sie erst einmal in die Arbeitswelt eintauchen. Diese Arbeitswelt wurde jedoch je nach Branche unterschiedlich hart von der Coronakrise getroffen.

Doppelt so viele Masterstudierende bei der FHGR

So viel zur Ausgangslage. Nun kommen die Fachhochschulen und die Berufsschulen aus der Region ins Spiel. Bei der Fachhochschule Graubünden, der FHGR, hatte Corona auf verschiedenen Ebenen einen Einfluss, wie Rektor Jürg Kessler auf Anfrage sagt. Bei den Masterstudiengängen habe es im Vergleich zu anderen Jahren eine starke Steigerung gegeben. «Für die genauen Zahlen ist es noch ein wenig zu früh, aber wir können praktisch von einer Verdoppelung sprechen, was namhaft ist», so Kessler. Rückmeldungen, dass es tatsächlich wegen Corona so sei, habe er nicht erhalten. Es könne aber durchaus sein, dass Bachelorstudierende coronabedingt direkt den Masterstudiengang anhängen, so Kessler.

Verzögerung durch andere Gewichtung

Anders sei die Situation bei den Bachelorstudiengängen. Dort habe sich vor allem während den Lockdown-Monaten März und April eine starke Zurückhaltung und Verunsicherung gezeigt. «In den vergangenen Jahren war der März der absolut stärkste Monat, was die Anmeldungen betrifft. In diesem Jahr sind die Anmeldungen sowohl im März, als auch im April ganz deutlich hinter jenen des Vorjahres», erklärt Kessler. Mittlerweile sei es bei den Bachelorstudiengängen aber so, dass man sich bei den Anmeldungen aktuell auf dem Niveau des Vorjahres befinde, was rund 650 Neuanmeldungen seien. Die Aufholjagd fing jedoch erst im Mai an, weshalb bei einigen Studiengängen auch die Anmeldefrist bis Ende Juni verlängert wurde, so Kessler.

Warum sich Studierende erst später für ein Bachelorstudium entschieden haben, sei schwierig zu sagen. Eine Möglichkeit könne aber sein, dass man während der Coronakrise zuerst einmal an die Gesundheit gedacht habe und weniger an die Zukunft und an die Ausbildungen, erklärt Kessler.

Was bei der FHGR gilt, gilt teilweise auch bei der PHGR

Die feststellbare Verzögerung deckt sich auch mit den Aussagen der Pädagogischen Hochschule Graubünden. Gian-Paolo Curcio, Rektor der PHGR sagt auf Anfrage, dass die Anmeldungen im Vergleich zu den anderen Jahren ebenfalls eher später eingetroffen seien. Unter dem Strich hätten sich nun aber ähnlich viele Studierende für die PHGR eingeschrieben. 

Mehr Fragen und mehr Beratungsgespräche

Berufsbegleitende Weiterbildungen werden in der Region unter anderem an der IBW, der höheren Fachschule Südostschweiz angeboten. Gemäss deren Rektor, Stefan Eisenring, hätten sich die Auswirkungen der Coronamassnahmen vor allem daran gezeigt, dass es viel mehr Fragen und viel mehr Beratungsgespräche gegeben habe.

Dies treffe sowohl bei Neustudierenden, als auch bei bestehenden Studierenden zu. «Jene, die in Unternehmen stecken, welche Schwierigkeiten haben, waren verunsichert. Wir haben auch Leute, die den Job bereits verloren haben und nun auf der Suche sind», erklärt Eisenring. In solchen Bereichen versuche man das Netzwerk auszunutzen und für alle Beteiligten eine passende Lösung zu finden. Bei den Neuanmeldungen befinde man sich derzeit im Rahmen der vergangenen Jahre, was rund 1000 Neustudierende seien und deutlich besser sei, als zu Beginn der Coronakrise erwartet.  (can)

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