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Rotes Kreuz Glarus sucht freiwillige Fahrerinnen und Fahrer

Wer zum Arzt, ins Spital oder in eine Therapie muss und nicht selber fahren kann, kann den Fahrdienst des SRK Kanton Glarus nutzen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass auch jüngere Fahrerinnen und Fahrer gefragt sind.

Fridolin
Rast
Sonntag, 31. Mai 2020, 04:30 Uhr So funktioniert der freiwillige Fahrdienst
Geschenkte Mobilität: Sigi Schiesser engagiert sich als freiwilliger Fahrer beim SRK Glarus, während der Corona-Krise unter den gegebenen Schutzmassnahmen.
SASI SUBRAMANIAM

Die Passagierin von heute muss zu einer Behandlung ins Kantonsspital. Und sie wird von Sigi Schiesser chauffiert, der sie gleich am Eingang aussteigen lässt. Er ist freiwilliger Fahrer für den Fahrdienst des SRK Kanton Glarus, der kantonalen Organisation des Schweizerischen Roten Kreuzes, und das nun schon seit 2013.

«Ich bin sensibilisiert worden, als meine Frau schwer erkrankte und immer wieder zu Therapien nach Chur gefahren werden musste», erzählt Schiesser. Damals, 2006, war er noch berufstätig, und ihr früher Tod hat die Familie geprägt. «Man schaut dann anders auf gewisse Bedürfnisse», sagt er nur.

Am Telefon reservieren

Schiesser ist einer von insgesamt 45 freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern beim Fahrdienst des SRK Glarus und von rund 7000 in der ganzen Schweiz, die Zeit und Mobilität schenken. Zusammen fahren sie jährlich über 15 Millionen Kilometer oder 355-mal um die Erde. Ihre Fahrgäste sind laut dem SRK ältere, behinderte oder kranke Menschen, die nicht mehr selber mobil sind oder Begleitpersonen in der Familie haben. Die Freiwilligen fahren sie zum Arzt, ins Spital, zur Therapie oder zum Kuraufenthalt.

Um eine Fahrt zu reservieren, ruft man beim SRK Fahrdienst in Glarus an (sieh Box). Dort koordiniert Denise Fischer die Fahrten und teilt sie den Fahrerinnen und Fahrern zu. «Die Freiwilligen holen die Fahrgäste zu Hause ab und fahren sie sicher ans Ziel, warten und fahren sie dann wieder nach Hause», heisst es im Flyer dazu. Sie helfen aber auch beim Ein- und Aussteigen und begleiten bis zur Tür oder in die Praxis.

Freiwillige gesucht

Fahrerinnen und Fahrer schenken ihre Zeit und den Menschen Mobilität. Sie sind auf die Fahrten vorbereitet, und wie Fischer erklärt, finden auch immer wieder Weiterbildungen statt: «Kommunikation, Verhalten im Notfall oder wenn jemand nervös ist auf dem Weg.» Oder Verhalten im Autoverkehr und Verhütung von Unfällen. Die Glarner fahren seit Längerem unfallfrei, freut sie sich.

Die Coronakrise hat nun vielen von ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Einerseits wurden Behandlungen aufgeschoben und stehen nun an. Anderseits sind viele der freiwilligen Fahrer über 65 Jahre alt und konnten als Risikopersonen vom SRK während der Corona-Massnahmen nicht gesetzt werden. So, dass man auch jüngere Fahrerinnen und Fahrer sucht, die sich über die Corona-Zeit hinaus engagieren wollen. «Sie erhalten eine Einführung und dazu Tipps vom Fahrlehrer bei einer Probefahrt», erklärt Denise Fischer. Die Fahrerinnen und Fahrer werden mit ihrem Engagement auch SRK-Mitglied und werden einmal im Jahr zu einem Essen und Austausch eingeladen.

«Aus Dankbarkeit»

Normalerweise fährt man mit dem eigenen Auto und bekommt zwar keinen Lohn, aber eine Entschädigung für die gefahrenen Kilometer. Sigi Schiesser ist noch nicht 65-jährig und damit während der Corona-Zeiten umso gefragter. Je nach Engagement könnten sich die Einsätze auf weniger als fünf oder aber bis 30 Stunden wöchentlich summieren, schätzt er.

Schiesser selber fährt im Moment zwischen 15 und 25 Stunden wöchentlich, «aus Dankbarkeit für die Dienste des SRK und mit der Befriedigung, Menschen helfen zu können», sagt er. Unterwegs ist er aktuell mit einem Auto, das die Garage Tondo dem SRK Glarus zur Verfügung stellt. Jedenfalls solange es der gesponserte Volleyballclub Näfels wegen der Trainings- und Spielpause nicht nutzt. Nachher wird auch Schiesser wieder sein eigenes Auto fahren. «Einen Rollator oder einen Klapp-Rollstuhl kann ich ohne Weiteres mitnehmen», sagt er.

Bis nach Zürich oder Chur

Noch bis zum 8. Juni dürfte die Ausnahmesituation dauern, in der er als noch junger Pensionierter so viel fährt. Mit Fahrten, die innerhalb des Dorfes bis in die Arztpraxis führen können, durchaus aber auch ans Unispital oder ins Triemli nach Zürich oder aber ins Kantonsspital nach Chur. Und die gelegentlich auch mit Wartezeiten verbunden sind, während denen er ein Buch lesen und einen Kaffee trinken kann.

So funktioniert der freiwillige Fahrdienst
Der SRK Fahrdienst funktioniert nur dank freiwilligen Fahrerinnen und Fahrern – und 2020 ist das Jahr der Freiwilligen. Wer eine Fahrt benötigt, muss sie drei Tage im Voraus bestellen beim Fahrdienst des SRK Kanton Glarus unter Telefon 055 650 27 78 oder fahrdienst@srk-glarus.ch, jeweils an Werktagen von 8 bis 11 Uhr. Die Fahrten werden direkt bei den Fahrern und in bar bezahlt. Fahrer, Auto und Passagier werden vom SRK versichert. Berechnet werden pro Kilometer 70 Rappen, ab und bis Wohnort des Fahrers oder der Fahrerin, unabhängig davon, wie viele Fahrgäste und Begleitpersonen mitfahren. Dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr von 5 Franken, am Wochenende ein Zuschlag von 10 Franken und bei längeren ausserkantonalen Fahrten eine Mahlzeitentschädigung von 20 Franken. Wartezeiten bis eineinhalb Stunden sind inbegriffen, darüber hinaus kostet jede halbe Stunde 5 Franken.

Das SRK Kanton Glarus, das dieses Jahr 125 Jahre alt geworden ist, bietet neben dem Fahrdienst einen Notruf, die Aktion «2 x Weihnachten» und einen Entlastungsdienst für pflegende Angehörige. Ausserdem werden Kurse angeboten für: Pflegehelferinnen und -helfer, Babysitting und Fort- und Weiterbildung. (fra)

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