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«Vielleicht wird der Brautstrauss dann aus Eis- statt Wiesenblumen sein»

Die Glarnerin Gloria Welter und ihr norwegischer Freund Loke wollten im Mai heiraten. Die geschlossenen Grenzen wegen des Coronavirus machen ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Martin
Meier
Freitag, 22. Mai 2020, 04:30 Uhr Keine Hochzeit wegen geschlossener Grenzen
Lockdown verzögert Ja-Wort. Die Hochzeit von Glarnerin Gloria Welter muss warten.
ARCHIV

Die 29-jährige Betschwandnerin Gloria Welter hat sich alles so schön ausgemalt. Im mit Henna rotgefärbten Haar ein bunter Blumenkranz. So wollte sie mit ihrem Freund vor den Diesbachfall treten, um ihm dort das Ja-Wort zu geben. In der Hand den Hochzeitsstrauss, mit Blüten, die auf Wiesen wachsen: mit wildem, blauen Salbei, gelbem Pipau und rotem Klee.

Gloria Welter und ihr norwegischer Freund Loke wollten im Wonnemonat möglichst einfach, ganz ohne Glanz und Gloria, Glitzer und Glamour, heiraten. «Wie die Hippies eben», sagt die 29-Jährige. Doch der Lockdown machte dem Paar einen Strich durch die Rechnung. Die Grenzen sind dicht. Was den beiden bleibt, ist die Sehnsucht zueinander und das gemeinsame Wissen, dass noch nicht aller Tage Abend ist. «Wenn wir die Wartezeit überstanden haben, dann werden wir alles andere auch bestehen», ist Gloria überzeugt. «Ich sehe dies als eine Probe von oben.»

«Es war wie ein Blitzeinschlag»

Gloria sitzt im «Adler» in Linthal, dem Restaurant ihrer Eltern, draussen, auf der lauschigen Gartenterrasse und erzählt: dass sie immer davon geträumt habe, ihren Mann einmal so kennenzulernen, wie sich ihre Eltern lieben gelernt haben: «Auf den ersten Blick. Mein Vater sagte während seiner Ferien in Kroatien zu seinem Freund: ‘Die Frau da drüben heirate ich’.» Das sei vor 30 Jahren gewesen. «Die beiden sind noch immer verheiratet – glücklich.»

Bei ihr sei es fast mehr gewesen, als Liebe auf den ersten Blick. «Es war wie ein Blitzeinschlag. Ich sah Alfred, mit Spitznamen Loke, und wusste, dass er mein Mann ist, obwohl wir noch nie zuvor miteinander zu tun gehabt, geschweige denn gesprochen, haben. Wir starrten uns einfach nur an – aus 20 Metern Distanz. Dann lief er auf mich zu und fragte mich, ob ich ihm Feuer geben kann.» Das habe ihre Liebe entflammt. «Seither kleben wir wie Magneten aneinander.»

Passiert ists im vergangenen August, in Borre, einem kleinen norwegischen Nest, an einem Wikinger-Fest. «Mich interessiert die norwegische Mythologie.» An Elfen glaubt Gloria nicht. «Vielleicht aber gibt es sie trotzdem.» Hexen aber gebe es – und Trolle. «Ich habe mir gar welche gekauft, damit sie mein Haus bewachen können.» Gloria ist überzeugt, dass es übersinnliche Kräfte gibt. «Ich brauche mir den Wetterbericht nie anzusehen. Es reicht, wenn ich einfach in den Himmel schaue.» Gloria weiss auch, dass sie mit dem 33-jährigen Loke einmal drei Kinder haben wird. Sie weiss sogar ihre Namen: «Björn, Freya und Ivar.»

Ein Gast am Nebentisch niest. «Heupfnüsel», meint Gloria. «Dagegen hilft schwarzer Kümmel.» Die Glarnerin kennt fast jede Heilpflanze. «Man nannte mich auch schon Kräuterhexe.»

«Ich spürte sein Herz schlagen»

Ende September besuchte Loke Gloria ein erstes Mal. «Da wanderten wir auch an den Oberblegisee. Unsere Natur hat ihn sehr beeindruckt.» Im Dezember reiste dann Gloria dorthin, wo ihr Liebster aufgewachsen war. In Leksvik, in der Nähe von Trondheim. «Da wars mega.» Gloria gefiel die absolute Stille. Anfang Jahr war Loke dann wieder im Glarnerland. Gloria erinnert sich an den 26. Januar. «Loke sagte, er müsse an mir einen Ring anprobieren. Dann ging er in die Knie, umarmte mich und machte mir den Heiratsantrag. Da spürte ich sein Herz an meinem rechten Bein schlagen. Wir beide hatten Tränen in den Augen.»

Die gemeinsame Zukunft möchte sich Loke, von Beruf Zimmermann, mit Gloria im Glarnerland aufbauen. Wann die beiden jetzt heiraten werden, steht noch in den Sternen. Beide hoffen, sobald wie möglich. «Die Dokumente sind hinterlegt», sagt Gloria. «Aber wer weiss: Vielleicht wird aus dem Wiesen- dann einfach ein Eisblumenstrauss.»

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