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Christi Himmelfahrt ist unsere Erhöhung

Winfried Weimert ist Diakon in Mollis und gibt einen Überblick über das Hochfest Christ Himmelfahrt.

Südostschweiz
Donnerstag, 21. Mai 2020, 04:30 Uhr Macht Gottes

Der 40. Tag der Osterzeit ist durch das Hochfest Christ Himmelfahrt ausgezeichnet. An diesem Tag ist nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte der auferstandene Herr vor den Augen der Jünger in den Himmel erhöht worden, von wo er wiederkommen wird, um das Ende der Zeit und dieser Welt herbeizuführen. Durch den Geist, den er hinterlassen hat, bleibt er gegenwärtig in seiner Kirche und wirkt durch sie in der Welt und für die Welt.

Maria Magdalena, die andere Maria und Salome, kehrten fluchtartig vom Grab in die Stadt zurück, nachdem ihnen gesagt worden war: Jesus von Nazareth ist auferweckt worden (16, 5–6). Schrecken und Entsetzen hatte die Frauen gepackt. Die Furcht hindert sie, überhaupt von Ihrer Erfahrung zu anderen zu sprechen (Markus 16, 8).

Der Schlussabschnitt des Evangeliums kommt uns Heutigen dann noch einmal mit unseren Glaubensschwierigkeiten sehr entgegen. Es vermittelt auf seine Weise den Schrecken und das Entsetzen der Elf.

Vor allem wird der Unglaube der Elf angesprochen, der sich wie ein Refrain durch den Evangeliumstext durchzieht: Maria Magdalena hat den Herrn gesehen; sie glaubten nicht, Sie verkündet es den Trauernden und Weinenden; sie glauben nicht.

Die zwei Jünger von Emaus erfahren den Auferstandenen. Auch sie verkünden den anderen Jüngern; sie glaubten nicht. Wenigstens beim Brotbrechen gingen ihnen die Augen auf. Gehen uns heute beim Brotbrechen im Gottesdienst die Augen auf? Erkennen wir ihn heute, oder ist nur er bei uns und mit uns, aber wir sind nicht mit ihm?

Wenn sich Jesus den Elf zu erfahren gibt, ist das erste, was Jesus zu sagen hat der Tadel. Er tadelt sie wegen ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte, ihrer Verstocktheit, weil sie denen nicht glauben, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.

Es sind genau diese Menschen, die trauern und weinen, die sich dann in ihrer Trauer einschliessen und abkapseln; sich durch keine von aussen kommende Botschaft in ihrer Trauer beirren lassen. Es sind genau diese Menschen, die Elf, die Jesus sendet.

Ausgerechnet sie. Er nimmt nicht die Enthusiasten, die leicht und schnell Begeisterten. Er sagt zu denen, die nicht glaubten: Geht in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Und noch einmal kommt es: «Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet, wer nicht glaubt, wird verdammt werden.» Die ungläubigen Elf müssen dies doch auf sich beziehen; sie als nicht Glaubende sind sie zu denen zu zählen, die verurteilt werden? Nein, sie sind gerade die, die als Boten gesandt werden.

Der letzte Satz des Evangeliums ist dann tröstlich: Die Menschen, die sich mit ihrem Glauben an den Auferstandenen so schwer taten, gingen überall hin und richteten die Botschaft von Jesus aus. Gerade in diesem Vollzug des Auftrags scheint ihr eigener Glaube gefestigt worden zu sein. Es dauert lange, ehe sie verstehen, worum es sich beim Reich Gottes handelt.

Es dauert lange, ehe sie Jesu Zeugen sein können. Wenn sie vom Ölberg nach Jerusalem zurückkehren, tun sie das Vernünftigste, was es gibt: Sie verharren einmütig im Gebet.

Der Geist, der die Augen des Herzens erleuchtet, macht uns deutlich: Der Glaube in uns ist keine Leistung von uns selbst. Der Glaube kann ich nicht von mir aus herstellen. Der Glaube ist Geschenk. Wenn ein Mensch glaubt, dann ist Gott mit seiner ganzen schöpferischen Kraft tätig. So wird im Epheserbrief deutlich, dass Gottes Kraft und Macht am meisten wirkt, wenn der Mensch bedingungslos glaubt: «Gott, der reich an Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner grossen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben» (Eph.2, 4–6).

Die Macht Gottes im glaubenden Menschen ist so stark, dass der glaubende Mensch in eine ganz enge Lebensgemeinschaft mit Jesus, dem Christus getreten ist. Sie ist so eng, dass der glaubende Mensch mit Christus zum Leben gebracht, mit Christus erweckt und mit Christus in den Himmel versetzt ist. Somit liebt uns der an Erbarmen reiche Gott so sehr, dass er uns an der ganzen Fülle des Lebens, seines Lebens teilnehmen lässt. Aus dieser Fülle des im Himmel versetzt sein können wir leben und Zeugnis für Jesus geben durch ein Wirken in Gerechtigkeit, Frieden und Liebe in dieser Welt.

Das Markusevangelium spricht jedoch auch von den grossen Schwierigkeiten des Glaubens: Nun sind wir auf einmal in sehr «Himmlisches» geraten. Es könnte sein, dass uns dieses «Himmlische», dieses «mit Christus in den Himmel versetzt Sein», den Atem nimmt. Die Höhe könnte in uns Schwindelgefühle auslösen. Doch: Es ist der Gott der Liebe, der uns aus unserem kleinen ängstlichen und zaghaften Glauben herausführt in die Fülle seines Lebens. Nicht wir wirken den Glauben. Den Glauben erschafft der Schöpfergott. Ihm wollen wir uns anheimgeben. So wollen wir auch den Tod nicht fürchten, sondern an die Unsterblichkeit denken. «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben» (Joh. 11, 25–26).

Daher trauert nicht wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Die Himmelfahrt Christi stellt uns als Miterben Christi – durch seinen Tod, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt – die Herrlichkeit des Himmels in Aussicht. Diese Zukunft verheisst uns Christus, der Herr, da er für uns betet, dass wir immer bei ihm sein, mit ihm auf den Thronen des Himmels sitzen und im Himmelreich glücklich sein dürfen: «Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt» (Joh.17, 24).

Sollten wir uns nicht freuen, verwandelt und umgeformt zu werden, zur Schönheit Christi, um zur Würde himmlischer Herrlichkeit zu gelangen? Da der Apostel verkündet: «Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes» (Phil 3, 20–21). Daher dürfen wir uns aufgrund dieser wunderbaren Verheissungen jetzt sicher noch verhalten, aber bald schon unsagbar freuen, über unsere Ausreise und unser Hinübergehen in die ewig liebende Geborgenheit der Freude und vollkommene angstfreie Heimat des gütigen und unendlich schönen Vaterhauses im Himmel!

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