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Erstes Fazit zum Contact Tracing in Graubünden

Seit gut zehn Tagen wird im Kanton Graubünden das Contact Tracing durchgeführt. Jede einzelne Neuinfektion mit dem Coronavirus wird zurückverfolgt und deren Kontaktpersonen werden ermittelt. Dadurch sollen Infektionsketten unterbrochen werden. Eine erste Zwischenbilanz.

Bettina
Cadotsch
Mittwoch, 20. Mai 2020, 17:23 Uhr Wenig Arbeit
Tägliches Gespräch: Das Contact Tracing im Kanton Graubünden läuft seit dem 11. Mai.
ARCHIV

Die Arbeit bezüglich Contact Tracing, also der Rückverfolgung von Infektionsketten wurde im Kanton Graubünden am 11. Mai wieder aufgenommen. Damit ist man am Punkt angelangt, der ganz am Anfang der Pandemie möglich war – nämlich jeden Infizierten mit dem Coronavirus einzeln und sauber zu isolieren. Das Contact Tracing wird vom Corona Care Team übernommen. Es werden sowohl Erkrankte, als auch deren Kontaktpersonen erfasst und in Isolation, beziehungsweise in Quarantäne gesetzt. Im Einsatz steht ein Team des Gesundheitsamts, unterstützt durch medizinisches Fachpersonal und Angehörige des Zivilschutzes.

Enge Betreuung, um Symptome rechtzeitig zu erkennen

Rudolf Leuthold, Leiter des Gesundheitsamtes Graubünden, zieht ein erstes positives Fazit: «Das Contact Tracing ist sehr gut angelaufen. Glücklicherweise haben wir nicht sehr viel zu tun, sondern verzeichnen nur vereinzelte Infektionen im Kanton.» Das Corona Care Team sei ähnlich wie ein Callcenter aufgestellt. «Wenn eine Meldung eingeht, müssen wir mit dem Arzt Kontakt aufnehmen, der die betroffene Person betreut, sowie mit der betroffenen Person selbst.» In einem weiteren Schritt werden die Kontakte der infizierten Person angeschaut und es werde untersucht, ob eine Isolation verfügt werden müsse oder nicht, so Leuthold.

Die Menschen unter Quarantäne werden alle engmaschig via Telefon begleitet. Den Kontaktpersonen werden in einem ersten Schritt Fragen zu ihrem Gesundheitszustand gestellt, um Infektionsfälle möglichst früh zu erkennen. In einem weiteren Schritt können Versorgungsbedürfnisse erfasst werden.

Die App, die noch nicht funktioniert

Alternativ zur telefonischen Betreuung hat der Kanton Graubünden eine App (Covid Care App) erstellt, über welche die Menschen via Pushnachricht erreicht und nach ihrem Gesundheitsstand befragt werden. «Insbesondere für junge Menschen, die nicht jedes Mal telefonieren möchten, ist das eine gute Variante», so Leuthold. Ausserdem gehe es schneller und spare Ressourcen des Care Teams. Aktuell könne die App jedoch noch nicht verwendet werden, weil sie vom App-Store noch nicht freigeschaltet wurde. Die Covid Care App dürfe nicht mit jener des Bundes verwechselt werden, erklärt Leuthold. Bei jener des Bundes gehe es um die Warnung, bei jener des Kantons gehe es um den Kontakt.

Trotzdem nicht nachlassen

Auch wenn das Care Team im Kanton Graubünden zurzeit nicht viel zu tun hat, blickt Leuthold mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. «Es ist anzunehmen, dass die Arbeit aufgrund der Lockerungen steigt.» Das Personal beim Care Team könne sich jedoch flexibel auf einen Anstieg einstellen, erklärt er. Leuthold appeliert in diesem Zusammenhang, vernünftig zu bleiben und die Abstands- und Hygieneregeln weiterhin ernst zu nehmen. (can)

 

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