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Auf jeder dritten Alp packen Ausländer an

Alpmeister können aufatmen: Ausländisches Alppersonal darf mit Familie einreisen. Strikt geregelt ist, wer an den Sennenkurs darf. Und: Auf den Alpen werden die Milchkühe zurückgedrängt.

Südostschweiz
Dienstag, 19. Mai 2020, 04:30 Uhr Strukturwandel findet statt
Chirurgisches Käsen: Unter strengen Vorgaben lernt eine beschränkte Anzahl Älpler am diesjährige Sennenkurs das Käserhandwerk.
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Es ist der erste Kurs, der nach dem Corona-Stillstand am Plantahof in Landquart stattfindet: die Grundausbildung für Alpsenninnen und -sennen. Die Hygienevorschriften sind streng, so dürfen etwa Teilnehmer aus dem Ausland während des dreiwöchigen Kurses nicht heimreisen. Gearbeitet wird maximal in Dreiergruppen und alle tragen Schutzmasken.

Töni Gujan von der Fachstelle Alpwirtschaft am Plantahof ist froh, dass die künftigen Senninnen und Sennen nun bis Ende Mai ausgebildet werden. Denn Anfang Juni werden bereits die ersten Alpen bestossen. «Einige wenige Teilnehmende steigen also direkt nach dem Kurs auf die Alp», erklärt Gujan.

Dass die Ausbildung so spät beginnt, hat mit der Coronakrise zu tun. Vor der ersten Lockerung wäre eine Durchführung nämlich nicht möglich gewesen. So wurde etwa der Alphirtenkurs online angeboten. «Aber beim Sennenkurs, wo die Teilnehmenden die praktische Herstellung von Alpprodukten lernen, wäre das nicht möglich gewesen», sagt Alpfachmann Gujan.

Noch strikter als sonst üblich war das Auswahlverfahren. So ist dieses Jahr nur eine Person pro Alp im Kurs zugelassen und anstatt 24 Teilnehmende sind nur 16 Personen dabei.

Bewilligung auch für Kinder

Erleichtert ist Gujan auch darüber, dass die Einreisebeschränkung für ausländisches Alppersonal aufgehoben wurde und jetzt einreisen darf, wer einen gültigen Alpvertrag vorweisen kann. Und auch für die Kinder der Älplerinnen und Älpler kann eine Bewilligung eingeholt werden.

Von den rund 1200 Personen, die im Sommer in Graubünden «z’Alp» gehen, reisen nämlich jeweils rund 400 aus Deutschland, Österreich und Italien an. «Rund ein Drittel des Bündner Alppersonals kommt also aus dem Ausland», sagt Gujan. Allgemein geht er von einer guten Personalsituation aus, nur einzelne Alpen würden noch Teammitglieder suchen. Diese noch unbesetzten Stellen bewegten sich im üblichen Rahmen und hätten nichts mit der Coronakrise zu tun.

Auf Distanz zu Touristen

Wohl eher selten wird man diesen Sommer Alppersonal mit Mundschutz antreffen. Spezielle Hygienevorschriften für die Alp hat der Plantahof jedenfalls keine ausgearbeitet. «Es gelten die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit», unterstreicht Gujan. Die Ansteckungsgefahr im Alpteam schätzt er als eher gering ein, wenn nur gesunde Personen die Arbeit aufnehmen. «Das Team ist ja auf der Alp quasi in Quarantäne.» Bei Begegnungen mit externen Personen, also etwa mit Besucherinnen, Bauern oder Touristen, müsse aber natürlich die Abstandsregel eingehalten werden.

«Rund ein Drittel des Bündner Alppersonals kommt aus dem Ausland.»

Nicht nur positiv sieht Gujan, dass die Alpen in diesem Sommer eher früh bestossen werden. «In den Bergen lag diesen Winter wenig Schnee. Es fehlt also der Wasserspeicher.» Bei einer längeren Trockenheitsperiode bestehe deshalb die Gefahr, dass das Wasser knapp werde.

Mutterkuh schlägt Milchvieh

Eine grosse Veränderung zeichnet sich beim gealpten Rindvieh ab. So wurden im vergangenen Jahr gemäss kantonalem Amt für Landwirtschaft und Geoinformation erstmals mehr Mutterkühe als Milchkühe auf Bündner Alpen gesömmert. Gesamtschweizerisch sind die Milchkuhbestände gemäss Bundesamt für Statistik in den vergangenen 20 Jahren um 19 Prozent gesunken. Die Zahl der Mutterkühe hat sich im gleichen Zeitraum verdreifacht.

«Hier zeigt sich, dass in den Alpen ein Strukturwandel stattfindet», sagt Gujan. Ob es in Zukunft noch genügend Milchkühe für die Sennalpen gebe, werde sich zeigen. «Künftig in eine Sennalp zu investieren, könnte indes schwieriger werden», vermutet er.

 

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