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Wenn der Frost nicht problematisch ist, dann das Coronavirus

Dieses Jahr haben die Bündner Weinbauern mit anderen Problemen zu kämpfen, als noch im Vorjahr. Machte ihnen damals der Frost zu schaffen, ist sein Einfluss aktuell kleiner. Dafür stehen die Weinbauern vor anderen Herausforderungen. Zwei erzählen, wie sie die Weinsaison einschätzen und wieso das Coronavirus auch vor ihnen keinen Halt macht.

Anna
Panier
Samstag, 02. Mai 2020, 04:30 Uhr Bündner Weinbauern
Die Weinbauern rechnen dieses Jahr nicht mehr mit Frostgefahr für ihre Weinstöcke.
PIXABAY

Wie sagt man so schön, der Frühling ist die Zeit des Erwachens. So auch in der Welt der Weinherstellung. Die ersten Reben treiben aus und es beginnt eine wichtige Zeit für die Winzer. In Graubünden gibt es viele Weinbauern, die sich nun voll und ganz ihren Rebstöcken widmen. Nicht zuletzt auch wegen der Frostgefahr. Denn wenn die Temperaturen so stark sinken, dass Frost aufkommt, kann das die Trauben schädigen.

Moritz Villinger, Reb- und Kellermeister Plantahof Landquart, erklärt: «Frost ist keine gute Sache. Wenn die Reben ausgetrieben sind, können durch den Frost die Knospen erfrieren.» Dadurch bestehe das Risiko, dass ein Teil der Ernte oder die gesamte Ernte zerstört wird. Ueli Liesch, Präsident Branchenverband Graubünden Wein, bestätigt dies. «Der Frost stellt immer ein Unsicherheitsfaktor für uns dar.»

Frost bedeutet Frust

Meistens dauert diese Gefahrenzeit bis zu den Eisheiligen. So zumindest lautet eine alte Bauernregel. Dieses Jahr finden die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai statt. Sprich, das Risiko für ein Frosteinfall besteht noch. Wie können sich also Weinbauern auf mögliche Frosteinfälle vorbereiten? Laut Ueli Liesch gibt es keine Möglichkeiten, sich vorzubereiten. «Einige Bauern lassen eine zweite Fruchtrute stehen, die bei Frost zusätzlich angebunden wird. Aber sonst können wir nicht viel machen.» Auch Moritz Villinger meint, dass den Bauern keine anderen Mittel zu Verfügung ständen, ausser die Wettervorhersagen zu verfolgen. Und ist der Frost erst mal da, kann dagegen ebenfalls nicht viel unternommen werden. Manche Bauern stellten Frostkerzen auf, damit die umliegende Temperatur um ein paar Grade erhöht werde, so Villiger.

Im vergangenen Jahr haben Weinbauern aus Graubünden tatsächlich vermehrt zu solchen Kerzen gegriffen. Denn die Temperaturen waren im April und anfangs Mai 2019 sehr tief. Dadurch entstand zum Frust der Bauern Bodenfrost.

Coronavirus als finanzielle Herausforderung

Dieses Jahr rechnen Liesch und Villinger jedoch nicht mit solchen Problemen. Denn die Wettervorhersagen seien gut und langsam finde die kritische Phase ein Ende. Dafür haben die Bündner Weinbauern mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen – das Coronavirus. «Die Reben wachsen gleich und die Arbeit in den Wingert läuft normal ab. Aber unsere Verkäufe laufen nicht mehr so, wie vor der Coronakrise», stellt Ueli Liesch fest. Für Moritz Villinger stellen die fehlenden Verkäufe ebenfalls eine Herausforderung dar: «Der Verkauf läuft halt einfach nicht. Der Absatz der Gastronomie und durch Grossanlässe ist zu 100 Prozent eingebrochen». Wenigstens laufe die Privatkundschaft grösstenteils normal. Trotzdem könnten die fehlenden Einnahmen aus der Gastrobranche nicht kompensiert werden.

Also bleiben durch die fehlenden Verkäufe auch die Kassen der Weinbauern leer, was zu finanziellen Engpässen führen kann. Kurzarbeit gibt es bei Bauern aber grundsätzlich nicht, wie Liesch erzählt. Selbstständige müssten auf einem anderen Weg Hilfe finden. Eine Möglichkeit seien die Corona-Entschädigungen des Kantons. «Die betroffenen Bauern müssen Formulare ausfüllen und ihre Anträge einreichen. Anschliessend wird entschieden, ob und wie viel finanzielle Mittel sie erhalten», so Liesch.

Umso wichtiger sei darum die Entscheidung des Bundesrates, dass die Gastronomiebranche ab dem 11. Mai wieder öffnen dürfe, betont Liesch. Die Einbussen der letzten Wochen könnten dadurch nicht ausgeglichen werden. Immerhin sei durch eine gute Sommersaison aber eine finanzielle Erholung möglich. Villinger teilt diese Ansicht, sagt aber: «Es muss weiterhin alles seine Richtigkeit haben und nicht zu einem neuen Anstieg von Coronafällen kommen.» Ein erneuter Lockdown wäre für alle Beteiligten ein Worst-Case-Szenario.

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