Zwei der häufigsten Notfallsituationen bei (Klein-)Kindern
Man kann es nirgendwo lernen, ein Kind grosszuziehen – und schon gar nicht ein krankes Kind. Ist der eigene Nachwuchs krank, machen sich Eltern grosse Sorgen. Der kleine Patient tut ihnen leid und Mama und Papa fühlen sich oft schrecklich hilflos. Diese Gefühle kennen Eltern allzu gut.
Man kann es nirgendwo lernen, ein Kind grosszuziehen – und schon gar nicht ein krankes Kind. Ist der eigene Nachwuchs krank, machen sich Eltern grosse Sorgen. Der kleine Patient tut ihnen leid und Mama und Papa fühlen sich oft schrecklich hilflos. Diese Gefühle kennen Eltern allzu gut.
Was hat das Kleine? Wie kann ich helfen? Ist es etwas Schlimmes? Mache ich etwas falsch? Alles Fragen, die sich Eltern von kranken Kindern stellen. Und je kleiner das Kind, umso banger wird es ihnen, umso grösser ist die Unsicherheit. Die Eltern werden in solchen Situationen gezwungen, für jemand anderen zu entscheiden. Und noch viel mehr als für sich selbst, will man beim eigenen Kind richtig entscheiden. Die Kinder machen es ihren Eltern aber auch nicht einfach. Sie können oftmals nur schlecht oder nicht konkret sagen, was sie plagt, wo es schmerzt und wie stark sie leiden. Wenn Mama und Papa dann mal eine Idee hätten, was dem Kleinen fehlt und wie man helfen könnte, verweigern die Kinder die Therapie und folgen den gut gemeinten Empfehlungen nicht (z.B. viel zu trinken).
Notfall ja oder nein?
Für betroffene Eltern ist es oft schwierig zu beurteilen, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt, und man mit dem kranken Sohn oder der kranken Tochter zum Arzt gehen müsse. Oder ob man zu Hause mit den Medikamenten aus der Hausapotheke und anderen Hausmitteln das Problem lösen kann. Oft wird dann der Kinder- oder der Hausarzt angerufen, um bei dieser Entscheidung zu helfen. Damit sich der Arzt, die Ärztin oder auch die medizinische Praxisassistentin ein Bild machen kann, ist es wichtig, dass die Eltern die Situation möglichst gut beschreiben. Unerlässliche Angaben sind das Alter des Kindes, die Art der Beschwerden, Dauer der Symptome, das Trinkverhalten und bereits durchgeführte Therapien. Wichtig ist aber auch das Bauchgefühl der Eltern, denn wenn diese das Gefühl haben, es handle sich um einen Notfall, dann ist es ein solcher. Die Eltern sind die Personen, die ihr Kind am besten kennen. Insgesamt ist es besser, einmal zu viel zum Arzt/Ärztin zu gehen, als einmal zu wenig. Und wenn dann festgestellt wird, dass es sich «nur» um einen banalen viralen Infekt handelt, – und die Eltern eigentlich jetzt schon alles richtiggemacht haben – umso besser.
Häufige Symptome für Notfallkonsultationen
Das häufigste Symptom, das zu einer Notfallkonsultation führt, ist Fieber. Von Fieber spricht man bei einer Körpertemperatur mehr als 38,5 Grad Celsius. Fieber kann viele Ursachen haben, ist aber nur selten so hoch, dass es an sich gefährlich ist. Wichtig ist es, die Ursache zu klären. Ist das fiebrige Kind apathisch und/oder trinkt schlecht, macht es Sinn, das Fieber zu senken. Geht es dem Kind aber trotz Fieber gut, ist eine Fiebersenkung nicht nötig, denn Fieber ist eine von verschiedenen Mechanismen des Körpers, Krankheitserreger abzuwehren. Und dieser Mechanismus soll nur nach einer Abwägung von Vor- und Nachteilen «ausgeschaltet» werden. Wenn es der Allgemeinzustand erlaubt, kann man einen febrilen Infekt auch drei Tage lang nur symptomatisch behandeln. Häufig ist der Infekt schon nach wenigen Tagen am Abklingen. Sollte das Fieber jedoch länger als drei Tage andauern, wird empfohlen, die Fieberursache durch einen Arzt, durch eine Ärztin abklären zu lassen.
Eine Ausnahme sind Säuglinge, die jünger als drei Monate sind. Bei diesen Kindern wird empfohlen, schon am ersten Tag mit Fieber zum Arzt zu gehen, da die Verläufe von vorwiegend bakteriellen Infekten rascher sind. Bei Säuglingen spricht man denn auch schon bei einer Körpertemperatur von mehr als 38 Grad Celsius von Fieber.
Schreckgespenst Pseudokrupp
Eine andere Erkrankung ist der sogenannte Pseudokrupp. Pseudokrupp ist eine unspezifische Entzündung der oberen Atemwege im Bereich des Kehlkopfs unterhalb der Stimmritze und zeigt sich durch einen charakteristischen, bellenden Husten (wie ein Seehund) sowie durch Heiserkeit und einen pfeifenden Ton beim Einatmen. Nur in schweren Verläufen kommt es zur Atemnot. Wichtigste Massnahme der Eltern in einer solchen Situation ist, die Ruhe zu bewahren. Denn je nervöser die Eltern sind, umso mehr regt sich das Kind auch, und je mehr sich das Kind aufregt, umso schlimmer sind die Symptome. Und umgekehrt: Je besser man das Kind beruhigen kann, umso besser ist seine Atmung.
Zudem wirkt sich kalte, feuchte Luft positiv auf die Symptomatik aus, weshalb man mit dem Kind nach draussen gehen darf, oder zumindest ans Fenster stehen soll. Die Symptome treten häufig am Abend oder am Anfang der Nacht auf. Tagsüber ist das Kind dann oft beschwerdearm.
Wenn die Eltern zu ihrem Arzt, zu ihrer Ärztin gehen, wird er ihnen möglicherweise ein bis zwei Dosen Cortison verschreiben. Das lässt die Entzündung der Schleimhaut verschwinden und ist für das Kind völlig bedenkenlos.
Gute Kommunikation ist absolut wichtig
Dies sind nur zwei Beispiele von Ursachen für eine Notfallkonsultation beim Kinderarzt/ bei der Kinderärztin. Im Falle eines Notfalls ist die Kommunikation zwischen den Eltern und dem Arzt/der Ärztin enorm wichtig, um die Situation am Telefon gemeinsam richtig einzuschätzen zu können und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Eltern sind nämlich die Spezialisten für ihr Kind. Und je besser sie über medizinische Notfallsituationen Bescheid wissen, umso präziser können sie Auskunft geben – und umso effizienter kann der Arzt/die Ärztin die nötigen Massnahmen empfehlen.
Pract. med. Pascal Mayer
Kinder- und Jugendmedizin FMH, Schiers
Konsiliararzt Spital Schiers