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Weniger Verkehrsunfälle mit Wildtieren wegen Lockdown

Wegen der Zeitumstellung ist es nun am Abend eine Stunde länger hell. Das bedeutet, dass sich die Aktivitätszeit der Menschen mit derjenigen des Wildes überschneidet – ob es deshalb zu mehr Verkehrsunfällen kommt, hat der Amtsvorsteher vom Amt für Jagd und Fischerei, Adrian Arquint, gegenüber Radio Südostschweiz verraten.

Südostschweiz
Dienstag, 31. März 2020, 04:30 Uhr Auch Zeitumstellung hat Einfluss

Herr Arguint, in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag wurde die Zeit umgestellt. Wie wirkt sich das auf die Verkehrsunfälle mit Wildtieren aus?

Adrian Arquint: Wir stellen fest, dass während dieser Zeit sowohl im Frühling als auch im Herbst mehr Verkehrsunfälle mit Wildtieren passieren. Aber nicht nur wegen der Zeitumstellung ereignen sich dann mehr Verkehrsunfälle, sondern auch, weil es die Zeit der Wanderung ist. Gerade die Rothirsche wandern jetzt vom Winterlebensraum in den Sommerlebensraum. Diese Bewegung kann durchaus einen Einfluss auf die Verkehrsunfälle haben.

Heisst das, dass die Tiere länger auf den Strassen sind?

Ja, es ist jedes Jahr das Gleiche. Im Herbst findet die gleiche Wanderung statt wie jetzt im Frühling, nämlich vom Sommerlebensraum in den Winterlebensraum. Da spürt man die Zeitumstellung viel mehr, da sich die Wildtiere den Wohnsiedlungen und Strassen nähern. Dann wird es eher dunkel und deshalb überlappen sich die Aktivitätszeiten der Menschen und der Wildtiere – das kann mehr Unfälle zur Folge haben.

Ist der Herbst deshalb die gefährlichere Zeit?

Ja, der Herbst ist die gefährlichere Zeit als der Frühling, weil dort die Wildtiere von den höheren Lagen in tiefere kommen und deshalb näher an Siedlungen und Strassen sind. So können mehr Unfälle passieren.

Es war ein milder Winter und in den Tälern hatte es wenig Schnee ­– gibt es da Unterschiede?

Man merkt, wenn es sehr viel Schnee hat. Dann sind die Tiere eingeschränkter und können dem Strassenverkehr oder dem Bahnverkehr nicht so schnell entweichen. Dann kommt es zu mehr Unfällen.

Viele Personen machen jetzt Homeoffice und sind weniger auf den Strassen unterwegs. Könnte das Auswirkungen haben auf die Unfallstatistik?

Anhand von den ersten Rückmeldungen der Wildhüter könnte das durchaus einen Einfluss haben. Da der Verkehr stark zurückgegangen ist, gab es auch viel weniger Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Wildtieren.

Hatten Sie demnach Kontakt mit Wildhütern?

Mindestens einmal wöchentlich haben wir eine Telefonkonferenz, um Informationen weiterzugeben und uns unter anderem über «Unfallwild» auszutauschen.

Die Unfallstatistik 2019 des Kantons kam vergangene Woche raus. Die Anzahl Verkehrsunfälle mit Wildtieren liegt bei rund 800. Das ist auch der Durchschnitt der letzten Jahre. Heisst das, dass die Warnanlagen weniger gut funktioniert haben – oder welches Fazit kann man daraus ziehen?

Die elektronischen Warnanlagen sind nicht im ganzen Kanton verteilt und wir haben noch nicht so viele. Aber an den Orten, wo Warnanlagen installiert sind, sehen wir eine deutliche Abnahme an Verkehrsunfällen mit Wildtieren.

Ist es das Ziel, mehr von diesen Warnanlagen zu installieren?

Das Ziel ist es zunächst, mit der Kantonspolizei Graubünden zu evaluieren, wo die meisten Verkehrsunfälle mit Wildtieren passieren und danach diese Stellen im Kanton mit Warnanlagen aufzurüsten.

(brd)

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