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Nahrungsmittelunverträglichkeiten – die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Lebensmittelunverträglichkeiten lösen gesundheitliche Beschwerden aus, wobei die Symptome sehr unterschiedlich sein können. Nicht alle Beschwerden haben einen ernsten Hintergrund, sehr unangenehm können sie aber trotzdem sein.

Südostschweiz
Montag, 23. März 2020, 00:00 Uhr Sponsored Content
Eine Unverträglichkeit auf einzelne Nahrungsmittel kann der Grund für körperliche Beschwerden sein.

Die allgemein bekannten Unverträglichkeitsreaktionen auf den Verzehr von Lebensmittel können in drei Bereiche eingeteilt werden. Eine erste Gruppe umfasst die Nahrungsmittelallergien. Diese Hypersensitivität ist eine Reaktion auf komplizierte Abläufe im Körper und verursacht sehr häufig Beschwerden im Bereich der Haut, der Atemwege oder im Verdauungstrakt. Die schlimmste allergische Reaktion ist der anaphylaktische Schock, der ohne Behandlung tödlich verlaufen kann. Lebensmittelallergien auf Grundnahrungsmittel treten praktisch nur im frühen Kindesalter auf und verschwinden häufig im Verlauf des Schulalters.

Nahrungsmittelallergien, die man im Erwachsenenalter häufiger sieht, sind die Kreuzallergien. Dabei können Sensibilisierungen über die Atemwege entstehen und eben Kreuzallergien mit entsprechenden Lebensmitteln auslösen. Bekannte pollenassoziierte Verursacher für Kreuzallergien sind Birken- oder Haselpollen, Milben oder auch Vogelfedern. Bekannt ist zudem, dass Lebensmittelallergien im ländlichen Raum weniger verbreitet sind.

Die nicht allergischen Lebensmittelunverträglichkeiten

Die zweite Gruppe der Unverträglichkeiten umfasst die nicht allergischen Reaktionen, die sogenannten Nahrungsmittelintoleranzen und -malabsorptionen. Am häufigsten sind es Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose) und seltener Histamin sowie andere Stoffe, welche Unverträglichkeiten auslösen. So wird bei einer Laktoseintoleranz ein wichtiges Verdauungsenzym (Laktase), das Milchzucker in seine Bestandteile spaltet, im Körper nicht oder kaum produziert. Folge davon sind Blähungen oder Bauchkrämpfe, die wohl unangenehm und schmerzhaft sind, die Betroffenen in ihrem Tun einschränken, aber nicht wirklich gefährlich für den Körper sind.

Interessant ist, dass rund 90 Prozent der Asiaten an einer Laktoseintoleranz leiden, die Menschen in skandinavischen Ländern aber dank genetischen Anpassungen weniger Probleme damit haben.

Eine Sonderstellung bei den nicht allergischen Lebensmittelunverträglichkeiten nimmt die Zöliakie ein. Das für diese Krankheit verantwortliche Klebeeiweiss kommt in verschiedenen Getreidesorten vor und führt bei einem kleinen Teil der Bevölkerung zu Autoimmun-Entzündungen im Darm. Schädigung oder sogar die Zerstörung der Schleimhäute sind die Folgen. Dadurch kann der Körper u.a. nicht mehr alle nötigen Vitamine aufnehmen. Um diese «immunologische Erkrankung» zu therapieren, müssen Menschen, die an einer Zöliakie leiden, ein Leben lang glutenfrei essen. Ähnliche Symptome, aber einen anderen Krankheitsmechanismus, hat die nicht-zöliakie assoziierte Weizenunverträglichkeit. Dies zeigt, wie wichtig die richtige Diagnose und individualisierte Empfehlungen sind.

In einer dritten Gruppe werden die toxischen Reaktionen zusammengefasst, die z. B. bei der Einnahme von verdorbenen oder giftigen Lebensmitteln ausgelöst werden. Wann immer Symptome nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten ist eine medizinische Abklärung angebracht.

Eine ausgewogene, gesunde und individuell angepasste Ernährung steigert das Wohlbefinden. Ernährungsberatungen geben Tipps.

Die nicht einfache Suche nach den Ursachen

Die Suche nach den Ursachen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist nicht immer einfach und kann mit der Suche einer Nadel im Heuhaufen verglichen werden. Am Anfang einer Behandlung stehen das Patientengespräch sowie die Krankengeschichte des Patienten. Der behandelnde Arzt versucht dabei auch andere Ursachen für die auftretenden Symptome auszuschliessen. In einem nächsten Schritt gilt es, allergische und nicht allergische Reaktionen zu trennen. Um eine Diagnose zu erstellen, kann es sinnvoll sein, wenn der Patient über den Zeitraum von ein bis höchstens zwei Wochen ein Symptom- und Ernährungsprotokoll führt. Der Betroffene hält darin fest, welche Nahrungsmittel und Getränke er zu welcher Zeit zu sich nimmt und welche Beschwerden in diesem Zusammenhang auftreten. Je nach Verdacht werden entsprechende Allergie- (Blut- und Hauttests) oder Atemtests durchgeführt. Nicht immer stehen jedoch eindeutige Tests zur Verfügung. Von unseriösen, meist auch teuren, allergologischen Testverfahren, die beispielsweise im Internet angeboten werden, wird abgeraten.

Sind die Ursachen für die Nahrungsmittelunverträglichkeiten bekannt, können entsprechende Empfehlungen abgegeben werden. Das heisst in erster Linie, beschwerdeauslösende Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe zu meiden. Längere in Eigenregie und unkontrolliert durchgeführte Diäten sind riskant, besteht doch die Gefahr, seinen Körper mit Fehl- und Mangelernährung zu schädigen.

Das Bewusstsein für gesunde Ernährung ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Nicht zuletzt ist das die Antwort darauf, dass viele Konsumenten schnell eine Unverträglichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel und deren Inhaltsstoffe vermuten oder glauben, durch Weglassen von bestimmten Speisen einen präventiven Effekt zu erzielen – das stetig steigende Angebot an Spezial-Lebensmitteln begleitet diese Entwicklung. Tendenziell wird die Häufigkeit von Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel oder deren Inhaltsstoffe jedoch überschätzt. Während Pollenallergien bei etwa 15 Prozent aller Erwachsenen in der Schweiz auftreten, sind nur rund vier Prozent der Schweizer Erwachsenen tatsächlich von einer Allergie auf ein Grundnahrungsmittel betroffen.

Pricktest
Dabei wird eine Allergenlösung auf die Haut getropft. Durch den Tropfen hindurch wird die Haut mit einer kleinen Nadel angeritzt. Dadurch dringt die Flüssigkeit in die obere Hautschicht ein. Nach rund 20 Minuten lässt sich ablesen, ob eine Sensibilisierung vorliegt.

Prick-zu-Prick-Test (Nativtest)
Bei diesem Test wird keine Allergenlösung aufgetropft, sondern zuerst mit einer Pricklanzette in ein Lebensmittel und dann in die Oberfläche der Haut gestochen. Frische Lebensmittel gelangen so in die oberen Hautschichten können dort entsprechende Reaktionen auslösen.

In-vitro-Testverfahren (Bluttest)
Dazu ist eine Blutentnahme nötig. Mittels verschiedener Verfahren kann das gewonnene Blut auf die Gesamtmenge oder auf eine Anzahl spezifischer Antikörper untersucht werden.