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Komplexe Heimreisen: Bündnerinnen im Ausland berichten

Wer sich im Ausland befindet, wird vom Bundesrat aufgefordert, rasch nach Hause zu kommen. Viele Länder schliessen ihre Grenzen und streichen zahlreiche Flüge, weshalb eine Heimreise komplexer wird. Wir haben mit zwei Bündnerinnen im Ausland gesprochen. Eine ist derweilen bereits zu Hause, eine befindet sich noch in Indien.

Bettina
Cadotsch
Samstag, 21. März 2020, 04:30 Uhr Rückreise wegen Coronavirus

Das Coronavirus breitet sich so rasch aus, dass weltweit Massnahmen getroffen und Grenzen geschlossen werden. Ein solches Ausmass hätten viele Reisende vor wenigen Tagen wohl nicht erwartet. Vor einer Woche hat der Bundesrat von dringlichen Reisen ins Ausland abgeraten. Anfang dieser Woche hat er Reisende im Ausland aufgefordert, rasch eine Heimreise in die Schweiz anzutreten. Wer darauf verzichtet, riskiere sonst, während der Coronakrise im Ausland blockiert zu bleiben, so Bundesrat Ignazio Cassis. 

Wüstenritt in Marokko ist abgesagt

Sonnenuntergänge, Dünen und Kamele – darauf hatte sich Cathrin Räber gefreut. Am 9. März ist sie nach Marokko geflogen, mit der Absicht, am 20. März eine Reisegruppe zu begrüssen und ein Wüstentrekking durchzuführen. Cathrin Räber, die Präsidentin der Frauenzentrale Graubünden, organisiert immer wieder Gruppenreisen ins Ausland. Von einem Tag auf den anderen wurden ihre Pläne aufgrund des grassierenden Coronavirus über den Haufen geworfen.

«In Marokko war das Coronavirus absolut kein Thema», sagt sie auf Anfrage von «suedostschweiz.ch». Einige Hoteliers hätten zwar über Stornierungen geklagt, Marokko selbst habe jedoch nur wenige Coronavirus-Fälle. «Manchmal wurde darauf hingewiesen, die Hände regelmässig zu waschen. In einem Land mit einem Anteil von 60 Prozent Analphabeten, macht dies jedoch nur wenig Sinn», so Räber.

Über Nacht hätten die Behörden in Marokko vergangenes Wochenende plötzlich alle Hebel in Bewegung gesetzt. «Sie haben ein Flugverbot veranlasst sowie alle Läden und gar Moscheen geschlossen». Ein Flugverbot ins Land hinein sei verständlich, eines aus dem Land hinaus jedoch Unsinn, so Räber.

Fehlende Kommunikation und Menschenmengen am Flughafen

«Nach dem Beschluss, alle Flüge zu verbieten, strömten die Menschen an den Flughafen in Marrakesch», sagt Räber. Hunderte Menschen standen an den geöffneten Schaltern an und versuchten eine Rückreise zu organisieren. Auch Cathrin Räber versuchte einen Rückflug zu ergattern, weil ihr ursprünglicher Flug storniert worden war. Verärgert sagt sie: «Die Informationspraxis vom EDA war schlecht. Es geht viel zu lange, bis man brauchbare Informationen erhält.» Es werde darauf hingewiesen, mit dem Reiseveranstalter oder der Fluggesellschaft Kontakt aufzunehmen, als Einzelbucherin sei dies jedoch schwierig gewesen.

Reisende im Ausland sollen sich auf der Travel Admin App des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA registrieren. In erster Linie liegt es in der Verantwortung des und der Einzelnen, die Rückreise mit Hilfe eines Reisebüros oder direkt mit einer Fluggesellschaft zu organisieren, wie das EDA auf ihrer Webseite schreibt. Das EDA stützt sich dabei auf das Auslandschweizergesetz (ASG). Gemäss dem ASG können Schweizer Staatsangehörige kein Recht auf eine organisierte Ausreise aus einem Krisengebiet oder einer Krisensituation geltend machen. Das EDA hilft bei der Rückkehr in die Heimat unter anderem, wenn Landeerlaubnisse erteilt werden müssen oder Fristen für Flugverbindungen erstreckt werden müssen.

Hinweis aus der Schweiz

«Ich ging mit Herzklopfen zum Flughafen und muss zugeben, ich war überrascht, wie ruhig, diszipliniert und harmonisch die Stimmung war.» Das Personal sei sehr kompetent gewesen und auf den Anzeigetafeln des Flughafens gab es viele Informationen über Flüge.

Cathrin Räber wusste über eine Freundin aus der Schweiz, dass es noch einen Flug geben wird, den sie anschliessend online buchen konnte. Seit zwei Tagen ist Räber wieder zu Hause.

Die Tage im Indischen Goa sind gezählt

Nadine Hinder, redaktionelle Mitarbeiterin der Südostschweiz, ist zurzeit in Goa. Dort absolviert sie eine Yogaausbildung, die sie nun nur noch verkürzt abschliessen kann. Bald muss sie ihre Koffer packen.

«In Goa gab es erst vor einigen Tagen den ersten Fall einer mit dem Coronavirus infizierten Person. Es ist sehr heiss und das Virus verbreitet sich hier nicht so schnell», sagt sie auf Anfrage von «suedostschweiz.ch». «Seitdem der erste Fall in Goa vermeldet wurde, ging jedoch alles sehr schnell.» Der Bundesstaat Goa habe die Grenzen geschlossen und beschlossen, dass alle ausländische Flugzeuge ab dem 22. März 05.30 Uhr nicht mehr landen dürften.

Ein Paukenschlag für Nadine Hinder, die sich an der Westküste Indiens dennoch sicher fühlt. «Das Gesundheitssystem funktioniert gut, es hat genügend Lebensmittel und ich gehöre nicht zur Risikogruppe der Lungenkrankheit.» In Indien seien die Leute immer noch sehr gelassen. «Am Strand laufen die Leute weiterhin herum», sagt sie. Trotzdem hat Nadine Angst, dass sie irgendwann in Goa feststeckt, wenn sie jetzt nicht heimkehrt. Zudem ist in Indien die Hochsaison bald zu Ende, welche von Oktober bis circa Ende März verläuft. Danach haben alle Läden, Märkte und Unterkünfte zu.

Eigentlich wäre Nadines Rückflug erst am 3. April. Ihr Vater habe mit der Versicherung Kontakt aufgenommen und Dank ihrer Reisezusatzversicherung konnte ein früherer Rückflug nach einigen Telefonaten organisiert werden. «Der Flug sollte noch rechtzeitig abheben, bevor das Verbot in Kraft tritt», sagt sie beruhigt. Etwas gestresst habe sie das Ganze trotzdem. «Ab Sonntag werden in Goa alle Schulen geschlossen und kürzlich haben Taxifahrer entschieden, nicht mehr zu fahren», sagt sie weiter. Sie müsse nun noch organisieren, wie sie zum Flughafen kommt. Ihre Yogaausbildung kann sie bis Sonntag noch verkürzt abschliessen, was sie vom ganzen Stress gut ablenke, so Nadine. (can)

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