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Gangschaltung vs. Automat, wie sieht es bei den Fahrschülern aus?

Wer die Fahrprüfung mit dem Automaten absolviert hat, darf seit einem Jahr auch handgeschaltene Autos fahren. «suedostschweiz.ch» hat sich bei Bündner und Glarner Fahrschulen umgehört und es zeigt sich: Viele Neulenker gehen auf Nummer sicher und absolvieren die Prüfung mit dem Automaten.

Bernhard
Aebersold
Sonntag, 16. Februar 2020, 04:30 Uhr Sicher ist (nicht) sicher
Mit dem Automaten an die Prüfung – und dann geschalten herumkurven. Für Fahrschüler ist dies eine immer beliebtere Strategie.
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Feierabendverkehr in der Innenstadt. Blechkarosse reiht sich an Blechkarosse und man ist das erste Auto vor dem Lichtsignal an dieser leicht abschüssigen Kreuzung. Die Ampel schaltet von Rot auf Orange. Der Gang sitzt, nun die Kupplung leicht kommen lassen, den Schleifpunkt finden und das Gaspedal langsam runterdrücken. Geschafft! Aber schon bald kommt die Schaltung in den zweiten Gang und die Schritte wiederholen sich.

Für Neulenker können Verkehrssituationen wie diese zur Stresssituation werden. Die Abläufe sind noch nicht automatisiert und jeder Schritt muss im Kopf durchgespielt werden. Die Schweissperlen verkommen dabei zur Nebensache – erst recht, wenn auch noch ein Prüfungsexperte im Beifahrersitz Platz nimmt und jede Handlung genaustens beobachtet.

Automatenprüfung = Geschaltete Prüfung

Seit Februar des vergangenen Jahres spielt es keine Rolle mehr, ob eine Fahrprüfung mit einem handgeschaltenen oder mit einem Automaten absolviert wird – fahren darf man nach bestandener Prüfung beides. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) und der Schweizerische Fahrlehrerverband kritisierten die Umstellung vor Inkrafttreten scharf. Gut ein Jahr ist seither vergangen und die Fahrlehrer im Kanton Glarus und Graubünden verzeichnen einen klaren Trend – hin zur Automatik-Prüfung.

«Noch zwei handgeschaltene Prüfungen»

Siegfried Loretz beispielsweise ist seit beinahe 40 Jahren als Fahrlehrer auf den Bündner Strassen unterwegs. Seit der gesetzlichen Umstellung meldete er gerade mal noch zwei Fahrschüler zur Fahrprüfung mit einem handgeschaltenen Auto an. Vorher hatte er praktisch keine Automaten-Prüflinge. Dieser Umstand ändert an der Tatsache allerdings nichts, dass seine Schüler beides können sollten. «Bei mir lernen fast alle Schüler auch handgeschalten zu fahren, aber für die Prüfung vermeiden wir die Stresssituation und gehen mit dem Automaten», sagt Siegfried. 

Auch die Fahrschule Berger von Waldi Albin verzeichnet den Trend zu mehr Prüfungen auf dem Automaten. Er verheimlicht nicht, dass es Fälle gibt, die möglichst schnell und möglichst kostengünstig mit dem Automaten durch die Prüfung kommen wollen. «Aber wir Fahrlehrer haben es teilweise selbst in der Hand, Fahrschüler zumindest für einzelne Fahrstunden mit der manuellen Schaltung zu motivieren», sagt Albin. So liessen sich viele Fahrschüler zu Beginn von den Fahrlehrern beraten.

Prüfung nur noch auf dem Automaten

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei angefragten Fahrschulen in Glarus. Bei der Fahrschule Sedelberger lernen die allermeisten Fahrschüler auch heute noch das handgeschaltene Fahren. «Ich übe den Umgang mit handgeschaltenen Getrieben mit gewissen Schülern fast bis zur Perfektion», sagt Inhaber Tin Sedelberger. An die Prüfung gehen praktisch alle schlussendlich aber mit dem Automaten – den Stress wollen sich die meisten sparen, auch wenn man die Schaltung gut im Griff habe. Sedelberger beobachtet zudem eine deutliche Abnahme von Schülern, die die Fahrprüfung nicht bestehen.

Sedelberger befürwortet die neue Gesetzgebung bezüglich den Fahrprüfungen grundsätzlich, dennoch schwingt in seinen Worten auch eine gewisse Kritik mit. «Die Gesetzgeber haben sich zu wenig mit der Thematik befasst. Ich bin der Meinung, dass jeder Schüler ein paar Stunden mit einem handgeschaltenen Fahrzeug absolvieren muss, sonst werden sie einmal ins kalte Wasser geworfen und gefährden andere Verkehrsteilnehmer, wenn es soweit ist.»

«Alles beim Alten»

Von allen angefragten Fahrschulen stellt einzig die «Fahrschuäl Ernst» in Glarus kaum eine Veränderung gegenüber dem Zustand von vor der Gesetzesänderung fest. «Die Eltern vieler Fahrschüler haben zu Hause ein handgeschaltenes Auto und da sagen sich die Schüler 'ich muss das können' und ziehen es gleich durch». (bae)

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Das Straßenverkehrsamt schreibt:
Die durchschnittliche Erfolgsquote hat sich leider bei den ersten Prüfungen der Kat. B (Personenwagen) im Vergleich zum 2018 verschlechtert und liegt neu bei 59% (2018 61,3%) Die Gründe für das schlechte Abschneiden liegt unserer Meinung nach bei der Umstellung auf Autos mot automatischer Schaltung. Aus meiner Sicht eine logische Folge. "weniger Fahrpraxis (Fahrstunden) heisst schlechteres Verkehrssehen, schlechtere Verkehrswahrnehmung, schlechtere Verkehrseinschätzung etc. etc.

Die tiefere Erfolgsquote von 2.3% mag vielleicht viel sein, möglich, könnte aber auch Zufall sein. Es kann tatsächlich sein, dass weniger Fahrpraxis (zu Hause Handschaltung, deshalb Verzicht auf elterliche Fahrschule) Grund für eine schlechtere Quote ist. Unser Sohn bspw. hat seine Gehversuche mit unserem handgeschalteten Auto gemacht und wir haben ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit fahren lassen, was er auch sehr gut beherrschte. Trotzdem hat er sich bei der Fahrschule für einen „Automaten“ entschieden. Zur Fahrschule fuhr er jeweilen mit unserem Auto, stieg dann für die Fahrschule in den Automaten und fuhr anschliessend mit unserem Auto nach Hause. Daher meine Empfehlung: den Fahrschülerinnen und Fahrschülern sollte nahegelegt werden, wo die Möglichkeit besteht, sich mit beiden Schaltungen auseinander zu setzen.