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Extrem: Auf Sonne folgen Regen, Sturm und Schnee

Was für ein Hudelwetter: Im Glarnerland bläst einem der Sturm den Schnee um die Ohren. Erwartet werden Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und bis zu 30 Zentimeter Schnee.

Martin
Meier
Montag, 03. Februar 2020, 19:45 Uhr Wetterkapriolen
Überschwemmt: Beim Bahnhof Leuggelbach existiert derzeit ein 3000 Quadratmeter grosser See.
SASI SUBRAMANIAM

Glarus Süd zeigt sich als Seelandschaft: «Die Wiesen schlucken kein Wasser mehr», sagt Feuerwehrkommandant Stefan Kläui. Weil der Untergrund zu trocken ist. Das hat Folgen: Zweimal musste die Feuerwehr am Sonntagabend ausrücken. «In Haslen und Betschwanden drohten Keller zu überfluten», erzählt Kläui. «Da mussten wir Sandsäcke legen.» Am Montag musste die Feuerwehr abermals helfen, diesmal in Diesbach. Beim Bahnhof Leuggelbach bildete sich ein rund 3000 Quadratmeter grosser, temporärer See.

Die Linth droht aber glücklicherweise nicht über die Ufer zu treten. Die Abflussmenge lag gestern Mittag bei der Messstation in Mollis mit 92 Kubikmeter Wasser pro Sekunde noch unterhalb der zweiten Gefahrenstufe (190 bis 270 Kubikmeter). Ob es allerdings zu Murgängen kommt, kann SRF-Meteorologe Felix Blumer so «Handgelenk mal Pi» nicht beurteilen. «Möglich», meint er, «aber das hängt von vielen Faktoren ab.»

Heftiger Sturm erwartet

Mehr Kopfzerbrechen bereitet Blumer der Wind: «Der wird heftig.» Wer seine Gartenmöbel noch nicht eingewintert habe, solle dies jetzt schleunigst tun. Blumer rechnet damit, dass im Glarnerland heute der Wintersturm mit 80 bis 100 Kilometer pro Stunde durchs Tal fegt. «Stellenweise rechne ich sogar mit 120 Stundenkilometern.» Nichts gegenüber dem, was der Meteorologe in den Bergen erwartet. «Oberhalb von 2500 Metern können rund um den Vorab und Tödi bis morgen Mittwoch Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometer pro Stunde erreicht werden.» Das wären dann 50 Meter pro Sekunde.

Das Schlimme am Sturm sei, dass er aus Richtung Norden kommt, fährt Felix Blumer fort. «Die Glarner Bäume sind sich aber – wegen des häufigen Föhns – an Wind aus dem Süden gewohnt.» Dementsprechend sei der Wald auch gewachsen. «Trotzdem ist es möglich, dass im Sturm Bäume gefällt werden.» Dann ist das Wetterchaos allerdings noch nicht überstanden.

Mit der Kaltfront kommt heute noch der Schnee. «Bis hinab ins Flachland», warnt Blumer, der in Glarus Nord mit 5 bis 15, in Glarus Süd mit 20 bis 30 Zentimetern rechnet. Noch mehr Schnee gibts in den Bergen: «Je nach Windverwehung zwischen null Zentimetern und mehreren Metern.»

Grosse Lawinengefahr könnte noch grösser werden

Mit dem Schnee erleichtert sich zwar die Wasser-, verschärft sich aber die Lawinensituation. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos stufte die Lawinengefahr bereits gestern im Glarnerland als gross ein.

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