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«Das Thema Suizid wird nur gestreift»

Es gibt unzählige Präventionskampagnen in der Schweiz. Zu den Themen Verkehr, Sucht und Ernährung. Doch was geschieht in Sachen Suizid? Wie werden Kinder und Jugendliche in der Südostschweiz informiert, sensibilisiert und geschützt?

Mara
Michel
Sonntag, 02. Februar 2020, 04:30 Uhr Prävention an Schulen
Wird im Bereich Suizid-Prävention an Schulen genug getan?
SYMBOLBILD / UNSPLASH

Jährlich sterben in der Schweiz fast dreimal mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Ein Grossteil darunter sind Jugendliche und junge Erwachsene. Selten auch Kinder. Jeder Fall ist eine Katastrophe, nur wenige werden in den Medien abgehandelt, Nachahmungen sollen vermieden werden. Es gibt aber mehr Möglichkeiten als Schweigen und Hoffen.

In Zürich sorgte ein Suizidversuch eines Schülers unlängst für Entsetzen. Die «Neue Zürcher Zeitung» zitiert Jörg Weisshaupt vom Forum für Suizidprävention und Suizidforschung mit folgenden Worten: «Der Fall ist wegen des jungen Alters und wegen der Methode spektakulär.»

Seltene Berichterstattung

Dieser spezifische Fall ging durch die Medien. Und er wirft Fragen auf. Dabei ganz zentral: Was hätte man dagegen tun können? Tun die Schulen genug in den präventiven Bereichen? Wie sieht es in Graubünden und Glarus aus?

Peter Aebli, Rektor der Kantonsschule Glarus, sagt auf Anfrage von «suedostschweiz.ch»: «Generell haben wir das Angebot im Präventionsbereich ausgeweitet, aber nicht in Richtung Suizidprävention.» An der Kantonsschule Glarus setze man auf die Früherkennung durch die Lehrpersonen. Gehandelt werde, wenn man beispielsweise feststelle, «dass Lernende sich ritzen». Dann würde eine Psychologin beigezogen. Aber auch wenn ein Schüler in einem Aufsatz über das Thema Suizid schreibt, wären die Lehrpersonen verpflichtet dies zu melden.

Ähnlich sieht es am Gymnasium und Internat Kloster Disentis aus. Auf Anfrage erklärt Rektor Tom Etter: «Da wir eine kleine Schule sind mit einer familiären Atmosphäre und einen internen Codex (= Leitfaden) leben, fördert dies die Sensibilität des Zusammenlebens und aufeinander acht geben, was auch wie ein Frühwarnsystem wirkt.» Auch hier gilt: bei Verdachtsfällen werde das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht, anschliessend mit den Eltern Kontakt aufgenommen. Falls nötig, schalte man auch die Kinder- und Jugendpsychologischen Dienste (KJPD) ein.

Lehrplan 21

Georges Steffen, Fachpsychologe beim Schulpsychologischen Dienst Graubünden hingegen verweist auf den Lehrplan 21: «Der Lehrplan 21 GR thematisiert altersgemäss psychische Gesundheit und damit Suizidprävention über verschiedene Zyklen (Schulstufen) hinweg. Im eigentlichen Sinne des Wortes ist es Thema in der Oberstufe.» Schulen hätten die Möglichkeit, den Schulpsychologischen Dienst, Schulsozialarbeit oder die Kinder und Jugendpsychiatrie bei der Frage von Suizidprävention beizuziehen.

Im Lehrplan 21 ist der Begriff «Suzidprävention» allerding nicht zu finden. «Der seit 2018 eingeführte Lehrplan 21 macht hier viel genauere Ausführungen als der ‹alte Lehrplan›. Suizidprävention als Begriff findet man jedoch nicht explizit. Häufig reagieren Schulen nach konkreten Vorfällen», erklärt Steffen.

Hilfe bei Suizidgedanken findet man hier:

 

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