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«Die FMR ist eine romanische Schreibwerkstatt»

Seit Jahresbeginn ist die Fundaziun Medias Rumantschas aktiv. Doch wer ist die FMR? Welche Aufgaben soll die Stiftung erfüllen und wer arbeitet jetzt wie zusammen? Antworten hat Chefredaktor David Truttmann.

Fadrina
Hofmann
Montag, 13. Januar 2020, 04:30 Uhr FMR-Chefredaktor im Interview
Pionierarbeit: David Truttmann hat die Herausforderung angenommen, der erste Chefredaktor der FMR zu werden.
BILDMONTAGE SUEDOSTSCHWEIZ.CH

Auf den ersten Blick hat sich kaum etwas geändert, seit die Fundaziun Medias Rumantschas (FMR) die Agentura da novitads rumantschas (ANR) ersetzt hat. Doch die FMR steht erst ganz am Anfang – und hat noch sehr viel vor. David Truttmann heisst der frisch gebackene Chefredaktor der FMR. Er ist in diesen ersten Tagen ein gefragter Mann. Nebst der normalen operativen Tätigkeit stehen Interviewanfragen an, die Infrastruktur muss aufgebaut werden, eine neue Internetseite muss her etc. Dennoch hat sich Truttmann Zeit genommen, um zu erklären, was diese FMR eigentlich tut.

David Truttmann, was ist die FMR?

David Truttmann: Die FMR ist eine Art romanische Schreibwerkstatt. Sie bietet journalistische Texte allen Medien an, die romanische Inhalte verbreiten.

Das hat die ANR bisher auch getan. Was ist bei der FMR anders?

Neu ist, dass die FMR mehr Aufgaben und mehr Verantwortung bei der Gestaltung erhält. Wir haben explizit auch den Auftrag, als Blattmacher der romanischen Zeitungen zu fungieren. Diesen Auftrag erfüllen wir bereits für «La Quotidiana», in einem nächsten Schritt folgt die «Pagina da Surmeir». Für die «Posta Ladina» gibt es eine andere Vereinbarung. Neu sind die Redaktoren von «La Quotidiana» bei der FMR angestellt und die Zusammenarbeit mit «Radiotelevisiun Svizra Rumantscha» (RTR) soll intensiver werden. Die Synergien sollen besser genutzt werden. Ziel ist, das romanische journalistische Produkt zu stärken und aufzuwerten.

Wie ist die FMR organisiert?

Die FMR ist eine unabhängige Stiftung. Präsidentin der FMR ist Corina Casanova. Ich bin als Chefredaktor für die redaktionellen Inhalte zuständig.

Weswegen wurde die Neuorganisation der romanischen Medienwelt notwendig?

Weil die privaten Verleger Druck gemacht haben. Ein Verleger fühlte sich bei der alten Organisation vernachlässigt. Der Verleger von «La Quotidiana» (Somedia) wiederum wünschte, künftig nur noch für Druck, Distribution und Abos zuständig zu sein, damit die Zeitung nicht mehr defizitär ist. Ohne finanzielle Hilfe der öffentlichen Hand wäre ein adäquates mediales Angebot in romanischer Sprache nicht realisierbar.

Insgesamt erhält die FMR 1,795 Millionen Franken von der öffentlichen Hand. Das sind 600 000 Franken mehr als die ANR. Weswegen?

In den vergangenen Jahren hat es eine Übergangsphase gegeben, in der neben dem Beitrag für die ANR zusätzlich 300 000 Franken für die Finanzierung von «La Quotidiana» geflossen sind. Die Hälfte der 600 000 Franken wird heute also für die Sicherung von bestehenden Angeboten verwendet. Die andere Hälfte wird in die technische Infrastruktur, in die Professionalisierung und Schulung der Redaktion, in die Rekrutierung investiert. Wir müssen ausserdem eine digitale Redaktionsplattform aufbauen, damit wir überhaupt mit allen anderen Partnern zusammenarbeiten können.

Die FMR ist jetzt offiziell mit acht Angestellten gestartet. Wie schwierig gestaltet sich die Suche nach frischen Schreibkräften für die neue Schreibwerkstatt?

Die ersten Rückmeldungen sind positiv. Ich habe bereits verschiedene Interessenten, die bereit wären, in irgendeiner Form bei der neuen Redaktion der FMR mitzuarbeiten. Es wird unerlässlich sein, die Redaktion zu verjüngen und sie auch weiblicher zu machen. Heute beträgt der Altersdurchschnitt der Redaktionsmitglieder 57 Jahre und nur zwei sind Frauen.

Die ANR hat vor allem die klassischen Printtexte geliefert. Die FMR soll auf verschiedenen Kanälen aktiv sein, digitaler und moderner werden. Eine Herausforderung?

Ja, absolut. Aber wir müssen Schritt für Schritt vorgehen. Die FMR hat am 1. Januar den Betrieb aufgenommen. Zunächst müssen wir dafür sorgen, dass die bereits bestehenden Titel weitergeführt werden. In einem zweiten Schritt geht es darum, gemeinsam mit den Partnern nach digitalen Wegen zu suchen, vielleicht auch im Zusammenhang mit der neuen Redaktionsplattform. Eine Variante wäre auch, dass die FMR selber ein neues Medium schafft – in welcher Form auch immer und stets in Zusammenarbeit mit den Partnern.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Weswegen haben Sie entschieden, Ihren attraktiven Job bei RTR für eine komplett neu geschaffene Stelle als Chefredaktor der FMR aufzugeben?

Weil ich eine neue Herausforderung suchte. Ich war unter anderem der Redaktionsleiter der Sendung Cuntrasts und es hat mich sehr geschmerzt, diese tolle Redaktion zu verlassen. Und dennoch, ich habe meine Karriere beim Printjournalismus begonnen – bei «La Quotidiana». Es hat mich gereizt, den Versuch zu wagen, im Printbereich etwas Attraktives, Inspirierendes, Unterhaltendes und Informatives für die romanische Gemeinschaft zu erschaffen. Ich schreibe wahnsinnig gerne und ich hoffe, dass ich bald wieder öfter dazu komme, Kommentare und Artikel zu verfassen.

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