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Samedan kann jetzt blind angeflogen werden

Seit Anfang Dezember ist in Samedan ein Instrumentenflug, umgangssprachlich auch Blindflug genannt, möglich. Dieses Verfahren ermöglicht auch einen An- und Abflug bei schlechtem Wetter und bietet so mehr Flexibilität.

Südostschweiz
Sonntag, 12. Januar 2020, 04:30 Uhr Neues Instrumentenflug-Verfahren
Airbus Samedan
Ob gross oder klein. Flugzeuge können in Samedan jetzt auch ohne Sicht starten und landen.
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Bisher konnte der Flughafen Samedan nur visuell, also mit Sicht, angeflogen werden. Die Piloten mussten das Flugzeug selber steuern und in das Tal reinfliegen. Mit dem sogenannten IFR-Verfahren (instrument flight rules) kann der Flieger das quasi selber automatisch machen, anhand von einem vorgegebenen Track, wie Radio Südostschweiz berichtet.

Das gebe den Piloten einerseits Sicherheit. «Sie wissen, dass sie am richtigen Ort sind und auch am richtigen Ort durchfliegen», erklärt Projektleiter Martin Binkert. «Zweitens kann man so auch bei schlechterem Wetter durch eine Wolke oder eine Wolkendecke fliegen. Das war vorher nicht möglich.»

Der Hauptvorteil für Piloten liege vor allem beim Abfliegen. «Bisher wurden sie immer etwas nervös, wenn die Gäste noch nicht da waren und das Wetter langsam schlechter wurde», erzählt Binkert. Jetzt könnten sie ganz entspannt warten, bis ihre Gäste eintreffen. Diese neue Entspanntheit merke man den Piloten an.

Handlungsbedarf bei der Verfügbarkeit des Luftraums

Den grössten Handlungsbedarf sieht der Projektleiter bei den Absprachen mit der Luftwaffe. «Diese haben einen Trainingsraum über den ganzen Kanton Graubünden, was uns, besonders unter der Woche, stark einschränkt. Wir können das IFR-Verfahren nicht nutzen, wenn sie den Luftraum beanspruchen», erklärt Binkert. Sie erhoffen sich mit guter Absprache und Koordination etwas rausholen zu können, so dass ihren Gästen mehr Zeit zur Verfügung steht, den IFR-Flug durchführen zu können.

Weiter sei während dem WEF der Luftraum praktisch über dem ganzen Kanton gesperrt. Auch in dieser Zeit werden sie kein IFR-Verfahren durchführen können. Zumindest nicht in diesem Jahr. «Wir werden schauen, dass wir dies mit Absprachen einführen können. Das wäre eine grosse Hilfe für uns», so Binkert.

Fazit fällt «sehr positiv» aus

Die Bewegungszahlen von den vergangenen Festtagen könne man nicht mit denen aus dem Vorjahr vergleichen, weil das Wetter ganz anders war. Beispielsweise waren die Silvestertage im Vorjahr wesentlich schlechter als in diesem Jahr. Deshalb könne man die Zahlen nicht dem IFR zuweisen, sondern eigentlich dem schönen Wetter, erklärt Finanzchef Christian Gorfer gegenüber Radio Südostschweiz. «Wir sind aber sehr erfreut über die positiven Zahlen, von denen das ganze Engadin profitieren kann.»

Das Fazit der beiden zum ersten IFR-Monat fällt sehr positiv aus. «Es war ein grosser Erfolg für uns, dass wir die Einführung Anfang Dezember umsetzen konnten. Wir hatten selber nicht daran geglaubt. Vor allem in den ersten Dezember-Wochen, als das Wetter eher schlecht war, haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem Verfahren gemacht. Danach bei schönem Wetter war es nicht mehr so entscheidend», erklärt Binkert. (hin)

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