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Rasanter Neujahrsbeginn mit Schlittenhunderennen

Am ersten Januarwochenende liegt in Tschierv ein Hauch von Alaska in der Luft. Grund dafür sind rund 200 Schlittenhunde und deren Musher, welche an der Höhen-Challenge in Minschuns teilnehmen.

03.01.20 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Idyllische Kulisse: Das Rennen findet im Naturpark Biosfera Val Müstair statt.
Idyllische Kulisse: Das Rennen findet im Naturpark Biosfera Val Müstair statt.
PRESSEBILD

Der Atmosphäre des hohen Nordens kann man sich in Tschierv an diesem Wochenende wohl kaum entziehen. Gegen 200 Siberian Huskies und schwere Schlittenhunde finden sich heute Nachmittag auf dem Gelände der Tour de Ski zusammen. «Bis jetzt haben sich 106 Teams angemeldet, gerechnet hatten wir mit mindestens 60 Teams. Wir sind überrascht, wie viele Anmeldungen wir dieses Mal haben», sagt OK-Präsident Guido Mittner. Diesen Erfolg erklärt er sich mit den optimalen Schneebedingungen, die gerade in der Val Müstair herrschen, und mit den attraktiven Rennstrecken. Das Schlittenhunderennen findet bereits zum dritten Mal in der Val Müstair statt.

Challenge in idyllischer Kulisse

Das Rennprogramm ist abwechslungsreich. Am Samstagmorgen um 9 Uhr nehmen die Hunde mit ihren Führern – den Musher – die 19 Kilometer der Höhen-Challenge unter die Pfoten. Spektakulär wird der Aufstieg von Tschierv (1660 m ü. M.) ins Wintersportgebiet Minschuns (ab 2150 m ü. M.). «Das ist eine sehr anspruchsvolle Strecke, die sicher interessant für die grossen Teams ist», meint Mittner. Starten werden Schlitten mit bis zu acht Hunden. Beim Skijöring sind ein bis zwei Hunde unterwegs.

Um 11 Uhr finden dann im Start- und Zielgelände der Tour de Ski verschiedene Sprints von acht bis elf Kilometer Länge mit 2er- bis 8er-Gespannen und Skijöring-Teams statt. Der erste Renntag geht mit einem Prolog, einem Massenstart und einem Kinderrennen zu Ende. Der Sonntag ist gleich aufgebaut, nach den Sprints im Skijöring finden um 14 Uhr die Siegerehrungen im Zielgelände statt.

Herausforderung Unterbringung

Guido Mittner war auch OK-Präsident der Tour de Ski in der Val Müstair. Auf die Frage, wie sehr sich die Organisation der beiden Events unterscheidet, meint er scherzend: «Hunde sind einfacher als Menschen.» Von der Grundstruktur sei ein Event immer ähnlich. Man brauche primär eine gute Strecke und ein funktionierendes Organisationsteam. Die Strecken sorgen nicht für einen grossen Aufwand, da sie entlang von bestehenden Wander- und Schneetourenwegen führen. Die Sprint-Strecke im Tal ist in der Nähe der Langlaufloipe.

Herausfordernd bei den Schlittenhunderennen sei aber die Unterbringung der Tiere, sprich wo welche Hunde parkiert werden können. «Die Hunde sind in speziellen Anhängerzügen untergebracht und wir müssen sicherstellen, dass genug Strom vorhanden ist, damit diese beheizt werden können», erklärt Mittner. Auch die Lärmentwicklung müsse berücksichtig werden. «Es ist möglich, dass die Hunde nachts jaulen», sagt der OK-Präsident. Daher sei es wichtig, dass sie nicht an einem Standort sind, wo sie Anwohner stören. Ein weiteres Thema sei der Hundekot, der möglichst effizient entsorgt werden müsse.

Grosser Event im kleinen Tal

Die Musher und ihre Entourage reisen am Freitag an und bleiben dann währen drei Tagen im Tal. «In einem kleinen Tal wie der Val Müstair ist dieses Schlittenhunderennen ein grosser Event», meint Mittner. Die Läden, die Restaurants, die Unterkünfte können so zusätzlichen Umsatz generieren. «Für das Tal sind solche Anlässe wichtig und nachhaltig», sagt der OK-Präsident. Zudem entsprechen die Schlittenhunderennen der touristischen Ausrichtung der Val Müstair. «Der Event findet in der Natur statt, an einem der schönsten Orte in der Region», meint Mittner.

Das ist nicht nur für die Musher und ihre Hunde attraktiv, sondern auch für das Publikum. «Es ist beeindruckend, was für eine Kraft und für ein Wille in diesen Tieren steckt. Das sind Profisportler, die nur darauf warten, rennen zu können. Sie in dieser Kulisse live zu sehen, ist ein einmaliges Erlebnis», schwärmt der OK-Präsident.

Hunde rennen bis zu 40 Kilometer pro Stunde
Der Schweizer Schlittenhundesport Verein gastiert am 4. und 5. Januar 2020 in der Val Müstair.
Der Verein fördert alle im Schlittenhundesport aktiven Hundetypen. So auch die wohl bekanntesten Schlittenhunderassen Alaskan Malamute, Grönlandhund, Samojede und Siberian Husky. Weitere typische Hunderassen auf dem Rennplatz sind die Europäischen Schlittenhunde, Greyster und Scandinavian Hounds, welche durch Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometer pro Stunde beeindrucken. Weitere Informationen: www.s-s-v.ch

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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