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Ärztestatistik: So ist die Lage in der Schweiz

Über die Anzahl und Verteilung der Ärzteschaft wird derzeit in ganz Mitteleuropa diskutiert. Nahezu jedes Land ist betroffen von einer Mangelversorgung oder befasst sich mit Massnahmen, die vor drohender Verschlimmerung schützen sollen. In der Schweiz lohnt ein Blick auf die aktuelle Ärztestatistik.

Südostschweiz
Donnerstag, 19. Dezember 2019, 11:00 Uhr
pressfoto - de.freepik.com

Die Geschlechterfrage: Frauen und Männer in der Medizin

Die Abteilung Daten, Demographie und Qualität des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) veröffentlicht jedes Jahr eine Ärztestatistik. Die Publikation beinhaltet die aktuell zur Verfügung stehenden Zahlen, die Einblicke in die gegenwärtige Versorgungslage und erste Ausblicke auf die Zukunft ermöglichen.

Auch in Bezug auf die Geschlechterverteilung wird deutlich, dass es in der Schweiz durchaus Unterschiede gibt. In 2018 waren insgesamt 37'525 Mediziner im Land tätig, 15'982 von ihnen waren weiblich, 21'543 männlich. Folglich zeigt sich, dass die Ärzteschaft weiterhin über einen Überhang männlicher Mediziner verfügt. In den Fachrichtungen bestätigt sich das jedoch nicht immer. So belief sich der Frauenanteil 2018 auf

  • 64,7 Prozent in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie -psychotherapie
  • 62,9 Prozent in der Gynäkologie und Geburtshilfe 
  • und 62,9 Prozent in der Kinder- und Jugendmedizin.

Klare Männerdomänen bilden neben chirurgischen Fachgebieten weiterhin die Bereiche Orthopädie und Urologie.

Geschlechtsspezifische Differenzen zeigten sich 2018 ebenfalls bei Betrachtung der unterschiedlichen Hierarchieebenen. Von den Assistenzärzten waren 58,6 Prozent und somit mehr als die Hälfte weiblich. Diese Verteilung setzte sich allerdings nicht fort. Die Frauenquote gestaltete sich auf höheren Ebenen wie folgt:

  • Oberärzte: 47,9 Prozent
  • Leitende Ärzteschaft: 24,5 Prozent
  • Chefärzte: 12,4 Prozent

Auch wenn bei Jobbörsen wie praktischArzt alle Positionen für beide Geschlechter ausgeschrieben werden, lassen die genannten Zahlen vermuten, dass sich bereits die Bewerberschaft für höhere Ebenen durch eine niedrigere Frauenquote auszeichnet.

Köpfe allein nicht aussagekräftig

Die Versorgung in der Schweiz lag 2018 bei 4,4 Ärzten je 1000 Einwohner. Diese Zahl täuscht aber darüber hinweg, dass sich durch Berücksichtigung der Arbeitszeiten eine Verringerung ergibt. So sind bei Weitem nicht alle Mediziner in der Schweiz als Vollzeitkräfte tätig. Daher wird die tatsächliche Versorgung in sogenannten Vollzeitäquivalenten angegeben. Eine Vollzeitstelle entspricht 55 Wochenstunden. Demnach bleiben in der Schweiz nur 3,9 Ärzte je 1000 Einwohner übrig.

In manchen Gebieten sieht die Versorgungsquote laut Statistik noch mangelhafter aus. Vor allem in der ambulanten Versorgung zeigt sich ein erhebliches Optimierungspotenzial, denn hier lag die Quote bei nur 0,95 Grundversorgern und 1,26 Spezialisten auf 1000 Einwohner. In ländlichen Regionen offenbaren sich schlechtere Versorgungsquoten als in Städten. Grundversorger sind auf dem Land besser verfügbar als Spezialisten.

In 2018 leisteten Mediziner durchschnittlich 8,8 Halbtage je Woche. Dies entspricht einer Arbeitszeit zwischen 35,2 und 52,8 Stunden. Stationär tätige Ärzte arbeiteten mit durchschnittlich 9,5 Halbtagen länger als ambulant tätige Kollegen mit 8,1 Halbtagen.

Zudem ergeben sich in diesem Bereich geschlechtsspezifische Differenzen. Ambulant tätige Medizinerinnen kamen laut der Statistik auf 6,9 Halbtage, stationär tätige Kolleginnen auf 8,8 Halbtage. Bei den ambulant arbeitenden Medizinern lag der Durchschnitt bei 8,8 Halbtagen, bei stationär tätigen belief er sich auf 10,1 Halbtage.

Das Alter: Viele gehen bald in Pension

In 2018 betrug das Durchschnittsalter der Schweizer Mediziner 49,6 Jahre. Da junge Menschen vornehmlich in Spitälern ihre Weiterbildung absolvieren, lag der Durchschnitt im stationären Bereich bei 43,6 Jahren. In der ambulanten Versorgung offenbarte sich ein Durchschnittsalter von 54,8 Jahren. Viele Plätze werden also in den kommenden Jahren frei und müssen mit entsprechenden Nachfolgern besetzt werden.

Dass viele Ärzte in der Schweiz auch über das Pensionsalter hinaus tätig sind, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich ein möglicher Mangel anbahnt. Unterstützung aus dem Ausland stellt aktuell eine Option dar, die die Situation zwar entschärft, vorhandene Mangelzustände in anderen Ländern jedoch begünstigt.

In diesem Zusammenhang verrät die Ärztestatistik, dass rund 35,4 Prozent (13'266) aller Mediziner in der Schweiz 2018 ausländischer Herkunft waren. Auch verfügten 42,5 Prozent all jener mit einem in 2018 erlangten Facharzttitel über ein ausländisches Diplom. Besonders häufig unter den Herkunftsländern vertreten waren Deutschland, Österreich und Italien. Aus Deutschland kamen mehr als die Hälfte der 2018 zum Facharzt ausgebildeten Mediziner mit ausländischem Diplom.

Letztlich zeigt die Ärztestatistik, dass die durchschnittliche Ärzteschaft in der Schweiz von Jahr zu Jahr etwas älter wird, was mit sinkenden Versorgungsquoten verbunden ist. Der Anteil ausländischer Ärzte steigt weiterhin. Darüber hinaus sind bereits zahlreiche weitere Massnahmen in der Diskussion, die einer Mangelversorgung von innen heraus entgegenwirken sollen.

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