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Glarus fehlen die Sonnenstunden

Aber: Das Glarnerland gehört zu den Gebieten mit dem grössten Wärmeüberschuss in der Schweiz.

Südostschweiz
Sonntag, 01. Dezember 2019, 04:30 Uhr Wärmeüberschuss, aber ...
Geknickt: Im Büchelberg im Klöntal knickt der Föhnsturm Mitte November Bäume wie Zahnstocher.
JAKOB HEER

von Felix Blumer

Der Herbst brachte dem Glarnerland fast alles: kräftige Föhnstürme, viel Regen und wenig Sonnenschein. Südströmungen über den Alpen dominierten das Wettergeschehen. Im Oktober und vor allem im November gab es heftige Föhnstürme. Kein Wunder, gehört das Glarnerland zu den Gebieten mit dem grössten Wärmeüberschuss in unserem Land. Von Anfang September bis Ende November war es im Kantonshauptort genau 2 Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Referenzperiode 1961 bis 1990.

In Elm betrug der Wärmeüberschuss sogar 2,2 Grad. Noch grösser war der Wärmeüberschuss nur in der Region Chur mit 2,5 und im Rhonetal mit 2,6 Grad. Im Mittelland lag der Temperaturüberschuss bei 1,5 bis knapp 2 Grad.

Nochmals 26 Grad

Am 23. Oktober wurde nochmals Sommer. Mit Föhn gab es im Kantonshauptort einen Wert von 26,3 Grad, die höchste Temperatur bei uns in diesem Herbst. Gleichzeitig gab es in Elm 22,1 Grad. Dort lag die höchste Temperatur diesen Herbst bei 23,3 Grad, diese wurde allerdings schon am 22. September gemessen.

Auch im November wurde es nochmals warm – und zwar nicht um den 11. November, was einem Martinisömmerchen entsprochen hätte, sondern mit den beiden gewaltigen Föhnstürmen am 14. und 15. November und vor allem am 22. und 23. November. Der Novemberhöchstwert lag bei 18,8 Grad in Glarus, gemessen am 23. November. Gleichzeitig wurde eine Föhnböe mit 112 Kilometern pro Stunde verzeichnet.

In Elm wurden am 2. November – ebenfalls bei einem Föhnsturm – 15,5 Grad registriert. Am 27. November waren es 15,4 Grad. Ganz extrem war der Föhn im Sernftal am 14. November mit einem Spitzenwert von 121 Kilometern pro Stunde. Das war der siebthöchste Wert in Elm seit Messbeginn.

Minustemperaturen gab es aber auch: In Glarus sank das Thermometer bis auf den Wert von -2,4 Grad am 11. November. In Elm wurde der Tiefstwert am 14. November mit -5,8 Grad gemessen. Danach kam der grosse Föhn, und es wurde extrem mild.

Zu viel Regen

Eigentlich ist zu viel Regen kaum möglich. Spätestens seit dem Hitze- und Dürresommer 2018 wird Regen auch bei uns als sehr kostbar angesehen. In Glarus gab es rund 15 Prozent mehr Niederschlag als in einem gewöhnlichen Herbst, in Elm waren es 17 Prozent und in Braunwald 11 Prozent, obwohl dort mit knapp 500 Millimetern die grösste Regenmenge fiel. Generell war es in unserem Land zu nass, ganz speziell auf der Alpensüdseite. In Locarno betrug der Niederschlagsüberschuss fast 60 Prozent über die gesamten drei Monate gesehen. Knapp zu trocken war es nur im Rhonetal.

Mehr als ein Bummelstreik

Die Sonne war im Herbst nicht nur bei uns im Kanton ein seltener Gast. In Glarus fehlen mehr als 60 Sonnenstunden oder anders gesagt, die Sonnenscheindauer liegt bei 77 Prozent der Norm. In weiten Teilen der Alpen war es trüber als sonst, und vor allem im Tessin war es übel. In Lugano gab es nur rund 300 Stunden mit Sonnenschein, was bescheidenen 64 Prozent im Vergleich zur Norm entspricht. Einen leichten Überschuss in Sachen Sonnenstunden gab es im Mittelland, vor allem im zentralen und östlichen Mittelland.

* Der Glarner Felix Blumer ist Meteorologe bei Schweizer Radio und Fernsehen.

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