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Gislers Spargeln weichen einem Pionierprojekt

Bis in knapp drei Jahren sollen in Chur West rund 150 neue Wohnungen entstehen. Geplant ist ein Mix von Studios über günstige Eigentums- bis zu geräumigen 5,5-Zimmerwohnungen.

Denise
Erni
Dienstag, 26. November 2019, 05:05 Uhr 2000-Watt-Areal in Chur
Wohnmix: Das Projekt der Soreina AG von Architekt Peter Suter (l.) und «Walserbüel» von Michael Schumacher. Impressionen Architekten Suter und Schumacher

Die Nachfrage für die Baufelder der ersten Etappe sei sehr gross gewesen, sagt Werner Derungs, Delegierter des Verwaltungsrates der Kleinbruggen AG und bischöflicher Verwalter. «Wir hatten bis zu 50 Interessenten und gegen 20 Konstellationen kamen ins Vergabeverfahren.» Und dies, obwohl die Auflagen für die Investoren relativ hoch sind und sie teilweise grosse Herausforderungen für die Bauherren mit sich bringen. Denn das über sechs Hektar grosse Grundstück, auf dem die rund 450 Wohnungen bis 2028 entstehen sollen, ist ein sogenanntes 2000-Watt-Areal (siehe Kasten). Weitere Bewerber musste man auf die späteren Etappen zwei und drei vertrösten.

Sowohl Derungs als auch Ilario Bondolfi, Verwaltungsratspräsident der Kleinbruggen AG, betonen, dass es sich bei den vier gewählten Investoren um «einheimische Investoren» handelt. «Investoren, die solide sind und auch die nötige Erfahrung mitbringen», sagt Bondolfi.

Genossenschaftswohnungen …

Einer dieser Investoren ist der Churer Architekt Michael Schumacher. Er übernimmt zusammen mit der Firma Hew und der Genossenschaft zur Beschaffung billiger Wohnungen, kurz Biwo, das grösste Baufeld mit einer Geschossfläche von rund 8000 Quadratmetern. In seinem Projekt mit dem Namen «Walserbüel» hat er verschiedene Wohnungen geplant. «Dabei handelt es sich um rund 24 Genossenschaftswohnungen, 18 günstige Eigentumswohnungen und 50 Microappartements», verrät Schumacher. In den Appartements wird man gemäss dem Architekten Coworking-Spaces, ein Café, eine Velowerkstatt, ein Yogafloor und einen Barbershop erstellen. «In Chur West entsteht ein neuer Stadtteil und wir können dort neue Wohnformen und Arbeitswelten gestalten, die in anderen Lagen nicht möglich sind», erklärt Schumacher den Grund für sein Interesse am Bauland.

... Eigentumswohnungen …

Zu den weiteren Investoren gehören die Wohnbaugenossenschaft Giacometti und Allod Mathis. Letztere ist eine Baumanagement- und Immobilienfirma, die von Arthur Mathis geführt wird. Mathis führt das Projekt zusammen mit Franco Lurati, ehemaliger Bauunternehmer, und Rechtsanwalt Andrea von Rechenberg aus. Deren Projekt nennt sich «Oase». «Geplant ist ein Wohnhaus mit 33 Wohnungen im Stockwerkeigentum», verrät Mathis. Die Grösse der Wohnungen liege zwischen 2,5 und 5,5-Zimmern.

«Investoren, die solide sind und auch die nötige Erfahrung mitbringen.»

Ebenfalls Eigentumswohnungen plant die Soreina AG auf ihren rund 3400 Quadratmetern Geschossfläche. Architekt Peter Suter realisiert 2,5-, 3,5-, 4,5- und 5,5-Zimmer-Wohnungen. «Die Wohnungen sind unterschiedlich aufgeteilt, damit wir für verschiedene Nutzer und deren Bedürfnisse Wohnraum anbieten können», sagt Suter. «Dadurch sollen alle Altersgruppen angesprochen werden.» Suter ist Verwaltungsratspräsident der Soreina AG, Vizepräsident ist Immobilienunternehmer Hans-Jörg Berger, weitere Mitglieder sind Stefan Müller, Architekt beim Hochbauamt Graubünden, sowie Jürg Schmid, Leiter Tiefbau bei der Firma Hew.

... bis zu Mietwohnungen

Nicht zum Verkauf, sondern als Anlageobjekt hält die GKS AG ihr Projekt. Hinter GKS AG stehen der Churer Architekt Andrea Giubbini, Rechtsanwalt und Grossrat Rudolf Kunz sowie Ständerat Martin Schmid. «Es sind Geschäftspartner und Freunde aus meinem nächsten Umfeld», sagt Andrea Giubbini. Er sieht das Gesamtkonzept als «zukunftsorientiert, Chur West hat Entwicklungspotenzial». 44 Wohnungen möchte Giubbini auf seiner rund 4300 Quadratmeter grossen Geschossfläche errichten. «Es soll ein vielfältiger Wohnungsmix mit Studios, 2,5-, 3,5-, 4,5- und 5,5- Zimmer-Wohnungen geben», sagt er.

Ziel der Bauherren ist es, mit dem Bau im Sommer 2020 beginnen zu können. Der Bezug wäre dann im Frühjahr 2022. «Das ist ein Best-Case-Szenario und kann sich um sechs bis neun Monate verschieben», so Andrea Giubbini. Denn es hängt auch davon ab, ob und wie viele Einsprachen es gebe.

Planung von Etappe zwei

Bei der Kleinbruggen AG ist man bereits mit der Planung der zweiten Etappe beschäftigt. Läuft alles nach Plan, könnte damit im Jahr 2023 begonnen werden. 2026 würde die dritte und letzte Etappe folgen. Geplant sind, dass die insgesamt 13 Baufelder an mindestens sieben bis maximal 13 Investoren vergeben werden. «Die Ideenvielfalt ist uns enorm wichtig», betont Ilario Bondolfi. Und weil die Nachfrage sehr gross sei, wolle man versuchen, alle zu berücksichtigen.

2000-Watt-Areal: Ein Pionierprojekt für Chur
Die vier Investoren sind sich alle einer Herausforderung bewusst: Sie haben sich entschieden, ihr Projekt auf einem 2000-Watt-Areal zu erstellen. Die Überbauung Kleinbruggen soll «nachhaltig und zukunftsweisend» gebaut werden, wie Werner Derungs von der Kleinbruggen AG sagt. Dazu gehört, dass die Gebäude ans Anergie-Netz angeschlossen werden und die Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen bezogen wird. Auch werden die Bewohner beispielsweise sensibilisiert, Abfälle zu reduzieren und für eine optimale Weiterverarbeitung getrennt zu entsorgen. Sammelstellen werden dafür im Untergeschoss eingeplant. Und auch Parkplätze werden in der Tiefgarage nur reduziert errichtet. Ziel ist es, dass pro Wohnung rund ein Parkplatz zur Verfügung steht, dafür umso mehr Veloparkplätze, Lademöglichkeiten für E-Bikes und Serviceangebote wie Pumpen und Werkzeuge
Schweizweit sind derzeit 31 Areale zertifiziert, 20 davon befinden sich in Entwicklung. (dni)

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Es ist sehr schade bereits jetzt zu wissen, daß die beiden untenstehenden sehr wahren Kommentare kaum Beachtung finden werden. Es wird gebaut als gäbe es kein morgen. Vernunft und Umweltverträglichkeit sieht anders aus

Ich finde diese Siedlung jetzt bereits überholt, kalten Kaffee (ausserdem, was wollen Sie auch nahe A13, Waffenplatz und Strommasten?).
Sie berichten von Watt. Ich frage nach Dezibel und Luftqualität (Feinstaub und Trockenheit):
https://www.nzz.ch/viel_aerger_mit_minergie-standard-1.8742747
https://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/passivhaus--hier-entsteht-di…
https://www.youtube.com/watch?v=l_CCjVd_C5U
Jedenfalls mein Projekt ist wesentlich fortschrittlicher und menschenfreundlicher.

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