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Ein Kühlschrank für die ganze Stadt Chur

Der Verein «Madame Frigo» sagt dem Food Waste im privaten Haushalt den Kampf an. Öffentliche Kühlschränke sollen die Interaktion in der Nachbarschaft schweizweit ankurbeln. Auch im Kanton Graubünden will das Projekt Fuss fassen. Dafür braucht es einen Kühlschrank, einen Standort und Strom – zwei der Bedingungen fehlen jedoch noch.

Bettina
Cadotsch
Sonntag, 17. November 2019, 04:30 Uhr Gegen Food Waste

Ein Blick in den Kühlschrank zeigt bei vielen Menschen ein ähnliches Bild: Zahlreiche Joghurts, Früchte und Gemüse stapeln sich auf den Ablageflächen. Milch, Butter und Eier stehen in den Fächern. Wenn jedoch zu viel eingekauft wurde oder spontan eine Einladung von Freunden folgt, verderben Lebensmittel und enden schliesslich im Abfall. Die Rede ist von Food Waste.

Jährlich gehen in der Schweiz pro Person rund 300 Kilogramm Lebensmittel verloren, davon entfallen 45 Prozent auf Privathaushalte. Der gemeinnützige Verein «Madame Frigo» hat sich zum Ziel gesetzt, solche Essensreste im privaten Haushalt zu reduzieren. Dies soll durch öffentliche Kühlschränke umgesetzt werden, welche für alle Menschen rund um die Uhr zugänglich sind.

25 Standorte in der Schweiz

Die Idee der öffentlichen Kühlschränke entstand vor fünf Jahren im Rahmen eines Studentenprojekts an der Universität Bern. «Im Sommer 2018 haben wir dann den Zuspruch vom Förderfonds Engagement der Migros erhalten, um das Projekt professionell auszubauen und schweizweit zu verbreiten», erklärt Lukas Siegfried, Kommunikationsverantworlicher von «Madame Frigo» auf Anfrage. Mittlerweile fand das Projekt in verschiedenen Schweizer Städten Anklang – insgesamt sind bereits 25 Kühlschränke aufgestellt.

Nun steht Chur auf dem Programm. «Wir haben den Kühlschrank und Menschen, die ihn installieren, jedoch fehlt uns noch der Standort», so Siegfried. Damit der Kühlschrank aufgestellt werden kann, müsse sich ein Unternehmen, eine Institution oder eine Privatperson bereit erklären, den Platz zur Verfügung zu stellen sowie die Stromrechnung zu übernehmen. Der Standort müsse nicht im Zentrum sein, sondern könne auch in einem Familienquartier aufgestellt werden. «Es sollte einfach ein Ort sein, wo man schnell einmal per Zufall vorbeigeht», ergänzt Siegfried. Wann «Madame Frigo» nach Chur kommt, ist also noch unklar. Weil alles manchmal sehr schnell und dynamisch ablaufe, sei die Installation jedoch für Anfang 2020 realistisch, heisst es weiter.

Leerer Kühlschrank: Gut oder schlecht?

Ein öffentlicher Kühlschrank kann für einige abschreckend wirken. Die bisherigen Erfahrungen seien jedoch positiv ausgefallen, so Siegfried. «Manchmal erhalten wir zwar das Feedback, dass der Kühlschrank am Abend leer gewesen ist. Das ist aber per se kein schlechtes Zeichen, weil die meisten Lebensmittel relativ schnell weggehen». Trotzdem sei es erwünscht, dass der Kühlschrank noch von mehr Menschen mit eigenen Lebensmitteln gefüllt werde. «Es braucht keine Registrierung, es gibt keine Kasse und ist schnell und einfach gemacht».

In den Kühlschrank dürfen verpackte sowie ungeöffnete Produkte wie Joghurts, Eier oder Käse. Hinzu kommen auch Früchte und Gemüse. Das selbstgemachte Tiramisu vom Vorabend kann also nicht in den Kühlschrank gelegt werden. «Einerseits aus hygienischen Gründen, andererseits, weil es schnell abläuft», erklärt Siegfried. Ein weiteres Ziel des Projekts sei auch die Unterscheidung zwischen «mindestens haltbar» und «verbrauchen bis». Ersteres kann ohne Bedenken noch länger gegessen werden und soll dadurch im Kühlschrank abgelegt werden, während bei «verbrauchen bis» mehr Vorsicht geboten ist und deshalb nicht in den öffentlichen Kühlschrank gestellt werden soll. Auch Fischprodukte sowie Fleisch dürfen nicht im Kühlschrank landen, weil es zu leicht verderblich ist. «Uns geht es im Kern um Lebensmittel, die zu Hause ablaufen könnten», so Siegfried. (can)

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