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«Alt werden» in Glarus Nord

Das vierte Kulturjahrbuch von Glarus Nord widmet sich dem Alter. Es ist ein Plädoyer für ein positives Altersbild.

Claudia
Kock Marti
Sonntag, 10. November 2019, 04:30 Uhr Viertes Kulturjahrbuch
Gemeinsam statt einsam: Eine Gruppe älterer Damen und Herren geniesst den Seniorenzmittag auf dem Kerenzerberg.
SASI SUBRAMANIAM

Das Thema «Alt werden» ist nicht besonders sexy. Auch wenn man sich damit irgendwann befassen sollte. Wie spannend dies aber sein kann, zeigt das vierte Kulturbüchlein von Glarus Nord. Es macht Spass, darin zu lesen und in den rund 70 Seiten zu blättern. So bereichern es zahlreiche schöne Porträts von Fotograf Sasi Subramaniam oder Landschaften von Daniel Giardina.

Gemeinsam kann schöner sein

Wie sich «Alt werden» geniessen lässt, zeigt auch das ausgewählte Bild. Gabi Heussi hat dazu die Reportage «Gemeinsam essen macht mehr Spass» verfasst. Sie handelt von zwölf älteren Damen und zwei Herren, die sich zwei Mal im Monat für ein gemeinsames Mittagessen treffen. Auf dem Bild geniessen sie es gerade im «Römerturm» in Filzbach.

Die Rede ist vom Seniorenzmittag auf dem Kerenzerberg, der seit vielen Jahren von drei Frauen organisiert wird. Die Restaurants wechseln sie dabei regelmässig über den Berg von Mühlehorn über Obstalden bis nach Filzbach. Das Menü ist immer eine Überraschung, hingegen bleibt der Preis immer gleich. Die einen sind möglichst jedes Mal dabei, etwa Ernst Kamm und seine Gattin Alice. Denn beim gemütlichen Zmittag wird diskutiert, viel gelacht und Vieles leichter. Seniorenzmittage, Seniorentreffs oder Jassnachmittage gibt es auch in anderen Dörfern in Glarus Nord, wie eine Übersicht im Büchlein zeigt.

Ein anderes Altersbild ist nötig

«Das immer noch vorherrschende negative Altersbild muss sich ändern», schreibt Gemeinderat Pascal Vuichard im Vorwort. Künftig sollten nicht mehr die Hilfsbedürftigkeit und die damit verbundenen Gesundheitskosten einseitig die Diskussion beherrschen. «Es braucht stattdessen ein Altersbild, das die Erfahrungen und Fähigkeiten der älteren Generation anerkennt und aktiv nutzt.»

Anschauungsmaterial bietet das Kulturjahrbuch gleich selbst. So erzählt etwa Ueli Weber in seiner Reportage, wie das Kiss-Tandem Thomas Zweifel und Aldo Mitidieri prächtig funktioniert. Aldo Mitidieri lebt mit seiner auf den Rollstuhl angewiesenen Ehefrau Clara in einem Einfamilienhaus in Bilten. Mit dem Zeitgutschein der Genossenschaft Kiss wünschte sich Mitidieri jemanden, der ihm beim Heckenschneiden hilft. Längst sind der aus Kalabrien stammende Aldo Mitdieri und der Linthaler Thomas Zweifel Freunde geworden.

Wie in den Ausgaben zuvor kommt auch in der Ausgabe 2019 Prominenz zu Wort. Mit der Zigarette in der Hand erklärt Peter Bichsel im Interview mit Fridolin Elmer, was er vom Altwerden hält und warum er sich vor dem Altersheim fürchtet. Zu Wort kommt bei Bernadette Epprecht ebenso eine streitbare Grossmutter, die sich für ältere Menschen und von Altersarmut betroffene Frauen einsetzt. Bernardo Rhyner plädiert dafür, das Wohnen sinnvoll zu durchmischen. Kurt Waldvogel wiederum präsentiert seine Ansichten als Senior.

Auch dieses Jahr wird mit Samuel Geissbühler, Sammelstellenbetreuer, wieder ein Gemeindemitarbeiter näher vorgestellt sowie auf grössere Events von Glarus Nord im 2019 zurückgeblickt. Ein weiteres Dorfporträt hat seinen Platz: Daniel Fischli geht mit Louis Müller auf einen Rundgang durch das Fabriklerdorf Oberurnen.

Freitag, 15. November, 18 Uhr, Näfels, Tolderhaus-Bohlensaal, Vernissage.

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