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Puschlaver Betrieb muss Ziegen wegen Krankheit töten lassen

Insgesamt über 200 Ziegen mussten in einem Betrieb im Puschlav ihr Leben lassen. Die Tiere waren an Paratuberkulose erkrankt. Dass gleich ein ganzer Bestand mit der unheilbaren Krankheit infiziert werde, sei äusserst selten, heisst es von Seiten des Kantons. Eine Weiterverbreitung in andere Betriebe sei aber unwahrscheinlich.

Südostschweiz
Mittwoch, 06. November 2019, 09:52 Uhr Paratuberkulose
Alle Ziegen dieses Betriebs im Puschlav mussten getötet werden.
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In einem Landwirtschaftsbetrieb im Puschlav musste Ende Oktober der gesamte Ziegenbestand getötet und entsorgt werden. Der Grund: die Tiere waren an Paratuberkulose erkrankt, wie das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT) mitteilt. Dass der gesamte Bestand eines Betriebs erkrankt und getötet werden muss, sei aussergewöhnlich, heisst es in der Mitteilung weiter. «Normalerweise erkranken nur einzelne ältere Tiere in einem Betrieb und entsprechend sieht auch die eidgenössische Tierseuchengesetzgebung vor, dass nur erkrankte Tiere, welche gleichzeitig klinische Symptome und einen positiven Laborbefund haben, getötet und über den Tierseuchenfond entschädigt werden. Im vorliegenden Fall war der Infektionsdruck so hoch und die Anzahl Todesfälle so gross, dass als letzte aller möglichen Massnahmen nur noch die Tötung und Entsorgung des ganzen Bestands in Frage kam.»

Paratuberkulose ist eine chronische bakterielle Erkrankung und führt zu hochgradiger Abmagerung und zum Tod. An Paratuberkulose erkranken Rinder und Ziegen, seltener Schafe und Wildwiederkäuer. Es gibt keine Therapie, infizierte Tiere sind daher auszumerzen, wie das ALT schreibt. Nur ein kleiner Teil der infizierten Tiere entwickelt sichtbare Symptome und die Tiere erkranken erst im Alter von über zwei Jahren. Deshalb bleibt die Paratuberkulose oft über längere Zeit unerkannt. Die Infektion erfolgt vorwiegend oral über kontaminierten Kot oder über erregerhaltige Milch. Auch über Sperma wird der Erreger ausgeschieden.

Paratuberkulose ist keine hochansteckende Tierseuche, schreibt das ALT weiter. Der Ziegenbetrieb hatte in den letzten Jahren kaum Tierverkehr und sömmerte seine Ziegen auch nicht zusammen mit anderen Betrieben. Zudem wurde im letzten Jahr keine Milch in Verkehr gebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Ziegenbetriebe im Tal angesteckt wurden, ist in der Folge gering. Das ALT intensiviert die Überwachung und Fleischkontrolle. 

Neben Mitarbeitenden des ALT und dem örtlichen Tierarzt standen auch 15 Zivilschutz-Seuchenwehrpioniere des Amts für Militär und Zivilschutz während drei Tagen im Einsatz, um den Bestand zu räumen und die Stallungen zu reinigen und desinfizieren. Insgesamt starben in diesem Betrieb 210 Ziegen an dieser unheilbaren Krankheit.

Gemäss Statistik des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gibt es in der Schweiz jährlich maximal zehn Fälle von Paratuberkulose bei Ziegen. Es handle sich aber immer um einzelne Tiere, welche erkranken und sterben oder getötet werden müssen, heisst es in der Mitteilung. Ein Fall dieses Ausmasses sei sehr aussergewöhnlich. Aus diesem Grunde arbeite das ALT in diesem Seuchenfall eng mit den universitären Instituten zusammen und habe weiterführende Untersuchungen von ausgewählten Kadavern in Auftrag gegeben. (ofi)

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