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Ausgrabungen in Graubünden online ansehen

Der Archäologische Dienst Graubünden hat das Foto-Projekt «Pioniere der Bündner Archäologie» abgeschlossen. Dank der Digitalisierung gelingt so ein Blick in Arbeiten der Vergangenheit, der sowohl für Wissenschaft, als auch für Geschichtsinteressierte von Bedeutung sein kann.

Bettina
Cadotsch
Sonntag, 03. November 2019, 04:30 Uhr Pionierarbeit

Vor zwei Jahren feierte der Archäologische Dienst Graubünden sein 50-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde zum Anlass genommen, das Archiv in die Gegenwart zu nehmen. Es wurden Aufzeichnungen von mehr als 100 Jahre alten archäologischen Tätigkeiten im Kanton Graubünden digitalisiert und online gestellt. Gemäss Philipp Wiemann vom Archäologischen Dienst Graubünden ist das abgeschlossene Foto-Projekt sehr wertvoll. «Wir müssen immer genau wissen, wo und wie die Funde gemacht wurden. Nur so haben sie einen Wert für die Wissenschaft», erklärt er. Nützlich sei das Projekt jedoch nicht nur für den Archäologischen Dienst Graubünden, sondern für Wissenschaftler aus der ganzen Schweiz, Europa und gar weltweit, ergänzt er. «Jetzt können alle relativ einfach auf frühe Ausgrabungen zugreifen, ohne dass sie dafür nach Chur kommen müssen.» Weiter gebe es auch immer wieder Anfragen von Privatpersonen, die sich für Urgeschichten eines Tales, Ortes oder einer Gemeinde interessierten.

Den Archäologischen Dienst gibt es zwar erst seit dem Jahr 1967, die Funde wurden jedoch bereits früher von Mitgliedern der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft dokumentiert und gelten als Pionierarbeiten. Bereits damals wurde die Fotografie zur Dokumentation eingesetzt. Dementsprechend befinden sich viele Foto-Negative auf Glasplatten und sind nicht optimal gelagert. Das Ziel des Projekts sei deshalb auch gewesen, die Fotos besser zu konservieren, damit sie im Original erhalten bleiben, so Wiemann.

Die grössten Schätze

Im Archäologischen Dienst werden Hunderttausende Schätze verwaltet. Wobei das meist nur von einem Wissenschaftler als Schatz angesehen werde, erklärt Wiemann. Wenn er aber eine Fotografie auswählen müsste, würde seine Entscheidung auf ein Foto aus dem Jahr 1902 fallen. «Es ist die älteste Ausgrabung im Kanton, bei welcher das römische Chur entdeckt wurde.» Stattgefunden hat die Ausgrabung auf dem heutigen Parkplatz vor der Markthalle bei der Brambrüeschbahn.

Der Parkplatz bei Brambrüesch im  Jahr 1902 Der Parkplatz bei Brambrüesch im Jahr 1902 Der Parkplatz bei Brambrüesch heute (Google-Maps) Der Parkplatz bei Brambrüesch heute (Google-Maps)

Spiel mit dem Unbewussten

Der Archäologische Dienst blickt jedoch nicht nur in die Vergangenheit, er arbeitet auch in der Gegenwart. Pro Jahr werden bis zu 100 Projekte durchgeführt. Dabei handle es sich nicht immer um grössere Ausgrabungen, sagt Wiemann. «Jährlich werden bei der Begleitung von Bauprojekten neue Puzzlesteine entdeckt, die uns etwas darüber verraten, wie die Menschen früher in unserem Kanton gelebt haben.» Das spannende an dieser Aufgabe sei das Unbekannte. Man habe immer ein Überraschungsmoment bei der Arbeit und könne Sensationsentdeckungen machen. Dafür setzen sie genau wie früher möglichst die neusten und besten Methoden ein, um die Spuren der Vergangenheit zu dokumentieren. «Jetzt sind es natürlich Digitalkameras und Drohnen mit denen wir sogar 3-D-Modelle von Burgen, Gräbern oder Ähnlichem generieren können. » (can)

Unter diesem Link gelangt Ihr zum Foto-Projekt:
http://memobase.ch/#find/facets[inst-facet]=[ADG]

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