×

Der Kanton will seine Strategie durchziehen

Regierungsrat Kaspar Becker anerkennt interne Probleme bei der Abteilung Wald und Naturgefahren – und verweist auf Massnahmen, die man getroffen habe. An der Strategie, die sein Abteilungsleiter die letzten Jahre aufgegleist hat, will er nichts ändern.

Fridolin
Rast
Donnerstag, 31. Oktober 2019, 04:30 Uhr Trotz Wechsel
Himmel Baum Föhn
Grosse Probleme bei der Abteilung Wald und Naturgefahren.
ARCHIV

Der langjährige Fachstellenleiter Naturgefahren kritisiert in seinem Kündigungsschreiben nach 37 Jahren im Kantonsdienst das Verhalten seines vor sieben Jahren gewählten Chefs sehr klar. Mehrere weitere Mitarbeitende haben während der sieben Jahre die Abteilung ebenfalls verlassen.

Zum Thema nimmt Kaspar Becker, Departementsvorsteher Bau und Umwelt, Stellung. Zu welchen internen Massnahmen hat es geführt? Der Personaldienst habe umgehend Kontakt aufgenommen. Es hätten Gespräche mit beiden Seiten stattgefunden, so Becker: «Die Vorwürfe nehmen wir durchaus auf und analysieren sie auch mit dem Vorgesetzten.» Die Vorwürfe seien bei den verbleibenden Mitarbeitenden aber «nie ein Thema» gewesen.

«Den Vorgesetzten fit machen»

Doch ausgestanden ist die Geschichte nicht. «Es ist sicher keine befriedigende Situation, und wir können das zerbrochene Geschirr nicht kitten», gesteht Becker ein. Und die Sache dürfe nicht ausgesessen werden: «Wir haben reagieren müssen.»

Was also, damit solche Konflikte wenigstens nicht wieder vorkommen? «Da müssen wir den Vorgesetzten fit machen, damit es nicht mehr passiert», so Becker: «Denn ich will, dass die Mitarbeitenden gerne bei uns arbeiten.»

Und der kritisierte Abteilungsleiter, der nicht selber Stellung nimmt? Becker erklärt: «Er signalisiert, dass er sehr gewillt ist, Unterstützung anzunehmen.»

Als Departementsvorsteher zeigt er sich allerdings «ein bisschen irritiert», dass sich der Ärger so lange aufgestaut habe und nicht die Vorgesetzten und allenfalls die kantonale Ombudsstelle durch die betroffenen Mitarbeiter angegangen worden seien. «Ich als betroffener Mitarbeiter würde in solchen Fällen aktiv», versichert Becker. Denn die Ombudsstelle sei wichtig und müsse ihre «wertvolle» Vermittlungsfunktion für alle Beteiligten erfüllen können.

Schöne Worte nach dem Eklat? Becker will vorwärts schauen: «Es gibt uns die Gelegenheit, das Ganze wirklich anzugehen und daran zu arbeiten.» Die Abteilung habe nun die Chance, einen Neustart zu machen.

Gemeinden in Aufruhr

Doch auch bei den Gemeinden gibt es Unmut. Die Revierförster fühlten sich von der kantonalen Abteilung Wald fachlich nicht einbezogen und vor vollendete Tatsachen gestellt, erklären mehrere Gesprächspartner den «Glarner Nachrichten».

Eine Wahrnehmung, die ihre Reaktion auf die nächste sogenannte Programmvereinbarung (Becker nennt das Thema selber) bestätigt. Denn, so Regierungsrat Becker: «Die Gemeinden treten uns gerade mit einem pointierten und orchestrierten Verhalten gegenüber.»

Aber dass es keine Kommunikation mit den Gemeinden mehr gebe, weist Becker zurück. Jährlich fänden zwei bis drei Treffen mit den rund zehn Revierförstern statt, und die kantonale Fachstelle Wald stehe mit diesen laufend im Kontakt betreffend Waldpflege, Planung und Biodiversität im Wald.

Wer zahlt, will befehlen

Aber Becker will die Linie der Abteilung Wald durchziehen, das macht er deutlich: Man habe bewusst einen Paradigmenwechsel in der Waldbewirtschaftung herbeiführen wollen, als der Abteilungsleiter Wald und Naturgefahren vor sieben Jahren eingestellt wurde. «Der Kanton unterstützt die Waldbewirtschaftung durch die Gemeinden mit rund 6 Millionen Franken pro Jahr. Da wollen wir eine klare Strategie, mit der wir lenken und leiten.»

Zur Umsetzung seien seit 2014 mehrere Weisungen erlassen worden, vom Regierungsrat entweder zur Kenntnis genommen oder formell beschlossen. Und: «Die Gesetze sagen, wo der Kanton fachlich-technisch das Sagen hat.» Becker zeigt sich überzeugt, dass die vom Kanton verfolgte Wald-Strategie eine gute sei. Veränderungen brauche es immer wieder, so Becker. Die Herausforderung bestehe allerdings darin, das Personal für diesen Paradigmenwechsel auch ins Boot zu holen.

 

Kommentar schreiben

Kommentar senden