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The perfect match – wie ein Organ Leben rettet

Die Liste ist lang. Rund 1500 Menschen in der Schweiz warten auf ein Spenderorgan: Herz, Lunge, Leber oder Nieren sind durch Krankheit nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähig. Ein Organ kann über den Tod des Spenders hinaus Leben retten – aber wie?

Südostschweiz
Montag, 21. Oktober 2019, 00:00 Uhr Sponsored Content
Unsere Spezialistin

Ulrike Ehlers ist seit Januar 2019 ärztliche Leiterin der Intensivstation im Kantonsspital Glarus und Lokalkoordinatorin der Organspende. Nach dem Medizinstudium in Deutschland, Australien und der Schweiz arbeitete sie als Intensivmedizinerin, u.a. im Universitätsspital Zürich und bei der Rega. Aktuell absolviert sie den Masterstudiengang «Advanced studies in Applied Ethics» an der Universität Zürich, wo sie auch als Dozentin tätig ist.

Leben ist teilen: Spenden

Über ein Leben nach dem Tod ist viel philosophiert und diskutiert worden. Was die Seele betrifft, bleibt es eine Glaubensfrage. Bei den Organen haben Medizin und Wissenschaft Tatsachen geschaffen: Herz, Leber, Lunge oder Nieren können im Körper eines anderen Menschen ihre Funktion weiter ausführen und dem Empfänger allenfalls ein besseres Leben ermöglichen.

Ziel der Intensivmedizin ist es Leben zu retten und Lebensqualität zu erhalten. Erst, wenn keine Therapien mehr möglich sind und ein Versterben unausweichlich ist, wird eine Organspende in Betracht gezogen. Um einen ethischen Konflikt beim intensivmedizinischen Personal auszuschliessen, wird dann ein speziell ausgebildetes Behandlungsteam hinzugezogen. Dieses Team klärt ab, ob eine Organspende überhaupt in Frage kommt und begleitet den Versterbenden und die Angehörigen zusammen mit den Mitarbeitern der Intensivmedizin in der schweren Phase des Verabschiedens.

Als Spender kommen nur Menschen in Frage, die unausweichlich und innert kürzester Zeit Versterben. Mehrere Fachärzte, die entsprechend ausgebildet sind, müssen das unabhängig voneinander bestätigen können. Der Ablauf ist standardisiert. Er unterliegt exakten Auflagen und einer strengen Kontrolle. Spezielle Untersuchungen sind notwendig. Das Einverständnis des potentiellen Spenders oder seiner nächsten Angehörigen ist in der Schweiz Voraussetzung für eine Organspende und deren Abklärung.

Lange Liste: Warten auf ein besseres Leben

Vielen Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, läuft die Zeit davon.

Rund 1500 Patientinnen und Patienten warten jährlich auf ein Spenderorgan, entweder weil sie an einer chronischen Krankheit leiden oder weil sie plötzlich so schwer erkranken, dass ohne ein Spenderorgan kein Überleben möglich ist. In der Schweiz ist ein dringend benötigtes Organ nicht einfach abrufbar. Die Wartezeiten sind so lang, dass Patienten oft sterben, bevor ein passendes Organ da ist.

Sobald feststeht, dass ein Patient ein Organ benötigt, muss er auf eine national geführte Zentralliste gesetzt werden, die tagesaktuell gepflegt wird. Dank dieser Liste kann neutral entschieden werden, zu welchem Patienten das Spenderorgan am besten passt und welcher Patient es am Nötigsten braucht. Die seelische Verfassung des Patienten spielt ebenso eine Rolle, denn die Transplantation muss auch emotional verarbeitet werden. Damit das Organ nicht abgestossen wird, bedarf es viel Disziplin, um die notwendigen Medikamente regelmässig einzunehmen.

The perfect match: Spenden und Empfangen

Spender und Empfänger müssen gut zusammenpassen, damit das Organ nicht abgestossen wird.

Um die Abwehrreaktionen auf das Spenderorgan eines anderen Menschen möglichst gering zu halten, wird nach dem «perfect match» gesucht. Unter anderem müssen Blutgruppe und Körpergrösse von Spender und Empfänger zusammenpassen. Nach den Abklärungen ist der Empfänger auf Abruf, die Tasche fürs Spital gepackt. Wie bei einer Geburt, weiss man nie genau, wann die Transplantation stattfindet. Ist ein «perfect match» gefunden, geht alles schnell. Innerhalb eines halben Tages wird der Empfänger stationär aufgenommen – sofern er nicht bereits im Spital hospitalisiert ist – und auf die OP vorbereitet. Der Empfänger wird von einem anderen medizinischen Team behandelt als der Spender. Das kann organisatorische oder ethische Gründe haben. Durch die getrennte Betreuung wird das Behandlungsteam emotional entlastet.

Ihr Wille geschehe: Patientenverfügung

Ist der Wille für oder gegen eine Organspende schriftlich festgehalten, entlastet das die Angehörigen.

Ob ein lebensbedrohlich erkrankter Mensch die Chance bekommt, sein Leben durch eine Organtransplantation zu verlängern, hängt vom zustimmenden Organspender ab. Spender(-familie) und Empfänger bleiben füreinander anonym. Die Zustimmung kann entweder in Form einer Organspende-Karte, einer Patientenverfügung, online im Nationalen Organspenderegister, oder mündlich im Gespräch mit Angehörigen festgehalten werden. In der Schweiz ist die «explizite Zustimmung» geltendes Gesetz.

Die Initiative «Organspende rettet Leben» setzt sich für eine «vermutete Zustimmung» ein. In diesem Fall wird automatisch angenommen, dass jeder für eine Organspende ist – solange er nicht explizit widerspricht. Die Initiative möchte einem Ungleichgewicht entgegenwirken. Laut repräsentativen Umfragen steht die Mehrheit der Bevölkerung einer Organspende positiv gegenüber, aber nur sehr wenige haben diesen Entscheid schriftlich festgehalten. Auch die Angehörigen wissen oft nicht genau über den Willen des potenziellen Spenders Bescheid. Sie sind dann in dieser ohnehin belastenden Situation mit äusserst schwierigen Fragen konfrontiert. Wird die Initiative angenommen, werden die Angehörigen weiterhin in den Entscheid mit einbezogen.

Sinn statt Geld

Wie viel ist uns das Leben wert? So lautet der Titel einer SRF-Dokumentation von Eveline Falk, bei der ich mitwirken durfte. In der Sendung wird deutlich, dass man Leben nicht mit ökonomischen Massstäben messen kann. Jeder Mensch hat seine eigene Lebensgeschichte. Als Intensivmedizinerin ist es mein Beruf und meine Berufung jeden Menschen wertfrei anzunehmen und ihm zu helfen. Dabei sind mir der Wille und die Bedürfnisse meiner Patienten sehr wichtig. Ich frage jeden, ob eine Patientenverfügung ausgefüllt wurde und was darinsteht. So verstehen wir auf der Intensivstation besser, welche Behandlungen für den Einzelnen sinnvoll sind.

Genau, wie mit dem Leben und Überleben verhält es sich mit dem Sterben. Viele möchten darüber nicht nachdenken, obwohl es jeden betrifft. Mir ist es ein Anliegen, das Bewusstsein für eigenverantwortliches Handeln zu stärken. Jeder soll sich seine Meinung bilden und sein Leben und sein Lebensende planen, egal ob dieses nah oder noch weit weg erscheint. Auf www.swisstransplant.org kann man sich beispielsweise umfassend über Organspende umfassend informieren. Überlassen Sie diese wichtige Entscheidung nicht Ihren Angehörigen, sondern treffen Sie sie selbstbestimmt und wohlüberlegt.