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Angst vor der Narkose - Welche Risiken bestehen?

Fast jeder Mensch hat in seinem Leben mindestens eine Anästhesie (Narkose) anlässlich einer Operation über sich ergehen lassen müssen. Vielfach ist die Angst vor der Anästhesie grösser, als die Angst vor dem operativen Eingriff selbst.

Südostschweiz
Montag, 21. Oktober 2019, 00:00 Uhr Sponsored Content
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Dr. med. Gerhard Schöffel wird am 5. November 2019 um 19.30 Uhr am Spital Schiers einen Vortrag zum Thema halten und Ihre Fragen beantworten. 

Dr.med. Gerhard Schöffel
Chefarzt Anästhesie 
Spital Schiers 
www.flurystiftung.ch 

Es gibt verschiedene Anästhesieverfahren. Welches Verfahren sollte bei welcher Operation eingesetzt werden? Welche Risiken bestehen dabei? 

Die Anästhesieverfahren unterscheiden sich in zwei Hauptgruppen. Zum einen die Allgemeinanästhesie, kurz Vollnarkose genannt, und zum anderen die zahlreichen Regionalanästhesieverfahren, bei den Patienten oft als Teilnarkosen bekannt.

Bei der Vollnarkose schläft der Patient nach Gabe der Narkoseeinleitungsmedikamente innerhalb von wenigen Sekunden ein. Die Narkose wird mit verschiedenen Narkosemedikamenten oder -gasen aufrechterhalten. Oft ist es erforderlich, den Patienten während der Narkose künstlich zu beatmen, was mit einem Narkosegerät gemacht wird. Die Atemwege werden gesichert durch Einlage eines Intubationstubus in die Luftröhre oder mittels Beatmungsmasken. Masken oder Atemschlauch (Tubus) werden erst eingelegt, wenn der Patient bereits in der Narkose ist und schon wieder entfernt bevor der Patient aufwacht, was für den Patienten angenehmer ist.

Prinzipiell kann eine Vollnarkose für jeden operativen Eingriff durchgeführt werden. Oft ist dies jedoch nicht erforderlich und es empfiehlt sich die Durchführung einer Regionalanästhesie. Je nach operierter Körperregion gibt es verschiedene Techniken, eine Regionalanästhesie durchzuführen.

Aufziehen von Narkosemitteln

Bei der Spinal- oder Periduralanästhesie wird mit Spezialnadeln und einer speziellen Technik unterhalb des Rückenmarks eine kleine Menge eines örtlichen Betäubungsmittels gespritzt. Dies führt zu einer vollständigen Betäubung, je nach Medikament auch Bewegungsunfähigkeit der unteren Körperhälfte. Der im Volksmund immer wieder gebräuchliche Begriff „Rückenmarksnarkose“ ist falsch und verbreitet unnötig Angst und Schrecken, da die Spinalanästhesie in jedem Fall unterhalb und die Periduralanästhesie ausserhalb des Rückenmarks injiziert wird. Je nach Wirkdauer können mit der rückenmarksnahen Anästhesie kurze oder auch mehrstündige Operationen durchgeführt werden. Je nach Wunsch kann der Patient wach sein, Musik hören oder während der gesamten Operationszeit durch Gabe eines Schlafmittels schlafen.

Beim Kaiserschnitt ist die rückenmarksnahe Anästhesie mittlerweile die am meisten angewendete Technik, da sie für Mutter und Kind nicht nur besonders schonend und sicher ist, sondern auch sehr angenehm. Die Mutter kann ihr gerade geborenes Kind noch während der Operation in Empfang nehmen.

Sämtliche heute gebräuchlichen Narkoseverfahren sind im Vergleich zu früher extrem sicher und gut verträglich. Komplikationen sind bei den heute verwendeten Narkosetechniken sehr selten. Jeder Patient wird während der gesamten Anästhesiedauer kontinuierlich überwacht. Unter Relaxation versteht man die medikamentös erzeugte Erschlaffung der Körpermuskulatur, was zur Durchführung bestimmter Operationen (z.B. Baucheingriffe), erforderlich ist. Das Risiko, eine schwere Schädigung oder Komplikation während einer Anästhesie zu erleiden oder gar als Folge einer Anästhesie zu sterben, ist heute 10 Mal geringer, als das Risiko, dasselbe beim Autofahren zu erleiden. Dennoch ist es verständlich, dass sehr viele Patienten Angst vor der Anästhesie haben, teilweise grössere Angst als vor der Operation selbst. Während der Anästhesie ist das Bewusstsein ausgeschaltet und der Patient fühlt sich hilflos und ausgeliefert. 

Deshalb wird jeder Patient vorgängig umfassend untersucht, informiert und aufgeklärt. Auf individuelle Wünsche des Patienten hinsichtlich des Narkoseverfahrens gehen wir soweit wie möglich ein.

Verabreichung von Infusionslösungen

Nach Beendigung der Operation wird die Narkose ausgeleitet und der Patient wacht in der Regel nach wenigen Minuten auf. Bei einer Regionalanästhesie ist man bereits wach. Anschliessend werden die meisten Patienten in den Aufwachraum verlegt und überwacht, bis sie sich soweit erholt haben, dass sie wieder in ihr Zimmer verlegt werden können.

Die Narkosenachwirkungen sind heute, im Vergleich zu früher, sehr viel geringer geworden. Dennoch können Vollnarkosen vereinzelt zu Übelkeit und Erbrechen führen, was nicht nur narkosebedingt ist, sondern auch vom jeweiligen operativen Eingriff abhängig ist. Glücklicherweise lässt sich dies mit Medikamenten und Infusionen meist rasch in den Griff bekommen. Regionalanästhesien haben den Vorteil, dass es postoperativ sehr viel seltener zu solchen Erscheinungen kommt.

Intravenöse Verabreichung von Medikamenten

Aufgabe des Anästhesie-Teams ist es auch, sicherzustellen, dass die Patienten nach der Operation möglichst wenig, optimal gar keine Schmerzen verspüren. Dafür stehen eine ganze Reihe von Medikamenten und Verfahren zur Verfügung. Besonders bewährt hat sich nach grösseren Eingriffen der Einsatz unserer „Schmerzpumpen“. Dabei bekommt der Patient ein kleines entsprechend programmiertes Gerät, welches auf Knopfdruck die für ihn individuell erforderliche Menge an Schmerzmittel zuführt. Eine Überdosierung ist durch entsprechende Sperren ausgeschlossen.

Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten bei ihrer nächsten Operation wissen, was auf sie bzgl. der Anästhesie zukommen wird und deshalb keine „schlaflosen Nächte“ haben müssen.

Das Anliegen unseres gesamten Anästhesieteams ist es, die uns anvertrauten Patienten im Spital Schiers jederzeit und rund um die Uhr mit aktuellstem Wissen, Können und modernster Technik sowie kompetent und herzlich zu betreuen.