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Die meisten brütenden Bartgeier sind Bündner

Die Anzahl brütender Bartgeierpaare in der Schweiz hat weiter zugenommen. Dieses Jahr haben fünf neue Bartgeierpaare erfolgreich erstmals einen Jungvogel aufgezogen. Zwei davon auch im Kanton Graubünden.

Südostschweiz
Dienstag, 08. Oktober 2019, 04:30 Uhr Stiftung Pro Bartgeier

Bartgeier fühlen sich offensichtlich wohl in der Schweiz - besonders in Graubünden. 51 brütende Bartgeierpaare leben in den Alpen. 21 davon in der Schweiz und davon wiederum 13 Paare in den Bündner Bergen. Nun ist der Zeitpunkt ideal, um neue Tiere auszuwildern und dadurch die genetische Vielfalt zu stärken.

Heimatgefühle und ausreichend Nahrung

Warum fühlen sich die Tiere derart wohl in Graubünden? Gemäss Daniel Hegglin von der Stiftung Pro Bartgeier gibt es dafür mehrere Gründe. So seien die ersten Bartgeier 1991 im Nationalpark ausgewildert worden und Bartgeier tendieren dazu, dort zu brüten, wo sie erstmals ausgeflogen sind. Grundsätzlich seien die Voraussetzungen für Bartgeier momentan sehr gut: «Es gibt viele Wildtiere wie Gämsen, Hirsche oder Steinböcke in den Bergen, deren Überreste von den aasfressenden Bartgeiern verwertet werden können» erklärte Hegglin im Interview mit Radio Südostschweiz. Ausserdem gebe es wenig Wilderei und bisher auch kaum Hinweise auf Giftköder, die in anderen Ländern trotz strengen Verboten gegen verwilderte Hunde, Füchse und Wölfe eingesetzt werden und ein Hauptgrund dafür seien, dass in vielen Regionen ausserhalb der Schweiz Geier stark bedroht seien.

Jetzt wird die genetische Vielfalt gestärkt

Die guten Voraussetzungen will Pro Bartgeier nun nutzen, um neue Tiere auszusetzen und damit für eine Blutauffrischung in der Bartgeier-Population zu sorgen und damit die genetische Vielfalt zu stärken. «Der Plan sieht vor, dass wir kommenden Sommer weitere Auswilderungen aus dem Zuchtprogramm im Kanton Obwalden vornehmen und so neues Blut in die Wildpopulation bringen» erklärt Hegglin.

Auswilderungen und Überwachung der Bestände

Wie die Stiftung Pro Bartgeier mitteilt, pflanzen sich Bartgeier nur langsam fort und brüten durchschnittlich erst im Alter von acht Jahren erstmals erfolgreich. Zudem ziehen sie jährlich höchstes ein Jungtier auf, und auch das gelingt nicht jedes Jahr. Bartgeier sind deshalb besonders empfindlich auf Verluste und können sich langfristig nur halten, wenn die Sterblichkeit gering ist. Für die Stiftung Pro Bartgeier ist deshalb eine sorgfältige Überwachung des kleinen Bartgeierbestandes ebenso wichtig wie die Auswilderungen. (dje)

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