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Stärke statt Macht: So geraten Eltern nicht in die Erziehungsfalle

In einer Veranstaltung der Elternbildung Glarus stellt Doris Brodmann den Erziehungsansatz der «Neuen Autorität» vor. Diese bietet hilfreiche Anregungen, wie Erwachsene in eskalierenden Situationen gelassen und handlungsfähig bleiben.

Südostschweiz
Montag, 07. Oktober 2019, 20:44 Uhr Erziehung
Nicht immer so harmonisch: Der Vortrag von Doris Brodmann bietet hilfreiche Anregungen, wie Erwachsene in allfällig hektischen Situationen gelassen reagieren.
KEYSTONE

Kinder und Jugendliche wissen genau, wie sie ihre Eltern auf die Palme bringen können und wo deren wunden Punkte sind. In manchen Situationen verlieren Eltern dann die Beherrschung, werden vielleicht laut oder fangen an, ihrem Kind zu drohen. Manchmal kommt es auch zu Handgreiflichkeiten. Mit dem Erziehungsansatz der «Neuen Autorität» kann man solche Situationen vermeiden oder zumindest anders damit umgehen, sagt Doris Brodmann, die Ende Oktober für die Elternbildung Glarus über das Konzept referiert und Fragen dazu beantwortet.

«Kinder werden grösser, entdecken die Welt und suchen ihre Grenzen. In herausfordernden Erziehungssituationen ist es oft schwierig, gelassen zu bleiben», so Brodmann. Der Ansatz der «Neuen Autorität» biete hilfreiche Anregungen wie Erwachsene in eskalierenden Situationen gelassen und handlungsfähig bleiben und durch gelungene Deeskalation die Beziehung zum Kind und dem Jugendlichen stärken können.

Schweigen statt viele Worte

Das Konzept wurde von Haim Omer, einem klinischen Psychologen, in Israel entwickelt und baut auf dem Prinzip der elterlichen Präsenz auf. Respekt und Würde gelten als zentral leitende Werte. Die neue Autorität bietet Erwachsenen wichtige Anregungen, wie sie durch Präsenz auch in schwierigen Situationen ihre professionellen Handlungsmöglichkeiten erhalten und den Kindern und Jugendlichen Orientierung und Sicherheit bieten können.

Haim Omer hat den Ansatz – ursprünglich als gewaltfreien Widerstand bezeichnet – von Gandhi übernommen und in die Erziehung übertragen. «Ein wichtiger Punkt ist, sich nicht in Machtkämpfe zu verstricken. Mit der eigenen Reaktion warten, bis sich die Emotionen gelegt haben, ist essenziell, um keine Eskalation hervorzurufen», so Brodmann. Eine Verzögerung der Reaktion gibt Zeit, das eigene Handeln zu planen. Schweigen löst beim Gegenüber oft mehr aus als viele Worte.

Eltern fühlen sich allein gelassen

Eltern werden aufgefordert, Verhaltensänderung ganz konkret zu formulieren und diese mit den eigenen Werten zu verbinden. Eltern werden motiviert, ihrem Kind immer wieder die Botschaft zu vermitteln: «Ich bin hier und werde hierbleiben! Ich werde dir nicht nachgeben, und ich werde dich nicht aufgeben!»

Der Erziehungsansatz zielt auf eine Stärkung der Eltern innerhalb der Familie ab. Denn in den heutigen Kleinfamilien fühlen sich Eltern laut Brodmann mit ihren Schwierigkeiten oft alleine. Gerade über Schwierigkeiten wird nicht gerne gesprochen. Omer fordert die Eltern auf, die Geheimhaltung zu überwinden und sich Personen zu suchen, die sie unterstützen können. Mit Freunden, Verwandten, Lehrpersonen oder Nachbarn darüber zu sprechen, löse die Isolation und das Bilden von Bündnissen werde die Stellung der Eltern gegenüber dem Kind stärken.

Gegenseitiger Respekt

Doris Brodmann will in ihrem Vortrag «Autorität durch Beziehung – Wege aus dem Machtkampf» vermitteln, wie Erziehung und Begleitung auch in schwierigen Situationen möglich ist. Wie ein gegenseitig respektvoller Umgang in Familien gelingt und wie man reagieren kann, wenn Kinder die Familie im schlimmsten Fall sogar tyrannisieren.

Die Veranstaltung der Elternbildung findet am Dienstag, 22. Oktober, von 19.30 bis 21.30 Uhr, im Mehrzweckraum der Landesbibliothek in Glarus statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (eing/leo)

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