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Radeln gegen den Klimawandel

In St. Moritz ist die Aktion «I bike to move it» gestartet. Ziel ist die nationale Klima-Demo in Bern.

22.09.19 - 12:00 Uhr
Leben & Freizeit
Unterwegs für den Klimaschutz: Auf dem St. Moritzer Dorfplatz fahren die Sympathisanten der Aktion «I bike to move it» los in Richtung Bern.
Unterwegs für den Klimaschutz: Auf dem St. Moritzer Dorfplatz fahren die Sympathisanten der Aktion «I bike to move it» los in Richtung Bern.
ROLF CANAL

Nusstorte und Gipfeli bei strahlendem Sonnenschein, ein Platzkonzert vom lokalen Musiker Gianni Tschenett, Lachen und Plaudern – was nach einem geselligen Brunch tönt, ist der Auftakt zur Aktion «I bike to move it». Vor dem Gemeindehaus von St. Moritz haben sich an diesem Freitagmorgen rund 40 Personen mit ihren Fahr- rädern versammelt, darunter Jugendliche, zwei junge Familien, Politiker und Politikerinnen und natürlich die Initiantengruppe.

Vom Arzt bis zum Schüler

Die Velosternfahrt zur Klima-Demo nach Bern haben die zwei kleinen Organisationen «Per il clima Engadin» und «Vélorution Suisse» ins Leben gerufen. Inzwischen arbeiten dreizehn Organisationen mit. Über 400 Personen haben sich bereits für eine der 30 Velorouten angemeldet, täglich kommen neue Anmeldungen hinzu. Viele Sympathisanten werden nur ein Stück mitfahren, wie beispielsweise der Arzt Hansjörg Hosch. Er hat sich mit einem Velo Jahrgang 1938 der Gruppe angeschlossen und fährt bis Samedan mit – «weil Klima einfach DAS Thema ist».

Zehn Schülerinnen und Schüler der 9. Oberstufenklasse der Gemeindeschule St. Moritz fahren sogar bis zum Albulapass hoch. Laut Lehrerin Simone Jäger war die Teilnahme an dieser Aktion freiwillig. «Ich behandle den Klimaschutz immer wieder in der Schule, weil ich das Thema wichtig für die Zukunft der Jugendlichen finde», sagt Jäger. Dann halten sie und ihre Schüler für ein gemeinsames Foto mit den anderen Teilnehmern fröhlich Werbeplakate zur nationalen Klima-Demo vom 28. September in Bern in die Höhe.

Ein starkes Zeichen setzen

Die 33-jährige Selina Lucarelli und ihre drei Mitinitianten fahren die ganze Strecke von St. Moritz bis nach Bern mit dem Fahrrad. «Wir wollen mit einer lauten, bunten Velokarawane ein starkes Zeichen für den dringlichen Klimaschutz in der Politik setzen. Und wir wollen, dass die Leute wählen gehen», sagt Lucarelli.

Beim Stichwort Wahlen fällt der Blick auf einen Tisch, an dem Vertreter von gleich drei Parteien sitzen. FDP-Nationalratskandidat Michael Pfäffli ist gleichzeitig auch als Gemeindevorstand der Energiestadt St. Moritz anwesend. «Ich finde diese Aktion cool, denn es wird auf eine sympathische Art auf ein sehr aktuelles Thema aufmerksam gemacht», sagt er.

Sandra Locher Benguerel begleitet die erste Etappe bis Bergün offiziell für die Liste 9, welche sich für Klima und Fortschritt einsetzt. «Aber vor allem fahre ich aus persönlicher Überzeugung mit», betont die SP-Politikerin.

Der JGLP-Nationalratskandidat Lorenzo Heis ist mit seinem Fahrrad sogar auf verschiedenen Etappen von «I bike to move it» mit dabei. Die nationale Velosternfahrt sei für ihn eine gute Möglichkeit, mit vielen Leuten in Kontakt zu treten und sich mit ihnen zum Thema Klimaschutz auszutauschen. «Ich bin überzeugt, dass solche Aktionen eine Wirkung bei der Bevölkerung haben», meint er.

Damit die Welt schön bleibt

An einem anderen Tisch sitzt der Bündner Liedermacher Linard Bardill. Er fährt immerhin bis Samedan mit, wo er vor der Academia Engiadina das Lied «Gretta suna la trumbetta» zum Besten gibt. «Ich bin schon seit etwa 40 Jahren an diesem Thema dran. Ab und zu bin ich mehr Teil des Problems, und dann bin ich wieder mehr Teil der Lösung des Problems», sagt Bardill. Es lohne sich, zu überlegen, ob man jeden Tag Fleisch essen müsse, oder ob man mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug verreisen sollte. «Es lohnt sich auch, zu überlegen, ob man nicht wieder zusammenkommen muss, denn das ist auch Klima», meint Bardill.

Dann herrscht plötzlich Aufbruchstimmung. Die Velofahrer machen sich bereit. Irene Haller aus Trubschachen (BE) steht mit ihren Söhnen am Ende der Karawane bereit. Der sechsjährige Frank sitzt im Anhänger, der achtjährige Alex fährt selber. Das Ziel der Familie heisst Bern. «Damit unsere Welt schön bleibt, braucht es solche Generationen-übergreifende Aktionen», meint Haller. Dann ertönt von allen Seiten ein lautes Klingeln, und die Velos setzen sich in Bewegung – mitsamt Kartonplakaten, Fahnen und guter Laune.

Mehr Informationen: www.ibiketomoveit.ch

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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