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Magenschleimhautentzündungen und ihre Beschwerden

Beschwerden im Bauch betreffen uns alle von Zeit zu Zeit. Sie können vielseitige Ursachen haben und beinhalten organische Erkrankungen und funktionelle Störungen. Immer wieder geht man von einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) aus. Diese hat zwar grundsätzlich eine grosse Bedeutung, ist aber selten für stärkere Bauchschmerzen verantwortlich.

Südostschweiz
Montag, 16. September 2019, 00:00 Uhr Sponsored Content

Was ist eine Magenschleimhautentzündung?

Eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) ist eine entzündliche Veränderung der Magenschleimhaut, nicht der gesamten Magenwand. Diese kann akut oder chronisch verlaufen. Eine akute Magenschleimhautentzündung macht sich durch mäßig starke Beschwerden in der Magengegend und im Rücken, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit bemerkbar. Die chronische Magenschleimhautentzündung verläuft meist ohne Symptome oder macht lediglich durch unspezifische Oberbauchbeschwerden wie Aufstoßen auf sich aufmerksam. Sie entsteht, wenn der Schutzmantel der Magenwand beschädigt oder zu viel Magensäure vorhanden ist. Die Säure des Magens kommt dann in direkten Kontakt mit der Magenschleimhaut und schädigt die Schleimhautzellen, was eine Entzündungsreaktion des Immunsystems auslöst. Andere säurebedingte Oberbauchbeschwerden unterscheiden sich von der Magenschleimhautentzündung dadurch, dass sie normalerweise keine Magenschleimhautschädigung verursachen. Hierzu zählt die sehr häufige Refluxerkrankung mit Aufstoßen von Säure in die Speiseröhre mit Sodbrennen und Schmerzen hinter dem Brustbein.

Angeblich fast die Hälfte der über 50-Jährigen in den westlichen Ländern leiden an einer chronischen Magenschleimhautentzündung. Meist verlaufen diese chronischen Entzündungen jedoch völlig unbemerkt, das heisst ohne jegliche Beschwerden, können aber nachhaltige Folgen wie Vitamin Mangelsyndrome oder gar den Magenkrebs nach sich ziehen. Die häufigste Ursache (80%) einer chronischen Gastritis ist eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Andere Ursachen können Alkohol- oder Nikotinkonsum, Medikamente (z.B. Aspirin, nichtsteroidale Entzündungshemmer) oder schwere Erkrankungen mit körperlichem Stress sein. Eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen oder eine Strahlentherapie können ebenso eine plötzliche Entzündung auslösen. Nicht zu vergessen sind psychische und physische Belastungen. Eine Magenschleimhautentzündung heilt in vielen Fällen ohne bleibende Schäden, kann aber auch zu Magengeschwüren und als Komplikation zu lebensbedrohlichen Magenblutungen, einem Magendurchbruch oder Magenkrebs führen. Bei einem Magengeschwür kommt es zu einem Gewebedefekt bis in die tieferen Wandschichten des Magens. Da hier Nervenbündel liegen treten auch gehäuft, aber auch nicht immer, Schmerzen auf. Zur Klassifizierung der Entzündung sind deren Erkennung sowie die Definition ihrer Auslöser, wichtig. Hierzu sind Probenentnahmen mit feingeweblicher Untersuchung durch Pathologen unter dem Mikroskop und spezielle Laboruntersuchungen notwendig. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Therapie der Erkrankung und Überwachungsstrategien bei Auslösern, welche beispielsweise mit einem höheren Magenkrebs Risiko einhergehen. Die Darstellung der Magenschleimhaut mit Röntgenuntersuchungen und Ultraschall gelingt nur partiell. Eine Zuordnung der Magenerkrankung zu einem Auslöser gelingt hierdurch nicht oder nur sehr selten.

Deswegen ist die Magenspiegelung (Gastroskopie) die wichtigste Methode zu dessen Untersuchung. Hierbei wird die Schleimhaut der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarmes inspiziert. Weiterhin können hierbei Gewebeproben der Magenschleimhaut entnommen und untersucht werden sowie Therapien wie Blutstillung und Entfernung von Gewebe durch das Endoskop erfolgen.  Die Behandlung einer Gastritis hängt von ihrer Ursache und Schwere ab. Häufig hilft, eine Zeitlang auf Nahrung zu verzichten und sich anschließend durch Schonkost zu ernähren. Ausserdem helfen Medikamente, überschüssige Magensäure zu reduzieren oder mittels Antibiotika die Gastritis auslösenden Bakterien zu vernichten.

AUTOR
Dr. med. Henning Usadel
Facharzt Innere Medizin / Gastroenterologie
Leiter Gastroenterologie
Spital Schiers