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Ein Bad im Wald, für das es keine Badehose braucht

«Shinrin-yoku», eine Gesundheitstradition aus Japan, kommt als Trend nun auch in die Bündner Berge. Im surselvischen Waltensburg findet Ende der Woche das wohl erste Waldbaden-Retreat Graubündens statt.

Jano Felice
Pajarola
Montag, 09. September 2019, 04:30 Uhr Japanische Gesundheitstradition
Waldbaden – wirkungsvoll oder nur Marketing? Nicole Schwalda glaubt, dass ein Aufenthalt im Grünen entstresst und stärkt.
PRESSEBILD

Die Frage scheint nicht unberechtigt: Könnte man es nicht «bewusstes Spazieren im Wald» nennen? Immerhin redet sogar Coach Nicole Schwalda von «achtsam Sein in der Natur», wenn sie erzählt, was sie dieses Wochenende in Waltensburg tun wird, in einem Wald beim Hotel «Ucliva», als Leiterin eines in Graubünden neuartigen Retreats mit dem Titel «Waldbaden». Was, man ahnt es schon, nichts mit Badehosen und Wasser zu tun hat. Sondern mit einem Baden in der Atmosphäre des Waldes, in Japan als «Shinrin-yoku» schon seit langer Zeit Teil der Gesundheitstradition. So lernt man es jedenfalls, wenn man sich durch die vielen Websites klickt, die sich mittlerweile auch in Europa mit dem Thema beschäftigen. Aus der fernöstlichen Tradition ist ein westlicher Trend geworden, der seinen Weg jetzt auch nach Graubünden findet.

In Japan, erfährt man, gelte Waldbaden als Medizin, gefördert vom Staat via Forschungsprogramme, von Universitäten vermittelt in einer fachärztlichen Spezialrichtung. In Europa ist es noch nicht ganz so weit, es gibt aber immerhin auch schon Krankenhaus-Waldbadepfade, Kur- und Heilwälder oder Ausbildungsgänge zum Waldbadekursleiter. Zum Beispiel in Deutschland, wo der Begriff «Waldbaden» in verschiedenen Varianten bereits im staatlichen Markenregister zu finden ist.

Eine Vorliebe fürs Grüne

Was die medizinische Wirkung des Waldes angeht, stösst man, wen wundert’s, auf Studien dafür und dawider, einig ist man sich allerdings in einem Punkt: Der Mensch hat aus entwicklungsgeschichtlichen Gründen offenbar eine Vorliebe für grüne, baumbestandene Landschaften. Lichte Wälder, so die Assoziation, bieten Schutz, Wasser, Nahrung. «Das beruhigt uns», sagt Schwalda. In Waltensburg wird die in Kreuzlingen (Thurgau) lebende Deutsche mit ihren Kursbesucherinnen – mehrheitlich sind sie weiblich – «sehr entschleunigt, wach und mit offenen Sinnen» in den Wald eintauchen, um dort «wegzukommen vom Gedankenkarussell», wie sie es beschreibt. «Der Wald», erzählt sie, «hat mich zunehmend fasziniert, weil er mir Ruhe gegeben hat.» Das habe sie vor allem nach ihrem beruflichen Ausstieg als dem Burn-out nahe IT-Führungskraft festgestellt, auf einer Wanderung quer durch die Schweiz.

Grösster Erfolgsfaktor: Natur

Ja, gibt Schwalda zu, das Waldbaden werde gerade enorm vermarktet, auch sie verwende den Begriff, weil die Welle aus Japan herüberschwappe, «man will ja mit seinen Angeboten gefunden werden.» Ihre Tätigkeit in diesem Bereich sei aber entstanden, weil ihr das Waldbaden selbst gutgetan habe. «Nun gebe ich weiter, was bei mir so gut wirkt», meint sie. Entscheidend sei in ihren Retreats der Transfer in den Alltag: dort zu lernen, mit Stress entspannter umzugehen. «Der grösste Erfolgsfaktor ist aber sowieso die Natur, nicht meine Person.»

Der Wald, auch dazu gibt es einen Konsens, vermittelt mit seinen Gerüchen positive Kindheitserinnerungen – ein Argument fürs Waldbaden, das vielleicht auch bei Skepsis wirkt. Die Jagd notabene macht am Wochenende noch Pause. Die Datumswahl, sagt Schwalda, sei aber reiner Zufall.

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