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«Persönlich»: Hexen, Berggeister, Lebenswege

Die SRF-1-Radiosendung «Persönlich» ist gestern live aus Glarus gekommen. Beiden Gästen von Daniela Lager geht es um Berufung: Fridolin Elmer, Leiter des Anna-Göldi-Museums, um Gerechtigkeit. Schriftstellerin Daniela Schwegler um Frauen, die ihrer Berufung folgen.

Fridolin
Rast
Montag, 02. September 2019, 04:30 Uhr SRF-1-Radiosendung live aus Glarus
Fridolin Elmer, Daniela Schwegler und Daniela Lager (v.l.) unterhalten sich über ihre speziellen Lebensläufe.
FRIDOLIN RAST

«Sie haben eine Biografie wie eine Serpentinenstrasse», sagt Daniela Lager gestern in der Talksendung «Persönlich» zu Fridolin Elmer, der zuerst Hilfsarbeiter war und über viele Stationen zum Museumsdirektor geworden ist. Auch die Schriftstellerin Daniela Schwegler, zweiter Gast von Daniela Lager in Glarus, hat sich ihren Weg erkämpft – von der Gymnasiumsabbrecherin über Töpferlehre und Jus-Studium zur Schriftstellerin.

«Eine gute Biografie zeigt alles»

Schwegler liebt die Berge, sie war in Tadschikistan und Usbekistan. Genauso in der Fridolinshütte und auf dem Tödi. Sie schreibt über starke Frauen in den Bergen: Älplerinnen, Hüttenwartinnen, Bergbäuerinnen. «Mich faszinieren Frauen, die einer Berufung folgen», sagt Schwegler. Das sei neben ihrer eigenen Faszination für die Berge auch ihr Antrieb für das vierte Buch über Bergführerinnen. «Frauen waren lange ausgeschlossen von diesem Beruf», blickt sie zurück. Erst 1986 erhielt die Freiburgerin Nicole Niquille als Erste ihr Diplom.

Elfen und Berggeister gehören für Schwegler in eine Zeit, in der man vor allem Angst hatte vor den Bergen mit ihren Gefahren. Trotzdem glaubt sie an Übersinnliches, von der Wissenschaft nicht Erklärtes. An Hexen zu glauben, findet Fridolin Elmer dagegen schwierig. Haben doch Glaubensvertreter diese Frauen so stigmatisiert. Als Mahner für Gerechtigkeit sei er gelegentlich nicht sehr gern gesehen, sagt er auf die Frage nach Anna Göldi in der Glarner Geschichte. Aber: «Eine gute Biografie zeigt alles, sei es von einem Volk, einem Kanton oder einem Menschen. Wichtig ist, wie wir mit der Biografie umgehen.» Immerhin statistisch stehe Glarus mit Anna Göldi als einziger Hexe gut da: «Nidwalden hat 104 Personen wegen Hexerei umgebracht.»

Seinen eigenen Weg gehen

Im Kinderheim in Näfels, in das man ihn und die Geschwister gesteckt hat, habe er viel Schlechtes erlebt, erzählt Elmer aus seiner Vergangenheit. Vor allem habe die religiöse Erziehung durch die Nonnen den Kindern viel Angst und keinerlei Zärtlichkeit vermittelt. Und das Positive? «Wir haben viel Solidarität unter den Kindern gelernt.» Nach einem «chaotischen» Start und etlichen Stationen im Berufsleben ist er am Konservatorium Musiklehrer geworden. Und auch seine Geschwister haben «einen tollen Weg gemacht».

«Ich wollte immer meinen eigenen Weg gehen», sagt auch Daniela Schwegler. Sie habe fast nichts ausgelassen und bereue nichts. Ausser den Sorgen, die sie den Eltern gelegentlich machte.

Zum Nachhören: www.srf.ch/sendungen/persoenlich

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