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Aus Crack wurde Clam Chowder

Kolumnist Luca Brunner berichtet aus seiner Wahlheimat im Big Apple.

Linth-Zeitung
Montag, 12. August 2019, 04:30 Uhr New York, New York

von Luca Brunner*

Die Freiheitsstatue: das Symbol der amerikanischen Unabhängigkeit schlechthin. Irgendwie ist es erfrischend, dass die französische Madame auf der Liberty Island schon 23 männliche US-Präsidenten überlebt hat. Ob sie 2020 endlich einmal einer Geschlechtsgenossin nach dem Wahlsieg zuwinken wird, überlasse ich anderen politischen Orakeln. Anderer «Fun Fact»: Über 600 Blitze schlagen jährlich in die Statue ein. Doch auch diese Naturgewalten scheinen ihrer Schönheit nichts anhaben zu können. Deswegen habe ich regelmässig das Bedürfnis, meinen Blick über diese einzigartige Statue schweifen zu lassen. Mein Lieblingsort dafür ist der Louis Valentino Jr. Pier im Quartier Red Hook im Süden Brooklyns. Die touristischen Kursschiffe ab dem Battery Park in Manhattan hingegen sind mir ein Graus. Sollen die Touristen doch ihre Wartezeit bis zur Schifffahrt und Besichtigung mit improvisierten Selfie-Stick-Schwertkämpfen verbringen. Ich geniesse meine sowie die amerikanische Freiheit lieber ohne diesen Tumult, und zwar hier in Red Hook!

Wegen des lehmigen, rötlichen Bodens und wegen seiner speziellen Form erhielt das Quartier bereits im 17. Jahrhundert von holländischen Siedlern seinen Namen. Nach einer bewegten Vergangenheit, unter anderem als «Crack Capital of the United States», erlebt mein neues Lieblings-Naherholungsgebiet seit Jahren eine noch nie dagewesene Aufwertung. Zudem sieht man fast überall Wasser – ein Segen bei dieser Hitze! Red Hook ist umringt vom Gowanus Canal, der Gowanus Bay und dem Buttermilk Channel. 2012 fast in den Fluten des Hurrikans «Sandy» versunken, entwickelte sich Red Hook fortan zum Mekka für die Anbeter der Meeresküche. Das «Red Hook Lobster Pound» ist eine stadtbekannte Institution für Lobster Rolls, Clam Chow-ders und andere maritime Köstlichkeiten. Daneben stechen etwa die Strandbar «Brooklyn Crab», auf einem Jengaturm-ähnlichen Gebäude, oder die «Red Hook Winery» in einem alten Werftgebäude heraus. Das i-Tüpfelchen für Einrichtungs-Fans und Heimweh-Europäer: Der (aktuell noch) einzige Ikea in New York steht ebenfalls gleich um die Ecke. Kostenpunkt für eine Reise nach Red Hook: 2.75 Dollar mit der Fähre und das erst noch mit erfrischendem Fahrtwind. So, worauf warten Sie noch?

*Luca Brunner aus Rapperswil-Jona ist Journalist, Mitgründer zweier Politnetzwerke und passionierter Querdenker. Er lebt und arbeitet in New York.

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