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Das schlechte Gewissen allein reicht nicht

Letzte Woche war der «Earth Overshoot Day 2019». Die natürlichen Ressourcen, welche die Welt innert einem Jahr wiederherstellen kann, sind bereits Mitte Jahr aufgebraucht. Und trotzdem sehen wir nach Expertenmeinung die Notwendigkeit zu handeln noch zu wenig.

Südostschweiz
Donnerstag, 08. August 2019, 04:30 Uhr Psychologie beim Klimawandel
Von der Gletscherschmelze ist auch Graubünden betroffen.
ARCHIV

Trotz der grossen Bedrohung durch den Klimawandel tun wir uns schwer, Massnahmen zu ergreifen. Die Folgen von unserem Ressourcenverbrauch sind schleichend. Das Leben auf «Pump» können wir uns aber nicht mehr länger leisten. Ein schlechtes Gewissen bereitet das vielen, die konkreten Handlungen bleiben jedoch (zu) oft aus.

Gewohnheitstiere

Eine mögliche Erklärung für das schleppende Handeln hat Hans Jürg Casal, Neuropsychologe und Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden. «Ich würde sagen, dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind. So lange es uns gut geht, sehen wir die Notwendigkeit einer Umstellung nicht», erklärte er gegenüber Radio Südostschweiz.

Trotz des rasanten Wandels werden unsere Ressourcen schneller den je verbraucht. Eine Umstellung ist laut Casal wahrscheinlich verunsichernder als die Ankündigung des Klimawandels. Der Leidensdruck der Menschen ist also noch zu wenig gross.

Das Messer am Hals

Der Mensch handelt in vielen Fällen erst, wenn er das Messer am Hals hat. Dies sei nicht aussergewöhnlich in der menschlichen Psyche, erklärt Neuropsychologe Casal. «Je konkreter die Problemstellung ist, desto eher besteht auch die Notwendigkeit, Massnahmen zu ergreifen.»

Die beste Option, da sind sich auch viele Wissenschaftler und Klimaforscher einig, wäre jetzt zu handeln. Das Zuwarten kann nämlich gerade beim Klimawandel fatal sein. (nua)

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