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Ein Garten, zwei Klimata

Der Klimawandel bringt nicht nur Verlierer hervor. Das zeigt der «Klimagarten 2085», ein Experiment, das an der Evangelischen Mittelschule in Schiers durchgeführt wurde.

Seraina
Zinsli
Mittwoch, 03. Juli 2019, 04:30 Uhr Das Klimaexperiment

Wie sieht unsere Pflanzenwelt in der Zukunft aus? Das haben sich die Schülerinnen und Schüler des Schwerpunktfachs Biologie/Chemie an der Evangelischen Mittelschule Schiers (EMS) gefragt. Im Rahmen des Experiments «Klimagarten 2085» haben sie in den letzten Wochen vor den Sommerferien in zwei verschiedenen Gewächshäusern Klimaszenarien getestet, die den Klimawandel berücksichtigen (siehe unten). Das sollte einen Vergleich aufzeigen zwischen dem, was heute angepflanzt wird, und dem, was in Zukunft erwartet werden könnte. Jetzt wurde das Experiment beendet, und die Schüler sind zu ersten Erkenntnissen gekommen.

Klimagewinner und -verlierer

Marco Ackermann ist einer der Schüler, die das Projekt begleitet haben. Er hat während des Experiments die Kartoffel beobachtet. «Anfangs habe ich gedacht, es gebe keinen Unterschied, was die verschiedenen Standorte angeht. Mit der Zeit konnte man aber klar sehen, dass die Pflanze im 6,5 Grad wärmeren Gewächshaus schlechter gewachsen ist, als im drei Grad wärmeren», sagt er. Dies, weil die Kartoffel wärmeempfindlich ist. So sei das bestätigt worden, was in der Theorie vermutet worden war. Quinoa dagegen kann als sogenannte Klimagewinnerin eingestuft werden. Sie sei ziemlich gut gewachsen, findet Jenny Müller, die sich unter anderem mit Quinoa beschäftigt hat. «Ich war überrascht, dass sie sich so gut entwickelt hat.» Gut entwickelt hat sich auch die Melone, wie Alexander Doongaji sagt. «Ich würde sagen, die Melone könnte von einem wärmeren Klima profitieren.» So ein Ergebnis habe er aber erwartet, da die Melone eher aus einem subtropischen Gebiet komme.

Extremereignisse problematisch

Trotzdem: Den meisten Pflanzen des Experiments hat vor allem die Trockenheit zugesetzt, wie Manuel Voellmy, Biologielehrer an der EMS, sagt. Besonders Minze und Salat seien Klimaverlierer. «Aber mit diesem Ergebnis haben wir gerechnet.»

Was er aus dem Projekt mitgenommen habe, sei, dass die Wärme allein vielleicht gar nicht so schlimm sei, so Voellmy. «Doch wenn die Extremereignisse – lange Trockenperioden oder eine extreme Hitze wie in den letzten Tagen – zunehmen, könnte es dazu führen, dass wir nicht reagieren können.» Denn auch der «Klimagarten 2085» hatte mit der Hitze der letzten Tage zu kämpfen. In den Treibhäusern sei es extrem heiss geworden.

Einer von vielen Faktoren

«Zusammen mit den Vorträgen, die die Schüler gehört haben, konnten sie mit dem ‘Klimagarten 2085’ ein komplexeres Bild des Ganzen bekommen», so Voellmy. Die Temperaturveränderung sei nur einer von vielen Faktoren. «Auch Giftstoffe, die wir in die Natur setzen, oder das Meer, das wir leer fischen – es ist ein vielschichtiges Bild.» Das Wichtigste sei, dass man nicht nur einen Faktor sehe, sondern das Ganze. «Dann ist klar, dass wir irgendwie reagieren müssen.»

Das Klimaexperiment
In zwei Gewächshäusern wurden Klimaszenarien simuliert. In einem war die Temperatur auf der Sommermonate eingestellt. Das simulierte die Bedingungen, wenn die Treibhausgasemissionen in Zukunft reduziert würden. Im zweiten Gewächshaus war die Temperatur auf eingestellt, was die fortschreitende globale Erwärmung simulierte. (zis)

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