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Mani: «Wir bewegen uns auf einen Mangel zu»

Die Situation der Hausärzte im Kanton Graubünden könnte rosiger aussehen. Viele Ärzte bewegen sich auf das Pensionsalter zu und der Nachwuchs wird immer weniger. Ähnlich sieht es auch bei den Kinderärzten der Region aus.

Südostschweiz
Dienstag, 04. Juni 2019, 04:30 Uhr Kinderärzte in Graubünden
In Graubünden gehen wir laut dem Kantonsarzt auf einen Ärztemangel zu.
PIXABAY

Die Zahl der Hausärzte schrumpft und die Wartezeiten werden länger. Auch bei den Kinderärzten ist diese Tendenz sichtbar, wie der Bündner Kantonsarzt Martin Mani gegenüber Radio Südostschweiz bestätigt.

Herr Mani, wie beurteilen Sie die Situation der Bündner Kinderärzte?

Grundsätzlich ist sie nicht anders als bei den Hausärzten. Haus- und Kinderärzte sind medizinische Grundversorger. Es stimmt, dass wir in Graubünden, wie auch in vielen anderen Regionen der Schweiz in den letzten Jahren viele Ärzte verloren haben. Dies liegt vor allem am Alter. Der Nachwuchs kann diesen Abgang nicht kompensieren. 

Es liegt auch an der häufigen Spezialisierung der Ärzte. Die Einkommenssituation der Spezialisten ist besser als jene der Grundversorger. Das Einkommen in Graubünden im Vergleich zur restlichen Schweiz ist sowieso eher im niedrigen Bereich.

Auch wollen immer mehr junge Leute Teilzeit arbeiten. Früher haben mehr Leute Vollzeit gearbeitet. Dies sind nur einige der Gründe, die man aufzählen könnte.

Wie ist die Verteilung der Kinderärzte innerhalb des Kantons?

Kinder machen anzahlmässig nicht einen grossen Anteil der Bevölkerung aus. Die Ärzte brauchen eine gewisse Anzahl Patienten, welche sie versorgen müssen. Das führt, wie bei anderen Spezialisten, dazu, dass die Ärzte vor allem im Churer Rheintal und anderen Zentrumsorten wie Ilanz oder Thusis zu finden sind. In den noch ländlicheren Gebieten finden sie keine oder fast keine Kinderärzte.

Wie wird sich das in Zukunft entwickeln?

Mittelfristig sieht die Kinderärztesituation eher düster aus. Denn die Ausbildung der jungen Ärzte zu Kinderärzten ist sehr knapp. Dazu kommen sehr viele Kinderärzte, die sich sehr schnell dem Pensionsalter nähern. Es ist zu befürchten, dass sich die medizinische Grundversorgung im Kanton immer schwieriger gestalten wird.

In den letzten Jahren haben zwar wieder mehr Personen die Ausbildung zur Grundversorgung, also Haus- oder Kinderarzt, begonnen. Bis man das aber im Berufsalltag merkt, wird es noch einige Jahre dauern.

Würden Sie die aktuelle Situation als Mangel bezeichnen?

Mangel kann man natürlich verschieden definieren. Ich glaube, wir sind auf dem Weg zum Mangel. Ich bin der Meinung, dass in Graubünden alle Kinder und Erwachsenen, welche eine medizinische Grundversorgung brauchen, einen Arzt finden. Die Tendenz ist aber abnehmend. Und der Mangel zunehmend.

Was sagen die Kinderärzte selbst zu dieser Situation?

Die Situationen sind gerade beim Gesundheitsamt ein grosses Thema. Es gibt jedoch keine kurzfristigen und direkten Eingriffsmöglichkeiten. Die Diskussionen beschränken sich daher auf allgemeine Punkte und Anliegen der Ärzte. Das Grundthema bewegt sich daher eher auf nationaler Ebene. (nua)

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