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Im Nationalparkzentrum ist der Wolf los

Kaum ein Tier schürt so viele Ängste und weckt so viele Sehnsüchte wie der Wolf. Die aktuelle Sonderausstellung «Der Wolf ist da» im Nationalparkzentrum ist auch eine Menschenausstellung.

03.06.19 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Im Fokus: Die Sonderausstellung widmet sich dem Rudeltier Wolf.
Im Fokus: Die Sonderausstellung widmet sich dem Rudeltier Wolf.
SNP

Der Wolf ist ein Raubtier, das Wild und Schafe tötet. Der Wolf ist aber auch ein Forschungsobjekt, das in Fotofallen tappt. Und er fasziniert als Rudeltier mit seinem sozialen Wesen. Das Verhältnis des Menschen zum Wolf ist seit Jahrtausenden geprägt von Respekt, Ängsten und Faszination. Die aktuelle Sonderausstellung dazu, «Der Wolf ist da. Eine Menschenausstellung», ist vor wenigen Tagen eröffnet worden.

Gemäss Beat Hächler, Direktor des Schweizerischen Alpinen Museums in Bern, bietet diese Ausstellung neben Fakten und Zahlen eine unkonventionelle Annäherung an den Wolf – jenseits der Debatte von «gut» oder «böse». «Die Rückkehr des Wolfs in die Schweiz betrifft uns alle», heisst es in einer Medienmitteilung des Schweizerischen Nationalparks. Sie betreffe uns ganz direkt oder durch die damit verbundenen Diskussionen um das Verhältnis zwischen Stadt und Land, um Ökologie, Sicherheit, Natur und Kultur.

Ein Thema und viele Stimmen

Die Ausstellung lässt unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Sichtweisen sprechen: Acht Personen aus verschiedenen Berufsfeldern geben dem Wolf acht Stimmen. So kommen etwa ein Wildhüter und ein Schwarznasenzüchter aus dem Wallis, eine Tierpräparatorin oder eine Hirtin zu Wort.

An der Vernissage berichtete Nationalparkdirektor Heinrich Haller auch über die aktuelle Situation des Wolfs im Schweizerischen Nationalpark und dessen Umgebung. Seit Ende 2016 hält sich das Weibchen F18 im Ofenpassgebiet und im angrenzenden Unterengadin auf, wo es bisher 19-mal genetisch nachgewiesen werden konnte. Eine Verpaarung mit einem Rüden fand in den vergangenen zwei Jahren nicht statt. Trotzdem darf laut Haller eine definitive Besiedlung der Nationalparkregion durch den Wolf in nächster Zeit erwartet werden.

Kein Einfluss auf den Wildbestand

Diese Entwicklung bedeutet nicht nur einen weiteren Schritt in Richtung der Wiederherstellung des natürlichen Artenbestands, sondern fördert sogar die natürliche Entwicklung des Nationalparks. Dies schreibt auch das Nationalparkgesetz vor. Dazu gehört die Erforschung der neu in Gang kommenden Beziehungen zwischen dem Wolf und seinen Beutetieren. «Rissfunde und Kotanalysen belegen, dass Rothirsche, Rehe und Gämsen die Hauptnahrung des Wolfs ausmachen; eine Einflussnahme auf die Bestände und das Verhalten dieser Huftiere konnte bisher allerdings nicht festgestellt werden», heisst es in der Mitteilung.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

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