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Auf den Spuren Bündner Instagrammer

Sich eine Reise kreuz und quer durch Island zusammenstellen, tausende Fotos machen und am Ende noch Geld dafür bekommen. Was nach einem lockeren Flohnerleben klingt, ist das Geschäft des «The Alpinists»-Kollektiv. Mittendrin auch drei Bündner.

Bernhard
Aebersold
Montag, 03. Juni 2019, 04:30 Uhr Kann man mal machen

Von Instagrammern kann man halten was man will, aber für die Werbebranche erreichen junge Menschen mit vielen Followern eine für herkömmliche Unternehmen kaum noch zu erreichende Zielgruppe. Deshalb gehen Unternehmen regelmässig Kooperationen mit jungen Instagrammern ein, die Inhalte für die eigenen Social Media-Kanäle generieren. Diese sind aber längst nicht mehr alleine unterwegs. 

Elf junge Fotografen aus der ganzen Schweiz haben sich zusammengeschlossen und das «The Alpinists»-Kollektiv gegründet. Dem Kollektiv gehören mit Roman Flepp, Marco Bäni und Jannis Richli auch drei Bündner an. Gemeinsam verbindet sie die Leidenschaft zur Fotografie und zusammen erreichen sie beinahe eine Million Menschen. Das generiert auch in der Werbebranche Aufmerksamkeit!

Enorme Freiheiten

Für das Online-Reisebüro Ebookers wurde das Fotografen-Kollektiv für die Umsetzung einer Kampagne angefragt. «Fünf von uns konnten eine Reise nach Island nach unseren Bedürfnissen zusammenstellen, um möglichst aussagekräftige Bilder zu schiessen,» erklärt Fotograf Kai Grossmann, der im April an der Reise teilgenommen hat. Ziel der Kampagne war es zu zeigen, wie indiviudell mit dem Onlineportal gereist werden kann. «Im Vorfeld erstellten wir eine Kampagne und planten wann wir wie lange an welchen Orten sein wollten und präsentierten dann das Ganze den Verantwortlichen, die von der Geschichte überzeugt waren. In der Planung und Umsetzung waren wir völlig frei und bekamen kaum Auflagen.» 

Aus 20 Stunden werden 2 Minuten

Von der Reise produzieren die Instagrammer Inhalte, die das Reiseportal schliesslich auf ihren Social-Media-Kanälen und ihrer Website ausspielen kann. Aus 15 bis 20 Stunden Videomaterial resultieren nach einer zweiwöchigen Bearbeitungszeit zwei Videos mit einer Dauer von 2-3 Minuten. Lohnt sich dieser Aufwand? «Definitiv,» sagt Grossmann. «Wir sind genau die Zielgruppe, die das Portal mit solchen Inhalten ansprechen will und da der Inhalt selbst von dieser Zielgruppe entstanden ist, dürfte die Rechnung sowohl für uns, als auch für den Auftraggeber aufgehen.»

«Keine 0815-Spots»

Vor dem Hintergrund der aufkommenden Problematik des sogenannten Instagram-Tourismus sind solche Reisen auch kritisch zu betrachten. Atemberaubende Fotos ziehen jeweils Scharen von Touristen nach sich, die für die lokale Bevölkerung zur Belastung werden können. «Auf unseren Fotos geben wir meistens nicht den genauen Standort an, wo das Foto gemacht wurde,» betont Grossmann. Für ihn und sein Kollektiv gehört die Recherche von neuen geeigneten Foto-Spots genauso zur Fotografie dazu, wie den Auslöser zu drücken. Deshalb bewegen sie sich auf ihren Reisen oft auf entlegenen Pfaden, abseits der Touristenströmen.

Auch wenn die Umsetzung einer solchen Kampagne nach einem Flohnerleben klingt, stecke am Ende doch ein erstaunlicher Effort dahinter, den man bei der Betrachtung einzelner Bilder nicht erwartet. 

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