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Organspende: 60 Prozent äussern sich nicht

Seit gut einem halben Jahr kann man sich auf «swisstransplant.ch» für oder gegen eine Organspende aussprechen. Bisher haben sich schweizweit etwas über 50'000 Menschen registriert. Im Kanton Graubünden sind es rund 1000.

Bettina
Cadotsch
Montag, 08. April 2019, 04:30 Uhr Zwischenbilanz Organspende-Register
Dank des Fortschritts in der Medizin können Organtransplantationen immer erfolgreicher durchgeführt werden.
OLIVIA ITEM

Das nationale Organspenderegister bietet jedem die Möglichkeit, sein Entscheid für oder gegen eine Organspende festzuhalten. Das Register ist eine moderne Lösung für die bisherige Spendenarte. Eine solche Registrierung hat zum Ziel, Gewissheit für sich selbst, für die Angehörigen und für Spitalpersonal zu schaffen.

Seit Oktober 2018 ist es aufgeschaltet und verzeichnet per Ende März 51'803 Eintragungen. Darunter befinden sich auch 1218 Menschen aus Graubünden. Damit verzeichnet der Kanton Graubünden eine höhere Registrierungsfrequenz als viele andere Deutschschweizer Kantone – nämlich 0,6 Prozent. Franz Immer, Präsident von Swisstransplant führt diese Zahlen auf folgendes zurück: «Einerseits ist die Medienunterstützung gross, andererseits unterstützt das Kantonsspital Graubünden das Register sehr stark». Sie würden stets feststellen, dass die Registrierungen eindrücklich ansteigen, sobald ein Beitrag in der Öffentlichkeit erscheint, führt Immer weiter aus.

Frauen spenden eher als Männer

Auf der einen Seite ist Immer zufrieden mit dem Stand, weil solche Aktionen Zeit brauchen. Auf der anderen Seite hätte er sich dennoch gewünscht, dass der Anteil registrierter Menschen nicht mehr unter einem Prozent der Schweizer Bevölkerung liegt.

Von den Registrierten seien 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. Auffallend sei, dass sich vor allem junge Frauen registriert haben. «Männer sind eher «Mürgus», wie man es auf Berndeutsch sagt.» Also eher konservativ und weniger offen für Neues. «Ich glaube Frauen interessieren sich auch etwas mehr für solche Themen», so Immer weiter. Er hofft, dass sich in Zukunft alle Altersgruppen registrieren. Denn bis auf ein aktives Krebsleiden - welches in den meisten Fällen eine Organspende verunmöglicht - können alle Personen spenden, welche im Spital nach Hirntod oder infolge eines Herzstillstandes versterben. Bei geheilten Patienten ist eine Organspende nach fünf tumorfreien Jahren wieder möglich. 

Die Schweiz soll nachziehen

Im Herbst 2017 wurde eine Volksinitiative zur Förderung der Organspende lanciert. Das klare Ziel der Initiative ist eine Verfassungsänderung, die jeden Erwachsenen im Todesfall zum potenziellen Organspender macht – es sei denn, er hat seinen Widerspruch in ein offizielles Register eingetragen. Mit diesem Verfahren würde die Schweiz den europäischen Ländern Österreich, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien und Niederlande folgen – um nur einige zu nennen. Gemeinsam mit Deutschland ist die Schweiz noch eines der einzigen Länder, welches nicht die «vermutete Zustimmung» eingeführt hat. Gemäss Immer ist die geführte politische Debatte sehr wichtig: «Grundsätzlich ist es der Weg, den wir gesellschaftlich diskutieren müssen, um die Spenderzahlen zu erhöhen und uns auf das Niveau der Nachbarländer zu bringen».

Jährlich sterben 100 Menschen

In der Schweiz warten zurzeit 1412 Menschen auf ein neues Organ (Stand: Dezember 2018). Und jährlich sterben etwa 100 Personen, weil ihnen kein passendes Organ zugeteilt werden konnte. Der Fakt, dass sich in der Schweiz 60 Prozent der Bevölkerung nicht über die Organspende äussert, sei beachtlich, so Immer. Grundsätzlich sei das Thema Organspende eine Frage der Solidarität. Man wisse, dass rund 80 Prozent für die Organspende und etwa 15 Prozent gegen die Organspende sei. Die Widerspruchslösung gebe allen Menschen eine Plattform. Denen, die bereit wären zu spenden und denen, die ablehnend gegenüber der Organspende stehen. Für Immer ist es auch ein wenig eine Güterabwägungsfrage. «Wenn man jährlich 100 Tote hat, weil sich viele Menschen nicht entscheiden, sollte man sich schon fragen, ob man das ändern sollte». Der Grossteil von Europa habe sich dafür ausgesprochen und Immer hofft, dass Schweiz eines der nächsten Länder ist. 

Eine Geschichte, die ans Herz geht
Vor einigen Jahren hat «Südostschweiz»-Redaktorin Denise Erni ein Paar aus Igis auf ihrem Weg begleitet und war unter anderem bei Untersuchungen und der Nierentransplantation hautnah dabei. Eindrückliche Aussagen, Bilder und Emotionen sind dabei zum Ausdruck gekommen.

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