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Diese Bündnerinnen kämpften für die Rechte der Frauen

Diese fünf Bündnerinnen müsst Ihr kennen(lernen). Denn sie haben für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gekämpft – die erste vor mehr als 300 Jahren.

Kristina
Schmid
Freitag, 08. März 2019, 04:30 Uhr Weltfrauentag
Vor 50 Jahren, am 1. März 1969, demonstrierten rund 5000 Frauen und Männer für das Frauenstimm- und -wahlrecht.
KEYSTONE

Es waren viel mehr als fünf Frauen, die sich Jahre und Jahrzehnte für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt haben – oder es noch immer tun. Und es waren bestimmt Tausende von Frauen, die in der ganzen Schweiz und auch in Graubünden für ihr Stimm- und Wahlrecht kämpften. 

Wir haben fünf ausserordentliche Frauen ausgesucht, die wir Euch anlässlich des internationalen Tages der Frau hier an dieser Stelle näher vorstellen möchten. Drei davon waren Vorreiterinnen in ihrem Kampf für Gleichberechtigung von Mann und Frau. Eine hat mit einem kleinen und doch grossen Schritt dafür gesorgt, dass Frauen unter besseren Umständen medizinisch behandelt werden. Und eine lebt noch heute; Und kann ein Vorbild für die Frauen von heute und morgen sein.

1. Die «kluge Schlange»

Hortensia von Salis (1659-1715)
PRESSEBILD

Sie war die erste Bündner Kämpferin für die Rechte der Frauen: Hortensia von Salis. Sie wurde 1659 geboren, heiratete früh, studierte, arbeitete erfolgreich als Naturärztin. Leute aus fernen Ländern reisten nach Maienfeld, um sich von ihr behandeln zu lassen.

Neben der Medizin galt ihr Engagement den Frauen: In ihren beiden Büchern verlangte sie Gleichberechtigung von Mann und Frau – nur in den Worten der damaligen Zeit. So wandte sie sich in ihrem ersten Buch gegen die den Frauen auferlegte Pflicht, sich des Denkens zu enthalten. In ihrem zweiten Werk legte sie mit dem Inhalt den Grundstein, Frauen das Recht auf Bildung und Handlungsraum in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Bei ihren Kritikern kamen diese Forderungen nicht gut an. Sie widersprachen ihr und nannten von Salis eine «kluge Schlange». Daran gehindert, sich auch weiter für die Gleichberechtigung der Frauen einzusetzen, hat sie das freilich nicht.

2. Die Unterdrückte

Meta von Salis-Marschlins (1855-1929)
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Sie war eine der mutigsten Vorkämpferinnen für die Rechte der Schweizer Frau: Meta von Salis-Marschlins. Sie wurde 1855 geboren, wollte irgendwann studieren. Doch ihr Vater verweigerte ihr Bildung und ein Studium. «Aber nicht nur mein Vater, fast alle Männer, mit denen ich bis zu meinen 24. Jahren in Berührung kam, dachten der Frau eine Stellung zu, die ich ihrer, beziehungsweise jedenfalls meiner, unwürdig fand. (...) So bin ich denn eigentlich in der Opposition gegen den Mann gross geworden.»

Sie nahm in Deutschland eine Stelle an, finanzierte sich damit ihr Studium. 1887 schloss sie die Dissertation mit «magna cum laude» ab. Sie war die erste Doktorandin von Graubünden. Und hielt als erste Frau in der Schweiz öffentlich fest: «Stimmrecht und Wahlfähigkeit kommt ihr zu.»

3. Die Wohltäterin

Villa Fontana
Villa Fontana beim Kantonsspital Graubuenden.
YANIK BÜRKLI

Sie war eine der grössten Stifterinnen in Chur: Anna von Planta (18581934). Sie setzte sich nicht für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Sie setzte sich auch nicht für ein Stimm- und Wahlrecht der Frauen in der Schweiz ein. Aber sie verbesserte die Situation von vielen Frauen im Kanton mit einer Wohltat.

Denn: Anna von Planta gehörte eine Villa im Lürlibad in Chur. Im dazugehörigen Nebengebäude liess sie ein Erholungsheim für Kinder aus armen Verhältnissen einrichten. 1916 schenkte sie beide Bauten dem Kantonsspital Graubünden zur Errichtung einer kantonalen Gebäranstalt und Frauenklinik. Im alten, roten Haus konnten seit 1917 Frauen ihre Kinder unter besseren Umständen zur Welt bringen.

4. Die Unnachgiebige

Elisabeth Lardelli (1921–2008)
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Sie war die wichtigste Vorkämpferin für die politischen Rechte der Frauen in Graubünden: Elisabeth Lardelli. Sie war die erste Frau, die in Graubünden das Bündner Anwaltspatent erhielt. Als Anwältin setzte sie sich für die Besserstellung der Frauen im Ehe- und Erbrecht ein.

Sie war neben Ida Derungs und Lisa Bener eine der ersten Bündner Grossrätinnen. In ihrer Rolle als Politikerin engagierte sie sich stark für das Frauenstimmrecht. «Frauen müssen sich selber wehren. Sie können nicht erwarten, dass das jemand anders für sie tut.» Das war ihre Devise.

1978 formulierte Lardelli in einer Motion einen Gesetzespassus, der die politische Diskriminierung der Frauen in den Gemeinden verbot. Sie brachte den Antrag durch. Es war der entscheidende Schritt, der das Frauenstimm- und -wahlrecht neben Kantons- auch auf Gemeindeebene ermöglichte. «Ich bin eine Schneeschneuze. Ich habe gepfadet für die Frauen», sagte sie damals.

Lardelli war auch die erste Bündner Nationalrätin.

5. Die Zurückhaltende

Eveline Widmer-Schlumpf (*1956)
Marco Hartmann

Sie kämpft für die Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, indem sie diese vorlebt: Eveline Widmer-Schlumpf. Sie war die erste Bündner Notarin, sie war die erste Bündner Kreispräsidentin und sie war auch die erste Bündner Regierungsrätin, die bewiesen hat: Frauen können auch Zahlen.

1999 übernimmt sie das tief verschuldete Finanzdepartement. Sieben Jahre später präsentierte sie einen Überschuss von 121 Millionen Franken, den besten Abschluss in der Geschichte des Kantons. Sie zeigt: Was Mann kann, kann Frau genauso gut – oder besser.

Doch Widmer-Schlumpf setzt sich nicht zusätzlich und öffentlich für Frauenanliegen ein. Denn sie ist überzeugt: «Jede Frau, die will und kann, hat heute die Möglichkeit ihren Weg zu gehen.»

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