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Bündner Schüler mobben immer mehr im Internet

Ein schwerer Mobbing-Fall hat in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt: Ein Mädchen in Zürich wurde von ihren Mitschülern in der Schule und im Klassenchat so heftig gemobbt, dass sie nicht mehr leben wollte. Auch in Graubünden ist Mobbing ein Thema.

Südostschweiz
Mittwoch, 06. März 2019, 04:30 Uhr Prävention ist entscheidend
Mobbing in den Sozialen Medien hat oft schwerwiegendere Folgen als Mobbing im realen Leben.
SYMBOLBILD PIXABAY

«Leider ist Mobbing auch in Graubünden sehr verbreitet», sagt Georges Steffen, der Abteilungsleiter des Schulpsychologischer Dienstes Graubünden. Die Zahlen aus Untersuchungen würden variieren, doch werden in etwa 15 Prozent aller Schüler während ihrer Schulzeit einmal gemobbt. Das sind im Durchschnitt ein bis zwei Kinder pro Klasse über die ganze Schulzeit gesehen.

Seit den 1990er-Jahren ist der Begriff Mobbing in Graubünden angekommen, sagt Steffen weiter. In den Nullerjahren sei das Thema dann schliesslich gross aufgegriffen worden. «Über längere Zeit hinweg jemanden fertigmachen und blossstellen hat sich schliesslich auch in den virtuellen Raum verlagert», sagt Steffen und spricht damit das Mobbing im Internet und dort vor allem in Sozialen Medien, das Cybermobbing, an. Dass ausschliesslich in der realen oder nur in der virtuellen Welt gemobbt werde, komme heute selten vor. «Häufig ist es eine Kombination aus beidem.» Cybermobbing sei jedoch besonders heftig, da sich die Betroffenen nur schlecht wehren können.

Auswirkungen von Cybermobbing gravierender

Die Folgen des Mobbings können gravierend sein. Betroffene können depressive Verstimmungen oder gar Depressionen bekommen. Das Selbstwertgefühl wird vermindert und es kann zu Angstzuständen kommen. Studien zeigen, dass Opfer von Cybermobbing öfters unter Depressionen leiden als andere Mobbingopfer. «Im Erwachsenenalter kann auch ein häufiger Jobwechsel oder Arbeitslosigkeit die Folge von Mobbing sein», so Steffen. Mobbing sei keine Momentaufnahme, die irgendwann erledigt sei. Immer wieder liest man auch von Suizidversuchen und sogar Suiziden, die durch Cybermobbing ausgelöst wurden.

Mobbing zu verhindern ist deshalb wichtig. Die wichtigste Person bei der Prävention sei jeweils der Lehrer oder die Lehrerin, erklärt Steffen. «Wenn die Schüler ihrer Lehrperson vertrauen, dann wenden sie sich rasch und rechtzeitig an sie.» Der Schulpsychologische Dienst unterstützt die Lehrer und Schulen bei der Prävention und mittlerweile ist das Thema Cybermobbing sogar im Lehrplan verankert. Die Schulsozialarbeit und auch der Jugenddienst der Kantonspolizei sind diesbezüglich präventiv tätig. «Betroffene Schüler sollen wissen, dass es verschiedene Anlaufstellen für sie gibt», sagt Steffen.

Oft kann erst spät eingegriffen werden

Wie im Falle der Zürcher Schülerin, findet Cybermobbing oft in geschlossenen Räumen, etwa WhatsApp-Gruppen, weg von den Augen der Eltern oder offiziellen Stellen, statt. Das macht ein frühzeitiges Eingreifen schwierig. «Häufig kann man offiziell erst dann reagieren, wenn jemand konkrete Symptome zeigt und beispielsweise nicht mehr in die Schule geht», sagt Steffen. Eben deshalb sei die Prävention so wichtig.

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