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Bündner Patienten sollen nicht bis Zürich oder Basel reisen müssen

Diese Woche fand der internationale Tag der seltenen Krankheiten. Selten sind jedoch nur die einzelnen Krankheiten an sich, alle zusammen sind sie äusserst zahlreich. Auch im Kantonsspital Graubünden trifft man immer wieder auf Patienten, die mit einer seltenen Krankheit zu kämpfen haben.

Seraina
Zinsli
Samstag, 02. März 2019, 04:30 Uhr Internationaler Tag der seltenen Krankheiten
Das Kantonsspital soll eine Zentrumsfunktion einnehmen.
KANTONSSPITAL GRAUBÜNDEN

Als Zentrumsspital der Südostschweiz gehört es dazu, dass auch im Kantonsspital Graubünden Patienten mit seltenen Krankheiten diagnostiziert und behandelt werden können. So gibt es bis zu 30 verschiedene Fachbereiche, die automatisch mit Patienten mit seltenen Krankheiten zu tun haben.

Die Seltenheit der einzelnen Erkrankungen kompliziert aber die Forschung und erschwert die Diagnose und medizinische Versorgung, wie das Bundesamt für Gesundheit schreibt. Auch im Kantonsspital Graubünden gibt es mehrere Fälle pro Jahr. Deshalb sei manchmal eine Expertise von Zentren nötig, die solche Patienten häufiger antreffen, sagt Thomas Fehr, Chefarzt und Departementsleiter Innere Medizin. «Die Zusammenarbeit mit anderen Zentren und anderen Spitälern ist dabei das A und O.»

In der Schweiz und in Europa gilt eine Krankheit als selten, wenn sie höchstens fünf von 10’000 Personen betrifft. So definiert das Bundesamt für Gesundheit die Häufigkeit von seltenen Krankheiten. Die Zahl der von einer einzelnen Krankheit betroffenen Menschen ist zwar tief, da es aber 7000 bis 8000 solcher Krankheiten gibt, dürften rund sieben Prozent der Bevölkerung betroffen sein.

Lange Reisen bedeuten eine Hürde

Was im Kanton Graubünden für Patienten erschwerend dazu kommt, ist die geografische Zerstückelung des Kantons. Denn um von Scuol nach Chur zu gelangen ist eine lange Reise und bedeutet, eine Hürde für Patienten, die für eine Behandlung oder eine Konsultation ins Kantonsspital reisen müssen. Noch schwieriger ist es für die Patienten, wenn dieser Weg noch weiter, beispielsweise nach Zürich, Basel oder St. Gallen führt.

«Deshalb kämpfen wir dafür, dass wir hier in Chur eine Zentrumsfunktion aufbauen können, damit Patienten nicht zwingend beispielsweise vom Engadin oder dem Oberland nach Zürich fahren müssen», so Fehr. «Wir bemühen uns, für die Region ein Kompetenzzentrum zu werden.» Das werde nicht für alle Fachbereiche möglich sein, aber für solche, die im Kantonsspital eine gewisse Grösse haben.

Es braucht interessierte Fachspezialisten

«Für ein Kompetenzzentrum braucht es Fachspezialisten, die sich für so ein Gebiet interessieren und sich nachher entsprechend überregional vernetzen», sagt Fehr. Weiter müsse es eine «relevante» Anzahl an Patienten geben, denn wenn es sich beispielsweise um ein Krankheitsbild handle, welches das Kantonsspital Graubünden nur alle fünf Jahre sehe, dann könne es kein Zentrum dafür werden – so könne keine Erfahrung aufgebaut werden. «Aber wenn es eine Krankheit ist, die wir jedes Jahr zwei bis drei Mal sehen, und diese Patienten über Jahre hinweg von uns betreut werden, dann kommt die Expertise zusammen», schliesst Fehr ab. 

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