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Volkszählung gibts für Romanen nur von Hand

Die jährliche Volkszählung in der Schweiz ist online in vier Sprachen verfügbar. Keine davon ist Romanisch. Das stösst der Lia Rumantscha sauer auf, auch weil «der dreisprachige Kanton Graubünden zu wenig sensibilisiert» sei. Eine Lösung soll nun aber kommen.

Südostschweiz
Mittwoch, 06. Februar 2019, 04:30 Uhr Keine Online-Version
Nehmen Roman an der jährlichen Volkszählung teil, können sie das nur von Hand. Ein romanisches Online-Formular gibt es nicht.
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Seit dem Jahr 2010 führt das Bundesamt für Statistik jährliche Volkszählungen durch. Dies ist möglich, weil es zum einen keine Vollerhebung, sondern eine Stichprobenbefragung bei rund drei Prozent der Bevölkerung ist, und zum anderen, weil die Erhebung primär online geschieht – ausser für die Rätoromanen. Sie müssen den Fragebogen noch immer ausschliesslich von Hand ausfüllen, wie ein Beitrag in der Sendung Schweiz aktuell von SRF zeigt. Das Online-Formular existiert auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch aber nicht auf Romanisch.

Ein Umstand, der der Sprachorganisation Lia Rumantscha sauer aufstösst, ihren Generalsekretär Martin Gabriel aber nicht allzu sehr überrascht, wie er im SRF-Beitrag sagt: «Es ist ein Déjà-Vu. Das gibt es immer wieder einmal. Wir müssen uns aber fragen: ‹Warum ist das denn so?›».

Die Gründe dafür findet man beim Bundesamt für Statistik (BfS), das für die Volkszählung verantwortlich ist. Dessen Abteilungschef Bevölkerung und Bildung, Markus Schwyn, nennt als einen Grund die enorm umfangreichen Auswahlmöglichkeiten im Online-Formular: «Wir führen zum Beispiel eine Liste von 21'000 Berufen, die nicht auf Romanisch übersetzt ist.» Als man damals das Online-Formular entwickelt habe, habe man sich entschieden auf diese Übersetzung zu verzichten, weil der Aufwand gemessen an der romanisch-sprachigen Bevölkerung als sehr hoch eingeschätzt worden sei.

Im Beitrag von «Schweiz aktuell» kritisiert die Lia Rumantscha das geltende System. QUELLE: SRF.CH

Der damalige Entscheid wurde gemeinsam mit dem Kanton Graubünden gefällt. Dort ist Patrick Casanova der zuständige Leiter Statistik im Amt für Wirtschaft und Tourismus. Er sagt: «Vor zehn Jahren wurde der grosse Teil der Fragebogen noch nicht online, sondern von Hand ausgefüllt.» Natürlich wäre es wünschenswert, dass immer alles auch auf Romanisch verfügbar und möglich wäre. Aber, es ist gewährleistet, dass man die Volkszählung auf Romanisch machen kann.

Mit diesen Begründungen gibt sich die Lia Rumantscha aber nicht zufrieden. Generalsekretär Gabriel sagt: «Es erstaunt, dass ausgerechnet der dreisprachige Kanton Graubünden, wenn es um das Romanische geht, nicht genügend sensibilisiert ist.» Aber jetzt gehe es um die Zukunft, und da sei die Lia bereit Hand zu bieten, um gemeinsam mit Kanton und Bund eine Online-Version zu erarbeiten. Beim BfS ist man offen für eine romanische Lösung: «Bisher gab es diese Forderung nicht. Jetzt ist sie da und darum werden wir die Sache angehen und eine Lösung finden», sagt Schwyn.

 

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