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Chalandamarz bleibt im Dorf

Im Engadin wird Chalandamarz trotz Schul- und Gemeindefusionen weiter in jedem Dorf gefeiert.

Fadrina
Hofmann
Sonntag, 03. Februar 2019, 04:30 Uhr Trotz Schul- und Gemeindefusionen
ARCHIV/MAYK WENDT

In der Val Müstair gibt es dieses Jahr erstmals einen fusionierten Chalandamarz-Umzug, weil es immer weniger Kinder im Tal hat (Ausgabe vom 30. Januar). Doch wie sieht es im Engadin aus, wo Chalandamarz im Jahreskalender eine zentrale Stelle einnimmt?

Scuol ist seit 2015 eine Grossgemeinde mit sechs Fraktionen. «Eine Voraussetzung bei der Fusion war, dass die Bräuche in den Dörfern erhalten bleiben», sagt Mario Rauch, Leiter der Schule Scuol. Deswegen wird Chalandamarz in jedem Dorf nach eigener Art gefeiert – natürlich auch noch in Guarda, der Fraktion mit den wenigsten Kindern.

Fusion wäre undenkbar

In der fusionierten Gemeinde Zernez feiern die Kinder ebenfalls in ihren jeweiligen Dörfern. Die Kinder von Lavin und Susch spannen allerdings seit einigen Jahren zusammen und gehen gemeinsam auf einen Umzug durch Lavin und durch Susch. Lavin feiert dann aber noch unabhängig von Susch während mehreren Tagen Chalandamarz.

Gemäss Schulleiter Jon Candrian studieren die Schülerinnen und Schüler alle zusammen die Lieder ein. «Es gibt 12 bis 14 Lieder für alle Fraktionen», erzählt er. Im ersten Jahr habe es noch «unzufriedene Kommentare» dazu gegeben, mittlerweile habe sich das gelegt. In der Grossgemeinde Zernez gibt es ganze drei Chalandamarz-Bälle: in Zernez, Susch und Lavin.

Undenkbar wäre eine Chalandamarz-Fusion in der Plaiv – also bei den Dörfern S-chanf, Zuoz, Madulain und La Punt. Lediglich Zuoz und Madulain machen den Umzug zusammen. Die Singproben werden in den jeweiligen Dörfern separat abgehalten. «Jedes Dorf hat seinen eigenen Chalandamarz-Brauch mit eigenen Liedern», betont Annigna Nick, Schulleiterin Oberstufe Scoula La Plaiv. Die Umzüge werden zwar auch im Oberengadin mangels Kinder immer kleiner. In Zuoz wäre es dennoch auch heute undenkbar, die Mädchen beim Umzug mitmachen zu lassen. «Darüber wird nicht einmal diskutiert», meint Nick.

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