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Wer ins Januar-Loch fällt, sollte sich Hilfe suchen

Nach dem Jahreswechsel fallen viele Menschen ins psychische Januar-Loch. Warum das so ist, was man dagegen tun kann, und warum eine Unterscheidung zwischen gesunden und psychisch kranken Menschen wichtig ist, erklärt der Direktor der Psychiatrischen Dienste Graubünden, Andres Schneeberger.

Südostschweiz
Sonntag, 13. Januar 2019, 12:46 Uhr Dunkelheit und Kälte
Krise Suizid Depression
Der Januar kann für gesunde und psychisch kranke Menschen belastend sein.
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Der besinnliche Advent ist vorbei, die Feiertage durch, der Alltag hält wieder Einzug und die guten Vorsätze sind schon wieder vergessen. Dazu sind die Nächte immer noch lang, die Tage kalt und die Sonne bekommt man auch kaum zu sehen. Da fällt man schon mal ins Januar-Loch, hat keine Lust auf irgendetwas und Motivation fehlt an allen Ecken und Enden. Tatsächlich registrieren die Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR) Anfang Jahr jeweils mehr Menschen in Behandlung und mit Problemen, sagt Andres Schneeberger, Ärztlicher Direktor der PDGR im Gespräch mit RSO-Moderatorin Annina Good.

Dass dieser Anstieg im Januar passiere, habe verschiedene Faktoren, sagt Schneeberger. Einer davon seien aber sicher die Feiertage: «Über die Feiertage versuchen die Leute sich zusammen zu reissen, um zum Beispiel eine gute Zeit mit der Familie zu haben.» Danach falle diese Anspannung schnell wieder ab. Zudem werde mit dem Jahreswechsel oft auch die Hoffnung verbunden, im neuen Jahre werde alles besser. «Man nimmt sich gute Vorsätze und will es besser machen als im alten Jahr. Gerade für Menschen, die schon an Depressionen oder Angstzuständen leiden, ist das aber auch ein grosser zusätzlicher Druck», erklärt Schneeberger. Auch die Forschung zeige, dass zu Jahresbeginn die Fallzahlen in der Psychiatrie ansteigen.

Wichtig sei, und das betont Schneeberger ausdrücklich, dass man klar unterscheiden müssen, zwischen einem «Januar-Loch, das gesunden Menschen passiert und Menschen, die effektiv krank sind und unter psychischen Störungen leiden.» Bei eigentlich gesunden Menschen reiche es, wenn sie sich aufraffen – oder von jemandem quasi aufgerafft werden – und etwas mehr raus gehen, die Sonne suchen und ihren Alltag aktiver gestalten. «Bei kranken Menschen sieht das natürlich anders aus. Dafür gibt es keine ‹Hausmittel›, sondern da braucht es professionelle Hilfe von einer Fachperson.» (ofi)

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