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Kinder in einer Turnstunde zum Lachen bringen

In Ernetschwil gibt es bald ein wöchentliches Training für Kinder mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.

Linth-Zeitung
Freitag, 04. Januar 2019, 04:30 Uhr Neues Angebot
Schüler Turnen Sport Laufparade
Diese Kinder sind kerngesund – bald gibt es auch für Kinder mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen eine Turnstunde.
Yanik Buerkli / SYMBOLBILD ARCHIV

Verschiedene Turngeräte ausprobieren, miteinander im Kreis spielen, einen Ball auf ein Ziel werfen: Was einfach tönt, ist für manches Kind eine grosse Herausforderung. Kinder mit einer autistischen Störung, Epilepsie oder einem überstandenen Schädel-Hirn-Trauma sind oft unsicher in ihren Bewegungen, langsamer als andere Kinder und kommen im normalen Turnunterricht kaum auf ihre Kosten.

Ein grosser kleiner Schritt

«Sie haben das Gefühl, dass sie stören, und erleben so im Turnen und beim Spielen keine Freude», sagt Brigitte Baumann. Die Psychologin aus Ernetschwil ist Jugend-und-Sport-Leiterin mit einer Ausbildung als Behindertensportleiterin. Zurzeit arbeitet sie in der Kinderneuropsychologie des Kinderspitals Zürich.

In ihrer Arbeit hat Baumann immer wieder erlebt, dass Kinder mit einer Beeinträchtigung im Sport und im Spiel eine besondere Herangehensweise brauchen. Sie erzählt das Beispiel eines autistischen Knaben, den sie während der vergangenen zwei Jahre intensiv begleitet hat. «Er bekam sämtliche notwendigen Therapien, aber das waren meistens Eins-zu-eins-Situationen.» Das Soziale sei dabei zu kurz gekommen.

Mit sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelang es Baumann, den Knaben so weit zu bringen, dass er sich mit anderen Kindern zusammen in einen Kreis setzte. Ein grosser Schritt für den Kindergärtler.

Start im Februar

Bei Brigitte Baumann reifte nicht zuletzt durch diese Erfahrung die Erkenntnis, dass es ein spezielles Sportangebot braucht. Sie wandte sich an die Jugi Ernetschwil sowie an Plusport, den Dachverband für Behindertensport, und erhielt sofort Unterstützung.

Anfangs Februar startet Baumann mit zwei Helferinnen ein wöchentliches Training für Kinder von fünf bis acht Jahren aus dem Linthgebiet, die eine entsprechende psychologische oder medizinische Diagnose haben. In der Turnhalle Ernetschwil werden sie jeden Donnerstagnachmittag eine Stunde lang gefördert und dürfen Spass am Spielen und Turnen haben. Sie eignen sich sportmotorische Fähigkeiten an und trainieren soziale Kompetenzen. Der Unkostenbeitrag beträgt 100 Franken für ein Jahr.

Anfang mit sechs bis acht Kindern

Eltern, Geschwister und Freunde der Kinder seien in der Turnstunde willkommen, sagt die Leiterin. «Sie sind ja schliesslich die Experten im Umgang mit dem Kind.» Sechs bis acht Kinder wünscht sich Baumann zum Start. So kann sie auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen. Das Angebot richtet sich auch an Kinder, die nach einem Unfall mit einem Schädel-Hirn-Trauma eine Übergangsphase brauchen, bis sie wieder am normalen Turnunterricht teilnehmen können. Die Teilnahme während eines ganzen Jahres ist nicht Pflicht.

Zwei Dinge sind Brigitte Baumann wichtig: Sie spricht nicht gern von Behinderten, weil sie eine Stigmatisierung der Kinder vermeiden will. Und sie will ihr Angebot nicht als Therapie verstanden wissen. Vielmehr handle es sich um ein Spiel mit therapeutischem Nutzen, sagt sie. Das Wichtigste sei ohnehin die Freude der Kinder. «Ihr Lachen ist für mich die grösste Motivation.»

Anmeldungen an: brigitte.baumann@jugi-ernetschwil.ch

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