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Eine unrühmliche Neujahrsgeschichte aus Bivio

Eine baldige Beilegung des Streits um einen Durchgangsweg zum Skilift in Bivio ist nicht in Sicht. Die Gemeinde prüft mehrere Szenarien: von einem zusätzlichen Weg bis zur Enteignung der Grundeigentümer. Die verzwackte Geschichte aus Bivio.

Bernhard
Aebersold
Freitag, 04. Januar 2019, 04:30 Uhr Streit um Weg zum Skilift

In das 200-Seelen-Dorf Bivio am Fusse des Juliers ist noch immer keine Ruhe eingekehrt. Grund ist die Sperrung eines ca. 30 Meter langen Fussweges, der für viele Einwohner und Feriengäste seit Jahren der direkteste Weg zum lokalen Skilift darstellt. Die Grundeigentümer des Weges liessen Fussgänger in der Vergangenheit auf ihrem Weg passieren und erhielten dafür von den Bivio Sportanlagen ein paar Skiabonnemente.

«Vor den Kopf gestossen»

Zu Beginn der Wintersaison 2017/18 teilten die Bivio Sportanlagen den Grundeigentümern des Weges mit, dass der Durchgangsweg für die Sportanlagen «nicht betriebsnotwendig» sei und folglich keine Skiabonnemente mehr ausgehändigt werden. Die Grundeigentümer fühlten sich vor den Kopf gestossen und suchten mit den Verantwortlichen nach einer Einigung. «Als eine Einigung zwar in Aussicht gestellt, aber nie erzielt wurde, haben wir Massnahmen ergriffen», sagt Felix Honegger, ein Mitglied der Eigentümerfamilien gegenüber «suedostschweiz.ch». «Die Bivio Bergbahnen haben die Generationenvereinbarung aus dem Nichts aufgelöst und so sind wir auch nicht bereit, Beschädigungen oder Abfall zu tolerieren. Schliesslich benutzen rund 80 Prozent aller Wintersportler in Bivio unseren Weg und es ist klar, dass da mal etwas liegen bleibt.» Honegger schätzt, dass an Spitzentagen rund 1000 Personen auf dem Weg zum Skilift laufen. 

2000 Franken Busse

Seit Heiligabend ragt deshalb ein Hinweisschild aus dem Schnee, welches den Wintersportlern den Durchgang untersagt. Bei Zuwiderhandlung müsse mit einer Busse von bis zu 2000 Franken gerechnet werden. Seither herrscht Unruhe im idyllischen Feriendorf. Die Wintersportler sind gezwungen, einen kurzen, aber mit Skischuhen mühsamen Umweg zu laufen. 

Neue Freunde finden die Grundeigentümer mit der Sperrung des Weges in Bivio sicherlich keine. Im Gegenteil: Beschimpfungen haben keinen Seltenheitswert und Verständnis gibt es aus der Bevölkerung nur wenig. «Auch wir möchten eine rasche und faire Lösung für alle Beteiligten, weshalb wir immer wieder den Dialog gesucht und Hand für eine Einigung geboten haben. Aus unserer Sicht liegt der Ball bei den Bivio Sportanlagen», führt Miteigentümer Honegger aus. Es gehe nicht um Geld oder Skiabonnemente, sondern um klare Verhältnisse.

Im Richtplan, aber kein Vertrag

Für den Gemeindepräsidenten von Surses, Leo Thomann, ist die aktuelle Situation überhaupt nicht erfreulich. «Wir haben im Moment sehr viele Feriengäste bei uns im Dorf und für die ist die Situation nicht sonderlich angenehm.» Der umstrittene Weg wurde gemäss Thomann bereits im Richtplan als «Fussweg» deklariert, eine vertragliche Abmachung, die im Grundbuch eingetragen wurde, bestehe aber nicht. Die Gratis-Skiabonnemente wurden jahrelang kommentarlos als Gegenleistung für das Durchgangsrecht von den Bivio Sportanlagen vergeben. Bis zum Beginn der letzten Saison. 

«Wie viele Bündner Sportanlagen haben auch die Bivio Sportanlagen keine unbegrenzten Mittel und befanden sich auch schon in wirtschaftlich besseren Zeiten», ergänzt Thomann. Folglich stellten sie den Grundeigentümern keine Gratis-Abonnemente mehr zu, da sie nicht jedes Jahr für die «Bezahlung» des Durchgangsrecht aufkommen wollten.

Verschiedene Szenarien

An der jüngsten Gemeindevorstandssitzung wurde die Problematik diskutiert und nun werden verschiedene Szenarien geprüft. Ein Szenario sieht vor, bei der Regierung eine Enteignung zu beantragen. «In erster Linie möchten wir natürlich eine einvernehmliche Lösung finden, wenn das aber nicht möglich ist, prüfen wir diverse Möglichkeiten. Darunter auch eine Enteignung, aber das dürfte enorm viel Zeit in Anspruch nehmen», führt Thomann gegenüber «suedostschweiz.ch» aus.

Eine weitere zu prüfende Variante sieht vor, neben dem bestehenden Weg einen zusätzlichen Weg zu erstellen. Da dort aber der Fluss Valetta verläuft, dürfte auch dieses Unterfangen einen beträchtlichen Aufwand mit sich bringen. Dennoch werden mit den zuständigen Behörden entsprechende Abklärungen aufgenommen.

Einfach laufen

An Neujahr wurde eine Kette, die den Weg blockierte, entfernt. Das Durchgangsverbot bleibt aber dennoch mit Schildern signalisiert bestehen. Viele Wintersportler ignorieren derzeit das Verbot und passieren den Weg mit ihren Skiern, wie sie es sich seit Generationen gewohnt sind. 2000 Franken Busse hin oder her.

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Was die Bündner Berg(skilift)bahn samt Gemeinde als Rückendeckung für diese Bivio Sportanlagen hier bieten, sollte ein Lehrstück für die ganze Welt sein, wie es in GR läuft, welche Mentalität der Kleinkariertheit und Platzhirsch-Machtarroganz hier herrscht (das Bergün Fotoverbot lässt grüssen).
Unweise und unlogisch bis dorthinaus.
Von "Bezahlung" via ein paar spendierter Skiabos kann kaum die Rede sein, denn fahren tun die Bahnen eh, und ein neu zu bauender Weg würde sicher weit mehr kosten als diese paar Abos, die wie gesagt eigentlich eh nichts kosten.
Mein Fazit:
Destruktiv statt konstruktiv - das erlebe ich laufend im Alltag.
Ein - unfreiwilliges - Exempel an die Welt, wie GR tickt, realistischer als alle heu(ch)lerischen Gian-und-Giachen-Werbespots (millionenteuer zu allem Überfluss) zusammen.

Also den Weg als «nicht betriebsnotwendig» bezeichnen und dann doch eine Enteignung in Betracht ziehen scheint mir von Seiten Bahn/Gemeinde doch sehr polemisch. Ich kann die Reaktion der Eigentümer durchaus verstehen durch die Abgabe Abos wird die Existenz der Bahn wohl nicht gefährdet. Eine Entschädigung scheint mir doch angebracht oder lässt die Bahn z.B. Gäste gratis parken? Wohl eher nicht, dass lässt man sich ja auch bezahlen.