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«Gäll, häsch mis Seggli nüd vergässä?»

In Kaltbrunn haben sich Nikolaus und Schmutzli seit diesem Jahr in einem Verein organisiert. Dass das Traditionsgespann durchaus modern ist, beweist der Auftritt im Internet.

Linth-Zeitung
Dienstag, 04. Dezember 2018, 04:30 Uhr Mein Verein

von Barbara Schirmer

Schwere Schritte sind von draussen zu hören. Schuhe werden ausgestampft. Dann klopft es an der Haustüre. Im Haus pochen die Kinderherzen bis zum Hals und wenn die Erwachsenen ehrlich sind, so sind auch sie ein wenig nervös. Man weiss schliesslich nie, wer sich hinter dem traditionellen Gewand verbirgt und was derjenige zu erzählen weiss. Das ist seit vielen Jahren so.

Neu ist in Kaltbrunn, dass sich die Samichläuse in einem Verein zusammengeschlossen haben. «In Kaltbrunn gab es zwar immer einen Samichlaus, doch dieser besuchte die Kinder aus Eigeninitiative», erklärt der prächtige Mann mit dem schneeweissen Bart und dem Bischofshut auf dem Kopf. Er sitzt in seiner Stube am Tisch. Ruhige gutmütige Augen schauen unter dem ebenso weissen Haarschopf hervor. Dann fügt er bedächtig hinzu, dass dies vor allem für Zugezogene schwierig gewesen sei. «Die Leute wussten nicht, wo sie sich melden sollten, damit der Samichlaus auch zu ihnen ins Haus kam.»

Im noch jungen Verein haben sich zehn Gleichgesinnte gefunden, die als Samichlaus und Schmutzli zu Beginn der Adventszeit Hausbesuche machen. Aber auch Schulklassen, Vereine und Firmen können das Angebot nutzen und den Samichlaus bestellen. Der Kontakt zur Aussenwelt stellt das Internet sicher. «Wir Kaltbrunner Samichläuse und Schmutzlis sind uns einig gewesen, dass in der heutigen Zeit in unserer Branche eine Homepage nützlich ist», versichert der Chlaus. Die Anmeldung funktioniere ganz simpel. Ein Klick am richtigen Ort und der Download für die Anmeldung des Besuchs starte.

Vertrauen der Kinder gewinnen

Dann ist es allerdings vorbei mit den technischen Hilfsmitteln. Von jetzt an geht alles so, wie viele hundert Jahre schon. Der Schmutzli stellt sich in die Küche, bäckt Guetsli, verpackt Schokolädli und röstet Erdnüsse. Denn diese Dinge sind immer mit dabei, wenn der Kaltbrunner Samichlaus unterwegs ist. «Man weiss nie, wen man alles so trifft unterwegs», brummt der Schmutzli.

Später, in der Stube bei den Familien angekommen, gilt es, das Vertrauen der Kinderseelen zu gewinnen. Das Tadeln ist passé. Der Samichlaus versichert: «Wir vereinbaren mit den Kindern vielmehr einen Vorsatz und motivieren sie, diesen durchzuhalten, bis wir das nächste Mal wiederkommen.» Ein solcher Vorsatz ist der Verzicht auf den Nuggi. «Wir könnten unseren Christbaum mit Nuggis schmücken», erzählt er schmunzelnd. Obwohl es den Samichlausverein erst seit diesem Jahr gibt, schaut der Samichlaus auf eine langjährige Erfahrung zurück. Er sei einer von jenen gewesen, die in Kaltbrunn jeweils privat Hausbesuche machten, erklärt er.

Das Loch im Sack

Mit einem freiwilligen finanziellen Zustupf für den Besuch möchten die Kaltbrunner Samichläuse einmal ihre eigene Kleidung kaufen. Aktuell bedienen sie sich noch aus einem Kostümverleih. «Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir so prächtige Gewänder ausleihen konnten», frohlockt der Samichlaus. Der Schmutzli fährt sich über den zerzausten Bart und nickt. Sein Blick wandert zum grossen Jutesack. Der sieht weit weniger prächtig aus. Der ist geflickt. Nun lehnt der Samichlaus zurück und beginnt zu erzählen. Der alte Sack habe ein Loch gehabt. Der Schmutzli habe dieses bemerkt und auch die dadurch verloren gegangenen Sachen wieder zusammengetragen. Zum Glück, denn sonst wäre er, der Chlaus, am Ende mit leeren Händen bei den Kindern erschienen. Seither habe der Sack des Kaltbrunner Samichlauses eben einen Flick.

Solche und ähnliche Geschichten gehören bei den Hausbesuchen dazu. «Wir haben uns im Verein abgesprochen, Geschichten unter einander ausgetauscht», erklärt der Samichlaus. Dann werden seine Augen gross und ernst. Ob die Korrespondentin der «Linth-Zeitung» auch ein Sprüchlein wisse? Jetzt ist es wieder da, das leicht beklemmende Gefühl, das Herzklopfen bis zum Hals. Doch, doch, Sprüchlein gibt es viele. Nur kommen sie einem nicht in den Sinn, wenn man sie aufsagen sollte. «Macht nichts», unterbricht der Samichlaus das Schweigen. Auf dem Nachhauseweg, spätestens im Dorf Kaltbrunn angelangt, sei dann wieder eines präsent. Einen Lebkuchen gibt es trotzdem, ebenso ein Schöggeli. Das erste übrigens, welches der Schmutzli in diesem Jahr verpackte. Und kaum rollt das Auto der Dorfkreuzung entgegen, flüstert es im Hinterkopf: «Samichlaus ich bi so froh, dass du hüt zu üs bisch cho. Du weisch, ich tuä gärä Nüssli ässe, gäll häsch mis Seggli nüd vergässä?»

www.samichlaus-kaltbrunn.ch

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3 Fragen an den Samichlaus

1. Wieso haben Sie sich für ein Bischofskleid entschieden? 
Wir vom Samichlausverein Kaltbrunn haben Freude am Brauchtum. In unserer Gegend ist der Samichlaus nun mal ein Bischof. Es wäre zwar einfacher, ein Weihnachtsmannkostüm anzuschaffen, doch wir sind da traditionell eingestellt. Darauf legen wir Wert.

2. Haben alle Mitglieder Chlaus-Erfahrung? 
Unser Verein weist gestandene Chläuse und Neueinsteiger aus. Und das ist gut so. Auch wir müssen für Nachfolger sorgen und unser Handwerk an die jüngere Generation weitergeben. So werden sich auch in Zukunft die Kinder von Kaltbrunn auf den Samichlausbesuch freuen können.

3. Hand aufs Herz: Wie kommen Sie zu einer Internetverbindung im Wald? 
Das ist immer so eine Sache. Da muss der Schmutzli auf die grosse Eiche inmitten der Waldlichtung klettern. Ganz oben lehnt er sich dann mit der Antenne in Richtung Nordosten. Ich gebe zu, ich habe immer ein wenig Angst um meinen Kamerad. Schliesslich brauche ich ihn bei den Kindern.

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